Susan Sontag Revisited 3: The Disappearing Narcissist

Beim letz­ten Ter­min der klei­nen Sus­an-Son­tag-Retro­spek­ti­ve wäh­rend der Wie­ner Fest­wo­chen ver­ges­sen Ioa­na und Patrick. Sie ver­ges­sen, was sie gese­hen haben. Sie suchen Sus­an Son­tag. Sie schwimmt nicht unbe­dingt im sel­ben Kino mit ihren Fil­men wie mit ihren Tex­ten. Im bes­ten Fall war es eine Öff­nung hin auf etwas Grö­ße­res (Tex­te, Poli­tik, die Welt), im schlech­tes­ten Fall ein belang­lo­ser Ver­such. Das Kino von Son­tag ist irgend­was dazwischen.

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Patrick

◊ Das letzt Pro­gramm war mit Sicher­heit sehr weit weg, von dem,was wir nor­ma­ler­wei­se hier für inter­es­sant erach­ten. Es waren Fern­seh­ar­bei­ten von Son­tag: A Pri­mer for Pina, in der sie eine Ein­füh­rung in das Schaf­fen von Pina Bausch gibt und En atten­dant Godot … à Sara­je­vo, in dem sie zusam­men mit Nico­le Sté­pha­ne auf ihre Thea­ter­pro­duk­ti­on von Becketts Stück in Sara­je­vo blickt.

◊ Am Ende gab es eine Podi­ums­dis­kus­si­on und eine Frau hat Son­tag Nar­ziss­mus unter­stellt. Das bringt mich wie­der zur Fra­ge: War­um hat sie Fil­me gemacht? War­um nicht? War­um macht man Filme?

◊ Und doch: Wenn ich all ihre Fil­me gese­hen habe, spü­re ich noch den Ver­such etwas zu machen, was sie von Außen gese­hen hat…zu fil­men. Ich mag das, aber ich bin mir nicht sicher, ob es sie wei­ter gebracht hat. Ob sie etwas erkannt hat, gese­hen hat etc. Ich den­ke, dass es ihr wenn dann um das Leben mit der Kame­ra, am Set ging. Also, dass sie dar­aus etwas gewon­nen hat.

◊ Ich habe nichts gese­hen in Sus­an Son­tag, was ich nicht lie­ber gele­sen habe oder hätte.

◊ Die Bro­schü­re bzw. das Büch­lein vom Syn­e­ma­Ver­lag ist übri­gens ganz aus­ge­zeich­net. Damit mei­ne ich eigent­lich haupt­säch­lich die Tex­te von Jona­than Rosen­baum und Dud­ley Andrew. Damit müss­te man wei­ter­ar­bei­ten. Die Art und Wei­se, in der Son­tag über Film nach­ge­dacht hat. Egal ob mit oder ohne Film. Über Kunst.

A Pri­mer for Pina ließ mich an den Tanz in Giro turisti­co sen­za gui­da den­ken. Ich mag Tän­ze ohne Musik. Sie sind wie eine Pan­to­mi­me des Tons.

Pina Bausch

Susan Sontag2

Ioa­na

◊ Was in den Fil­men von Sus­an Son­tag ver­schwin­det, ist Sus­an Son­tag, hast du letz­tes Mal unge­fähr gesagt. Ich spü­re sie auch nicht.

◊ Ja, sie sind nicht was wir hier nor­ma­ler­wei­se für inter­es­sant erwach­ten, aber wenn ich wüss­te, dass ich vie­le Sachen wie A Pri­mer for Pina im Fern­se­her sehen könn­te, dann wür­de ich ein Fern­se­her besit­zen bezie­hungs­wei­se Fern­seh schau­en. Es wür­de sich wun­der­bar ergän­zen mit den Radio­näch­ten mit France Cul­tu­re, bei denen man inner­halb von vier Stun­den Inter­views aus dem Archiv mit Straub, Duras und eine Bespre­chung des Wer­kes von Rivet­te bekommt. Aber viel­leicht gibt es das sowie­so irgendwo.

◊ All­ge­mein fühlt es sich so an, als hät­te die­se klei­ne Retro­spek­ti­ve mich eher in ande­ren Rich­tun­gen gescho­ben ( mei­ne Auf­merk­sam­keit wur­de eher auf Tanz­thea­ter, TV, ande­re Küns­te und Kul­tur gelenkt), als näher an Film und Kino zu gelan­gen. Ich habe mich bei Son­tag nicht wie in mei­nem „Fish­bowl“ gefühlt. Ich mei­ne damit, dass ich nicht in mei­nem ver­trau­ten Ele­ment war und jetzt weiß ich, dass es nicht dar­an lag, dass ich eine mir bis dato unbe­kann­te Film­spra­che ken­nen­lern­te. Es war zu weit weg vom Kino.

◊ Du erwähnst in die­sem Text (den ich so mag) Ghat­ak. Bei ihm war ich auch sehr stark außer­halb mei­nes „Fish­bowls“ (aber anders) bis es sich zu einer, wenn nicht immer Liebes‑, dann zumin­dest Fas­zi­na­ti­ons­ge­schich­te ent­wi­ckelt hat.

◊ Es schien mir, dass War­hol unser Kom­pli­ze ist.