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Die seltsamen Bilder von Jia Zhang-ke
Jia Zhang-ke ist ein rätselhafter Filmemacher. Unlängst veröffentlichte er ein Video für Seedance 2.0 von ByteDance, das KI-System eines chinesischen Technologieunternehmens. Unter dem Titel Jia Zhang-ke’s Dance sieht man dabei eine von KI generierte jüngere und eine ebenso aus dem Text-zu-Bild-Modell entstandene heutige Version des Filmemachers durch die Szenerien seiner…
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Wout, Wout, Wout
Mehr noch als andere Sportarten liebt der Radsport seine Unglücklichen und Verlierer. Das hat unter anderem damit zu tun, dass es in einem Radrennen, trotz gegenteiliger Beteuerungen der übertragenen Medien, nie um Duelle oder ein wirkliches Gegeneinander geht. Im Herzen wissen diejenigen, die sich für den Sport begeistern, dass letztlich…
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Zagreber Kassiber: Sperrsatz
Du hast gesagt, dass es besser wäre, eine Zeit lang nichts mehr zu schreiben. Die Welt ließe das nicht mehr zu. Jedes Wort wäre belagert und zwecklos. Man müsse sich anders ausdrücken, um am Leben zu bleiben. Das war in Zagreb. Wir waren dort einige Tage und beinahe ist nichts…
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Schilderungen aus Frankfurt: Jean Eustache im Deutschen Filmmuseum
Als der vielleicht dreizehnjährige Daniel in Jean Eustaches Mes petites amoureuses sein idyllisches Dorf verlässt, zieht es ihn zuerst an den städtischen Fluss, dann ins Kino und zuletzt auf den Boulevard. Mit einer frühreifen Portion Unverständnis bleibt das Flanieren auf der immerselben Stelle für ihn unbegreiflich. Wer dort geht, kann…
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Raumentfremdung: Drei Arbeiten von Ivan Marković
Architekturfilme sind immer auch Lichtfilme. Am scheinbar regungslosen Objekt betonen sie das, was sich verändert: Staub und Schimmer, Zeit und durch die Gänge gehende Menschen. Die Gebäude erzählen von Verwandlungen. Wie werden sie belebt? Man muss sie nur betrachten und die, die in ihnen stehen. Man muss nur mit ihnen…
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Kvarner Kassiber: Weißer Schaum
Die Kiefern auf der Halbinsel Prniba sind von weißem Schaum bedeckt. Ihre schwarze Borke sieht aus, als wären sämtliche Sterne zugleich am Nachthimmel explodiert. Von der steinigen Erde bis zur Krone, vom Stamm bis zur Spitze der über die auslaufenden Wellen ragenden Äste ist alles von weißem Gesprenkel durchsetzt. Als…
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Notiz zu The Tempest von Derek Jarman
So stark wie der Wind manchmal in Wien weht, gerade im Frühling, könnte das Filmmuseumspublikum in Jarmans Shakespeare-Adaption ein paar Luftbewegungen fast vermissen. Sein Tempest spielt fast die ganze Zeit in einer verlassenen Ruine bei vernagelten Fenstern und Kerzenlicht. Wenn sich der Film nach draußen wagt, bewegen sich allenfalls ein…
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Taubenblicke von Damals (XVI)
Bilder, die niemals vergehen werden … Zum Beispiel der Blick damals vor fünf Frühlingen von der Spitze des Galgenbergs auf die Stadt Tübingen in der Abenddämmerung; ein den ganzen Raum erfüllender blau-lila-farbener Himmel, der mit jedem leichten Windhauch an Helligkeit abnahm; die Luft wie ein weiches Material, das man mit…
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Gnade der Länge – La Grazia von Paolo Sorrentino
Text: Gerd Sulzenbacher Zurück in der Ewigen Stadt widmet sich Paolo Sorrentino dem Alter und der Sorge. Während La Grazia gewichtige Themen mit großer Leichtigkeit vorstellt, macht seine würdevolle Langatmigkeit ihn träge. Staatspräsident Mariano De Santis (Toni Servillo), Spitzname »Stahlbeton«, ist ein freimütiger Zweifler. In den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit…



