Das Vieh und sein Leid haben schon oft als Meta­pher für die Unfrei­heit der Men­schen gedient. Rin­der bie­ten sich dabei beson­ders an, weil sie (im Gegen­satz zu Scha­fen oder Zie­gen zum Bei­spiel) in die Kame­ra schau­en. In Tou­ki bou­ki gibt es sol­che Ris­se in der vier­ten Wand frei­lich nicht, aber es gibt N’Dama-Rinder zu Beginn und am Ende des Films (und ein Horn, das auf einem Motor­rad mit den Prot­ago­nis­ten reist) und das anhal­ten­de Gefühl, dass der Film einen anblickt.

Gezeigt wird ein schein­ba­res und durch­aus sur­rea­lis­ti­sches Road­mo­vie als Flucht­ver­such eines Lie­bes­paars. Hin­aus aus die­sem Sene­gal und nach (so ver­kün­den zwei nerv­tö­ten­de Chan­sons) Paris. Nur Schein ist die Rei­se aus meh­re­ren Grün­den. Ein­mal, weil sie ein Vor­wand für den Fil­me­ma­cher ist, den Sene­gal zu zei­gen und auch, weil ihr Ziel, so merkt man zumin­dest teil­wei­se, eine Illu­si­on ist. Paris gibt es gar nicht, zumin­dest nicht für Senegalesen.

Da man als West­eu­ro­pä­er geübt ist in Igno­ranz, kann ich nur stüm­per­haft ver­su­chen zu beschrei­ben, was man vom Sene­gal sieht: Die Außen­sei­ter in die­ser Gesell­schaft leben mit den Krä­hen, Geld ist wich­ti­ger, wenn man es nicht hat, es gibt gera­de Stra­ßen, die Klas­sen­un­ter­schie­de wer­den auch mit Sprach­un­ter­schie­den mar­kiert, man lebt so in den Tag hin­ein, das Meer lässt die Men­schen träu­men, Poli­zis­ten beneh­men sich oft lächer­lich, vie­le Men­schen haben Angst vor ihrem nächs­ten Schritt, man drückt sich musi­ka­lisch aus und ein wenig Blut bleibt auf der Stra­ße zurück, von wo es lang­sam in die Erde sickert.