Bei Leos Car­ax gilt die Regel: je popu­lä­rer sein Film des­to unin­ter­es­san­ter. Einen schlech­ten Film hat er bis heu­te nicht gedreht. Neben Holy Motors ist Les Amants du Pont-Neuf sein bekann­tes­tes Werk. Hier zeigt uns Car­ax eini­ge Din­ge über die Lie­be. Zum Bei­spiel, dass sie aus Kine­tik besteht oder dass es genügt, wenn zwei Men­schen zusam­men lachen können.

Dass der Film eine Art Remake von Chap­lins City Lights ist (die blin­de Frau und der Tramp) und man am Ende im Was­ser und auf dem Kahn in die Zukunft, ob der Fil­me­ma­cher das möch­te oder nicht, an L’Atalante von Jean Vigo denkt, zeigt wel­che Art von Roman­tik Car­ax bemüht: jene der Illu­si­on, des Kinos, des Feu­er­werks. Mit der ent­spre­chen­den Empha­se zeigt uns Car­ax, dass man ein Hap­py End auch dann haben kann, wenn alles dage­gen spricht. Damit bricht er bereits 1991 die Regeln einer bis heu­te ein­ge­ros­te­ten Kino­lo­gik, die Bil­der sozia­ler Unge­rech­tig­keit eigent­lich nicht mit Kitsch verbindet.

Möch­te jemand ein for­ma­les Prin­zip in einem Film auf­zei­gen, bie­tet sich Les Amants du Pont-Neuf beson­ders an. Man muss dar­auf ach­ten wie das Was­ser gefilmt wird, an wel­chen Stel­len Men­schen auf das Was­ser bli­cken, ins Was­ser fal­len. Als Gegen­ge­wicht gibt es nicht nur das Land, son­dern auch das Feu­er. Mit Car­ax lernt man schwim­men und tan­zen und ren­nen und lie­gen und wie man eine Hand berührt.