Vor kur­zem hat­te ich mal wie­der die Gele­gen­heit den fan­tas­ti­schen Grün­der­film der Nou­vel­le Vague «Les quat­re cents coups» (dt. Titel: «Sie küss­ten und sie schlu­gen ihn) anzu­schau­en. Der zur Auto­bio­gra­phie nei­gen­de Film von Fran­cois Truf­f­aut ist der ers­te Film sei­nes Antoine-Doi­n­el Zyklus. Ich kann jedem, der sich auch nur ein biss­chen für Film begeis­tert, raten sich mit Antoine Doi­n­el zu beschäf­ti­gen. Es lohnt sich und es ist Film­kunst ohne jemals schwer zugäng­lich oder wenig unter­halt­sam zu sein.

Trai­ler

Berühmt ist «Les quat­re cents coups» unter ande­rem für sein Ende, wel­ches den Free­ze Frame in einer wohl nie erreich­ten Effek­ti­vi­tät benutzt. Aber mei­ner Mei­nung nach von min­des­tens eben­so gro­ßem fil­mi­schen Wert ist die Cha­rak­ter­ein­füh­rung. Nach einem Vor­spann, der uns in den Ton und in die Stadt Paris ein­führt, lan­den wir in einer Schul­klas­se. Ein Pin-Up Kalen­der wan­dert durch die Rei­hen wäh­rend der Leh­rer in sei­ne Lek­tü­re ver­sun­ken ist. Der Zuschau­er ist noch völ­lig halt­los, weiß nicht wor­auf es hin­aus­läuft. Dann bekommt Antoine Doi­n­el den Kalen­der. Krit­zelt etwas dar­auf her­um. Als er ihn wei­ter­ge­ben will, wird er erwischt und wird bestraft.

Mit die­ser einen Sze­ne gelingt es Truf­f­aut also sowohl den Cha­rak­ter mit­samt sei­nem Unge­hor­sam zu offen­ba­ren, also auch das Pech die­ses Kin­des, wel­ches eigent­lich nur eines von vie­len ist. Die Will­kür des gan­zen, die natür­lich auch etwas mit dem Eltern­haus zu tun hat, aber das Eltern­haus ist auch nur eine Auto­ri­tät. Und der Leh­rer bestraft nur wen er erwischt. Unge­rech­tig­keit des Lebens.

Das bes­te an die­ser Sze­ne ist aber die spie­le­ri­sche Insze­nie­rung, der Ton des Films, der immer­zu schreit: KINO! Ich lie­be dich.