Leben mit dem Tod – Michael Roemer

Über die Fil­me von Micha­el Roe­mer zu sagen, sie wären von der Film­ge­schich­te über­se­hen wor­den, mag viel­leicht rich­tig sein, stellt sie damit aber letzt­lich auch nur in die Ecke des Inter­es­sant-Sel­te­nen. Aller­dings fehlt sei­nen weni­gen Wer­ken oft die dafür not­wen­dig Exzen­trik, sie krei­sen viel­mehr um ihre inners­ten eige­nen The­men: das Leben inner­halb oder außer­halb manch­mal reli­giö­ser Gemein­schaf­ten und dem Tod, der zwar gefei­ert, aber trotz­dem allein gestor­ben wird. Roe­mer der 1928 in Ber­lin gebo­ren wur­de und auf einem Kin­der­trans­port vor den Nazis flie­hen konn­te, wuchs in Eng­land auf und kam erst spä­ter in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo er ein Film­stu­di­um begann. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­starb er am 20. Mai. Dass er sich in sei­nem Leben nicht nur dem Kino als Selbst­zweck hin­gab, erkennt man viel­leicht an den weni­gen, dafür aber unab­hän­gi­gen Fil­men. Genau­so auch dar­an, dass er als Pro­fes­sor in Yale lehr­te, wo seit einer Wei­le sei­ne ver­streu­ten Schrif­ten zugäng­lich sind. Auch er, wie eini­ge ande­re sei­ner Gene­ra­ti­on, wuss­te, wie sehr das Schrei­ben mit dem Kino ver­bun­den ist. Dort, wo der Wunsch nach Ver­ewi­gung auf den der Unsicht­bar­keit trifft. Sei­ne Nach­ru­fe, in denen man noch mehr über sein Leben erfah­ren kann, gehen dar­über ger­ne hinweg.

Wenn auch nicht immer sicht­bar, so taucht an man­chen Stel­len sei­ner Fil­me ein lebens­freu­di­ger, sub­ti­ler Humor auf, dem er sich in sei­nem letz­ten Buch Sho­cked but con­nec­ted wid­me­te. Dar­in kann man ein­lei­tend lesen:

»In 1939, a quirk of fate and my mother’s wil­ling­ness to let her child­ren go sent us to a Jewish boar­ding school in Eng­land. We would as obe­dient­ly have board­ed a train for Pol­and. Not­hing in my pri­vi­le­ged life sin­ce then has allo­wed me to belie­ve that I deser­ved my sur­vi­val any more than mil­li­ons of others deser­ved their suf­fe­ring and death. Cast up on the shores of New Eng­land after the war, neither the opti­mism of my fel­low Ame­ri­cans nor my own stre­nuous efforts could per­sua­de me that my will is free or my own. Inde­ed, I have beco­me ever more con­vin­ced that wha­te­ver I am, do, or have is owed to others, who may be as litt­le in char­ge of their lives as I have been of mine. Though this may seem dis­cou­ra­ging, once I admit­ted it, I felt freer and no less able to act than I was during the many years I spent try­ing to pro­ve the opposite.«