Reihe Teil 3- Lars und die Frauen-Ryan Gosling

Als nächs­tes also ein Film aus dem Jahr 2007, Lars and the real girl von Craig Gillespie
Im Zen­trum des Films steht eine abstru­se Aus­gangs­po­si­ti­on, die schon in sich die gesam­te Komik des Films, den einen Witz aus dem er sich kon­stru­iert, beinhal­tet: Ein jun­ger Mann, etwas merk­wür­dig, bestellt sich eine Gum­mi­pup­pe nach Hau­se, um sie wie sei­ne rich­ti­ge Frau zu behan­deln. Das gan­ze Dorf spielt mit und hilft dem armen Kerl. Eine Para­bel auf Toleranz.
Im klas­si­schen Ame­ri­can-Inde­pen­dent Look wer­den hier Wer­te ver­kauft und das gan­ze hät­te ziem­lich leicht ziem­lich in die Hose gehen kön­nen, wäre da nicht der Haupt­dar­stel­ler Ryan Gosling. Wie­der ist es der Haupt­dar­stel­ler, der den Film auf eine höhe­re Ebe­ne hievt, der dem Film eine Tie­fe gibt, die so eigent­lich nicht vor­han­den ist.
Ryan Gosling ist zu der­ar­ti­gen Per­for­man­ces fähig. Vom Dis­ney­club kom­mend, wo er neben Brit­ney und Chris­ti­na zu sehen war spiel­te er gleich mal einen Nazi. Auf die grö­ße­re Land­kar­te beför­der­te er sich mit dem Film The Note­book. Nach sei­nem Auf­tritt als Roman­tic-Lead hät­te man mei­nen kön­nen, dass er die­se Linie wei­ter­ver­folgt wie zum Bei­spiel ein Richard Gere, der seit Jahr­zehn­ten nicht aus sei­ner Haut flüch­ten kann, selbst wenn er es ver­sucht. Aber Gosling ist ein Cha­mä­le­on. Er spielt sui­zid­ge­fähr­de­te jun­ge Maler, dro­gen­ab­hän­gi­ge Leh­rer, Anwäl­te, die wie Cops agie­ren und eben einen jun­gen Mann, der sich eine Gum­mi­pup­pe als Ehe­frau hält.
Lars Lind­strom heißt der Mann, der sich tat­säch­lich ver­liebt in das Plas­tik­ge­schöpf. Er ver­liebt sich tat­säch­lich. Hoff­nungs­los. Es sehen ihn zwar alle schräg an, aber eigent­lich mögen ihn alle. Eine Kol­le­gin im Büro trifft es beson­ders hart, weil sie auf Lars steht. Gosling lässt kaum in den Cha­rak­ter schau­en, er hat eines die­ser Gesich­ter auf das man sein eige­nes pro­ji­zie­ren kann.
Funk­tio­niert der Film des­halb so gut? Iden­ti­fi­zie­ren wir uns mit dem Cha­rak­ter oder ist es nicht mehr die küh­le Distanz mit dem Gil­le­spie dem Gesche­hen folgt, der Humor und das Herz? Gosling jeden­falls lässt einen gewis­sen Wahn­sinn durch­aus durchsickern. 
Das Augen­zucken

Die Hal­tung

Ein Lächeln, das nie­mals sei­nem gegen­über gilt

Pas­si­vi­tät
Das ist Identifikation.
Was er also gemein hat mit Nor­ton und Bale ist eine gewis­se Nei­gung los­zu­las­sen, ein unter­schwel­li­ger Wahn­sinn, der durch­aus in der Lage ist aus­zu­bre­chen. Eine Anders­ar­tig­keit, die gelebt wird. Chris­to­pher Plum­mer nann­te die­se Eigen­schaft, die sei­ner Mei­nung nach jedem guten Schau­spie­ler gemein ist „The gre­at Rage“. Die Fähig­keit sich zu ver­lie­ren. Wie wun­der­bar ist es einem Schau­spie­ler dabei zuzu­se­hen, wie er schon lan­ge los­ge­las­sen hat und selbst dage­gen ankämpft. 
Sei­ne Mimik erlaubt eine Viel­zahl von Eigen­schaf­ten, die man in den Aus­druck inter­pre­tie­ren kann. Er ist ein Mann der mini­ma­lis­ti­schen Dar­stel­lung, ein klas­si­scher Film­schau­spie­ler. Wir gehen ins Kino um genau das zu sehen. Natür­lich träumt kei­ner (oder weni­ge) von uns davon sich eine Gum­mi­pup­pe als Frau zu hal­ten, aber trotz­dem ist es eine Art los­las­sen, es ist ein Idio­ten-Spie­len wie in Lars von Triers gleich­na­mi­gen Film, das uns fas­zi­niert. Etwas ris­kie­ren, jeman­den mit der Axt töten oder eben auf alle gut gemein­ten Rat­schlä­ge pfei­fen, alle zu über­ra­schen und sich gegen jede Regel verhalten.
Idio­ten von Lars von Trier
Natür­lich darf man nicht ver­ges­sen, dass das nicht allei­ne die Leis­tung von Ryan Gosling ist. Regie, Kos­tüm, Mas­ke, Szenenbild…alle arbei­ten an ihm, um den Wahn­sinn, den wir alle lie­ben sub­til zum Vor­schein kom­men zu las­sen. Wenn das Herz dann auch noch ange­spro­chen wird ver­ges­sen wir die Abar­tig­keit des gan­zen. In den Hän­den von Gior­gos Lan­t­hi­mos (Dog­tooth) wäre das gan­ze zum Bei­spiel zu einem deut­lich schwe­rer ver­dau­li­chen Stoff gewor­den. Ein ame­ri­ka­ni­scher Film schafft es selbst aus einer abar­ti­gen Hand­lung noch klas­si­sche Erzähl­struk­tu­ren und Emo­tio­nen zu locken. Gott­sei­dank haben sie dort die bes­ten Schau­spie­ler zur Ver­fü­gung. Es geht wei­ter mit Nata­lie Port­man in Black Swan von Dar­ren Aronofsky.