Das Ende ist mein Ende. Grel­les Licht tauscht sich aus gegen Dun­kel­heit, ein Moment der Lee­re, der mich in mei­ner völ­li­gen Ver­wir­rung, in mei­nem Enthu­si­as­mus, in mei­nem Wohl­ge­fühl allei­ne lässt. Eigent­lich ist es aber das Licht, das zunächst ver­schwin­det und die Dun­kel­heit, die kommt. Das Fil­men­de ist mein Ende. Es ist ein Punkt. Man­che set­zen ihn, um einen Raum fürs Nach­den­ken zu geben. Eine Stra­te­gie des moder­nen Kinos. Pedro Cos­ta spielt Musik. Das bedrü­cken­de Schwarz, das sich set­zen muss. Das Ende ist ein Rah­men. Es zeich­net den Film als Film aus. Hol­ly­wood spielt mir das Ende oft in einer Eupho­rie zu. Ich sehe es schon kom­men, wie ich Melo­dien im Radio erken­ne. Ein Kran­schuss, eine selt­sam lan­ge Ein­stel­lung , eine zufal­len­de Tür. Ja, Drey­er und Cop­po­la haben mir die Tür in sich Gesicht sin­ken las­sen. Die­se eine Sekun­de, wenn es pas­siert. Das Ende been­det es. Aber der Ton mag wei­ter­ge­hen. Man hört noch Töne, ja. Apichat­pong Weer­a­set­ha­kul und sei­ne Natur drin­gen noch immer blissful­ly in mei­ne Ohren, wenn mei­ne Augen schon erblin­den muss­ten. Es ist eine Metho­de jener Rea­lis­ten des moder­nen Kinos, die damit den Über­gang zwi­schen Film­rea­lis­mus und jenem ande­ren Rea­lis­mus ver­schlei­ern. Oft set­zen sie eine völ­li­ge Stil­le, eine Betrof­fen­heit auf ihre Dun­kel­heit. Manch­mal scheint das Ende schon vor dem Ende zu begin­nen. Kiaros­t­ami macht es. Da beginnt die Musik zwi­schen den Oli­ven­hai­nen schon im Abspanns­mo­dus zu erklin­gen. Und Puiu. Puiu muss uns am Ende beschäf­ti­gen. Puiu soll­te uns über­haupt mehr beschäf­ti­gen Er geht ein­fach raus und spielt fröh­li­che Musik in „Auro­ra“. Aber Puiu kann mehr. Am Ende. 
Ande­re blen­den den Film aus. Sie las­sen ihn Ver­schwin­den als wür­de ein Traum begin­nen. Dumont hat das gemacht. In „Fland­res“ hat er es so been­det und mit den Wor­ten „Je t’aime“. Von Trier macht es in „Anti­christ“.  Berg­man hat es gemacht. Tar­kow­ski fährt durch die schwar­zen Stäm­me der Bäu­me in ein unend­li­ches schwarz. Das Ende ist ein war­mer Schau­er über mei­nen Rücken. Ich kann mich dar­an auch ver­bren­nen. Das har­te Ende ist ein Schuss in mei­ne Augen, einer der größ­ten Schocks, die ich im Kino fin­den kann. Die Darden­nes machen es in „Le fils“. Die Welt scheint wei­ter­zu­ge­hen, aber ich wer­de aus­ge­schlos­sen. Als wäre der Akku des Films leer. Truf­f­aut hat das Bild gestoppt. Es war ein Blick in die Zukunft. So war es auch bei Paul Tho­mas Ander­son in „Magno­lia“. Ein Wech­sel in der letz­ten Sekun­de, eine neue Rich­tung. Das Ende ist mein Neu­be­ginn. Fatih Akin lässt mich am Meer ein­fach wei­ter­war­ten. Sein Ende war­tet auf der ande­ren Sei­te. Ich spü­re noch den Atem des Films und hof­fe, dass die Dun­kel­heit nicht endet. Des­halb ver­ges­se ich das Ende. Das Ende ist das Ende mei­ner Erin­ne­rung. Ich ver­mag mich an letz­te Sze­nen zu erin­nern, aber die wahr­lich letz­ten Sekun­den zwi­schen Bild und Abspann, zwi­schen Licht und Dun­kel­heit, zwi­schen dem Ver­lust und dem Spü­ren mei­nes Kör­pers gehen ver­lo­ren im Über­schwang des Endes. Es hat nach eini­gen Sekun­den die glei­che Wir­kung wie nach meh­re­ren Stun­den. Ich bin süch­tig nach dem Ende. Ich will so vie­le wie mög­lich erle­ben. Frü­her hat man das Ende hin­ge­schrie­ben. Man hat es hin­ge­schrie­ben. Es gab kei­ne Abspän­ne, es gab nur ein Ende. «Fin», «The End». Manch­mal ist das Ende weiß. Manch­mal lau­fen Figu­ren aus dem Bild, manch­mal lau­fen sie von mir weg. „No“ haucht sie bei Rivet­te in „La bel­le noi­seu­se“ und ver­schwin­det. Aus. Fil­me sind gezwun­gen ihre eige­ne Ver­gäng­lich­keit anzu­er­ken­nen und ich gleich mit ihnen. Ande­re schau­en mich an am Ende. Auch bei Kubrick. Aber Puiu. Man muss über Puiu spre­chen. In sei­nem „Moar­tea dom­nu­lui Lăză­res­cu“ ist der letz­ter Frame ein letz­ter Atem­stoß, sein Ende ist das wahr­li­che Ende und den­noch ist es unsi­cher. Es ist als wür­de der Film sei­nen Atem aus­hau­chen, den er zuvor in einem fil­mi­schen Wahn­sinn auf höchs­ten Ebe­nen hat aus­sto­ßen müs­sen. Puiu macht das Bild nicht schwarz, er macht es sau­ber. Das Ende ist eine Rei­ni­gung. Des­halb ist da auch oft ein Meer. Bei Felli­ni. Bei Ange­lo­pou­los. Bei Vis­con­ti. Eigent­lich bei allen. Rey­ga­das lässt das Licht natür­lich ver­schwin­den. Er gleicht sich dem Tages­rhyth­mus an. Er macht das Ende zu einem letz­ten Schrei des stil­len Lichts. Am Ende ist dann nichts mehr außer dem Gefühl und den Gedanken.