Favula von Raúl Perrone

Filmfest Hamburg: Favula von Raúl Perrone

Par­te 1: la familia

Eine Hyp­no­se, ein knal­len­der Schuss, Musik. Wache jetzt auf-du bist im Urwald des Lebens. Dei­ne Fami­lie war­tet mit dir im Flim­mern einer Rear­pro­jec­tion. Hast du Angst, dass dein Vater erschos­sen wird? Ich habe Angst, dass das Haus brennt. Ein Kino brennt, die Bil­der bren­nen vor mei­nen Augen, es sticht. Die Gesich­ter sind nicht, was ich ver­lan­ge. Sie sind eine Blen­de. Mei­ne Mut­ter ist ein Raub­tier. Raub­tie­re lau­ern hin­ter dem Bild mei­ner Mut­ter. Sie schrei­en auch. Mei­ne Mut­ter ist besorgt. Wohin sind ihre Kin­der ver­schwun­den? Wohin ist ihr Mann? Ein knal­len­der Schuss, die Ecken des Bil­des vibrie­ren, immer­zu, eine Framing-Pene­tra­ti­on. An wen wur­den die Kin­der ver­kauft? Sie haben mich ans Kino ver­kauft. Ich kom­me nur mehr zum Essen nach Hau­se, habe Angst zu vergessen.

Favula von Raul Perrone

Par­te 2: el cine

Vögel zwit­schern durchs Bild. Sie sind nicht aus die­ser Welt. Sie zer­bre­chen, ob der Bil­der. Die Gesich­ter im Urwald sind nicht dort. Sie sind in einem ande­ren Bild. Ein Vogel, klei­ner kämp­fen­der Vogel, viel­leicht ein Koli­bri schläft mit einer Frau, sie schwitzt, jeder Trop­fen ist im Kino. Ich bin im Kino, oder? Musik, eine Hyp­no­se, wie­der ein Schuss im Frie­den. Der Schock kommt durch den Rhyth­mus­bruch. The Most Dan­ge­rous Game. Wohin wan­dern wir, wenn wir im Kino träu­men? Ich träu­me, muss träu­men, darf träu­men, als wären mei­ne Gedan­ken im Film nichts ande­res als eine Rear­pro­jec­tion. Hin­ter mir ist eine Hyp­no­se. Im Kino sitzt sie neben mir. Ich flie­ge zum Mond.