Ges­tern habe ich mich mit dem 22jährigen Fran­zo­sen Phil­lip­pe aus Paris unter­hal­ten. Er schwärm­te gleich­zei­tig von «la cine», dem Erleb­nis ins Kino zu gehen, das Gefühl allei­ne zu sein und den Film doch zu tei­len, den Emo­tio­nen, die ein Film aus­lö­sen kann und wie er einen Tage spä­ter noch beschäf­ti­gen kann. Gleich­zei­tig mein­te er jedoch, dass sich im Kino bei ihm eine Art auto­ma­ti­scher Modus ein­stellt, der ihm ver­bie­tet zu den­ken und ihn nur ein­tau­chen lässt. Das gin­ge soweit, dass er sogar schon mehr­fach ein­ge­schla­fen ist. Am Tag zuvor sahen wir uns den neu­en Film von Dun­can Jones («Moon»), Source Code an.
Der Film ver­sucht bei­de Gefüh­le, die Phil­lip­pe hat, ein­zu­fan­gen. Er ver­sucht zu das Publi­kum wirk­lich zu errei­chen, aber er will auch unter­hal­ten. Die­ser nola­nes­que Ansatz gelingt ihm nicht. Die Leu­te, die ins Kino gehen um unter­hal­ten zu wer­den, wur­den ent­täuscht und die, die Anspruch suchen auch​.Es ist kei­ne Kata­stro­phe, ganz und gar nicht, aber es ist ein Film, der unheim­lich viel Poten­zi­al ver­siebt. Es ist ein typi­scher Film für unse­re Zeit. Man hat das Gefühl, dass der Regis­seur gegen den Pro­du­zen­ten bzw. den Mas­sen­ge­schmack arbei­tet. Doch woher ken­nen die­se soge­nann­ten Fil­me­ma­cher den Mas­sen­ge­schmack? Was ist der Mas­sen­ge­schmack? Gibt es den Mas­sen­ge­schmack? Ich den­ke, dass es im Kino kei­nen wirk­li­chen Mas­sen­ge­schmack gibt. Es gibt For­meln, die häu­fig funk­tio­nie­ren, aber man soll­te auf­hö­ren zu den­ken man steckt die Fil­me in die Scha­blo­ne die­ser For­meln. Man soll­te sie eher zur Ver­fei­ne­rung neh­men oder am bes­ten ganz weglassen.Unsere Gene­ra­ti­on hat alles gese­hen; und wir kön­nen alles über­all sehen. War­um gibt man uns dann nichts neu­es anstatt gute Ideen in Ein­tö­nig­keit unter­ge­hen zu las­sen, sodass wir immer mehr ein­tau­chen, aber immer weni­ger teil­neh­men. Also schla­fen. Phil­lip­pe mag Han­eke. Ich auch.