The Strange Beauty of Underwater

Bil­der: Ioa­na Florescu
Text: Patrick Holzapfel


Das Was­ser fliegt auf dich zu

Das Was­ser fliegt auf dich zu
Es fliegt an dir vorbei
Und dann bist du draußen
Days of Hea­ven von Ter­rence Malick
The Night of the Hun­ter von Charles Laughton
Das Was­ser fliegt auf dich zu
Das Was­ser fliegt auf dich zu
Es fliegt an dir vorbei
Und dann bist du draußen
Sym­pa­thy for Mr Ven­ge­an­ce von Park Chan-wook
Augen blin­zeln im sau­er­stoff­ar­men Was­ser, sie erzeu­gen klei­nen Wel­len, die ich nicht sehe. Alles schwebt und schwimmt, der Druck um mei­ne Ohren erzeugt eine Lee­re, die mich füllt. Öff­ne dei­ne Augen Was­ser. Ein Schwall flu­tet den Projektionsraum.Ich wer­de in den Kino­saal geschwemmt. Dort klingt alles anders, alles sieht anders aus. Den­noch kann ich es erkennen. 
Beau tra­vail von Clai­re Denis
Bird of Para­di­se von King Vidor
In the Tro­pi­cal Seas von Carl Lou­is Gregory
Der Schall Got­tes wird ver­schluckt. Die Zeit scheint lang­sa­mer zu lau­fen, hal­lu­zi­nie­ren­de Schwer­kraft, eine zähe Mas­se, sie hat kei­ne Far­ben, nur Druck. 
Was ist mit mei­nem Blick? Ist er ver­stört? Geschwind muss ich die Augen schlie­ßen. Es gibt kei­nen Aus­weg aus die­ser Dun­kel­heit. Wie leben­dig gewor­de­ne Sta­tu­en bewe­gen sich die mys­ti­schen Objek­te unter Was­ser, sie sind ver­ges­sen, ver­lo­ren und doch leben sie in der Zeit. Das Was­ser ver­än­dert sie, es ver­än­dert mei­nen Blick auf sie. 
Cro­co­di­le von Kim Ki-duk
Train­spot­ting von Dan­ny Boyle
Also muss man schwimmen.
Swim­mer von Lyn­ne Ramsay
Swim­mer von Lyn­ne Ramsay

Undi­ne schläft mit mir.
Wie kann es sein (mit mir),
dass alles sich auflöst
und nichts zu berüh­ren ist,
wenn Undi­ne mit mir schläft
in einer unschar­fen Seele
unter Was­ser
ist nichts, außer dem Blut
von Undi­ne und mir
es brennt (im Kino an der Straßenecke)
Patrick von Richard Franklin
Ich baue ein Kino unter Was­ser. Man ertrinkt wäh­rend man die Bil­der sieht. Alle schrei­en, aber nichts ist zu hören. Die Lein­wand ver­schwimmt. Die Far­ben dar­auf sind Was­ser­far­ben. Und dann habe ich mein Kino unter Was­ser gebaut. Die Ses­sel flie­gen durch den Raum, die Men­schen auch. Der Pro­jek­tor ist an einen Stein gebun­den. Der Licht­strahl des Kinos ist wie ein Stern für alle die ertrin­ken und in mei­nem Kino landen.
Le sca­p­hand­re et le papil­lon von Juli­an Schnabel
Mélo­die en sous-sol von Her­ni Verneuil

L’A­ta­lan­te von Jean Vigo

Hören wir ihren Gesang über dem Was­ser? Die Sire­nen des Kinos? Ein Gesang, der über das Kino hin­aus­geht, den wir nach Hau­se neh­men, den wir im Was­ser selbst emp­fin­den. Wenn das Kino wie Was­ser­trop­fen an uns trock­net, wenn wir es ver­las­sen haben. Wenn wir uns nass füh­len, obwohl wir im Tro­cke­nen sind. Wann kön­nen wir wie­der ins Was­ser sprin­gen ohne Angst zu haben? Wann kön­nen wir ins Kino tauchen?

The Gra­dua­te von Miche Nichols
Sun­set Bou­le­vard von Bil­ly Wilder
Under the Skin von Jona­than Glazer
Eine ver­trock­ne­te Nym­phe hechelt am Strand. Jemand träumt als er stirbt. Man träumt, wenn man im Was­ser stirbt. Viel­leicht muss man im Kino ster­ben. In der ers­ten Rei­he nah an den Bil­dern. Man soll­te im Kino sterben.
The Pia­no von Jane Campion
The Pia­no von Jane Campion
Und plötz­lich ist alles wie­der echt. Wenn man akzep­tiert nie wie­der auf­zu­tau­chen, wenn sie eine Rea­li­tät unter Was­ser fin­det, die alles ver­schluckt. Das Kino dringt dann durch Ohren, Mund und Nase in unse­re Lun­gen, wir plat­zen mit dem Kino. Am Grund des Mee­res gibt es noch etwas zu ent­de­cken. Wer will dort suchen? Wer will noch suchen? Wer sucht in der Dun­kel­heit, um Licht zu finden?
The Thin Red Line von Ter­rence Malick
Lung Bun­mi raluek chat von Apichat­pong Weerasethakul