Es gibt Fil­me über die kann man eigent­lich nicht schrei­ben, weil man sich ganz sicher sein kann, dass schon fast alles dar­über gesagt wur­de, und weil die­se Fil­me wie Fel­sen in der Refle­xi­ons­land­schaft ste­hen und sich nicht bewe­gen las­sen. „Gone with the Wind“, der 1939 von David O. Selznick pro­du­ziert und in gro­ßen Tei­len von Vic­tor Fle­ming rea­li­siert wur­de, ist ein sol­ches Stück Film­ge­schich­te, tat­säch­lich ein­ge­schrie­be­ne Film­ge­schich­te. Und Film­ge­schich­te rühmt sich zwar der eige­nen und stän­di­gen Neu­erfin­dung, dem stän­di­gen Hin­ter­fra­gen und der völ­li­gen Frei­heit von jeg­li­chem Dog­ma­tis­mus, aber so ganz umschrei­ben lässt sich die Betrach­tung eines Films dann doch nicht. Aus die­sem Grund ste­he ich übri­gens auch Top10-Lis­ten öffent­li­cher Maga­zi­ne, wie sie gera­de zum Jah­res­en­de wie­der in Scha­ren auf­tau­chen, mehr als nur kri­tisch gegen­über. Wenn man pri­vat sol­che Lis­ten anfer­tigt, fin­de ich das in Ord­nung, man hat die Mög­lich­keit in eini­gen Mona­ten Ände­run­gen vor­zu­neh­men und die Lis­te immer wie­der zu hin­ter­fra­gen. Aber Zeit­schrif­ten set­zen die­se Lis­te wie Stem­pel auf ihre Aus­ga­ben, ja auf ihre Poli­tik. Das gan­ze Jahr ver­wei­gern sie zum Teil eine Bewer­tung (was ich sehr gut fin­de), um dem Leser dann doch eine mög­lichst ein­fa­che Wer­tung, sogar noch im Ver­gleich und unter Denun­zie­rung der aus­ge­schlos­se­nen Fil­me zu geben. Natür­lich nicht ohne, dass Kri­ti­ker selbst­herr­li­che Kom­men­ta­re unter die Lis­ten set­zen und ihre Wahl begrün­den. In eini­gen Jah­ren erst wür­de ich ger­ne hören, wie sie ihre Wahl recht­fer­ti­gen. Der wah­re Hin­ter­grund könn­te aber die soge­nann­te Inter­ak­ti­on mit den Lesern sein, die dann in zahl­rei­chen Kom­men­ta­ren ihre Wut oder Über­ein­stim­mung laut kund­tun kön­nen, ohne dass ihnen jemand sagt wie unin­ter­es­sant das für irgend­wen außer ihnen selbst ist. Der ein­zi­ge posi­ti­ve Fak­tor scheint mir, dass ver­schie­de­ne Fil­me eine gerecht­fer­tig­te Auf­merk­sam­keit dadurch gewinnen. 

Wenn man den Sight&Sound Poll aus dem Jahr 2012 für die bes­ten Fil­me aller Zei­ten her­nimmt, dann befin­det sich „Gone with the Wind“ dort auf einem respek­ta­blen 235.Rang. Berühmt ist der Film aber eher für sei­ne Berühmt­heit. Ein Publi­kusmdar­ling, ein gro­ßer Fami­li­en­film, der selbst heu­te noch das melo­dra­ma­ti­sche Herz des geneig­ten Fern­seh­zu­schau­ers höher­schla­gen lässt. Man kann sich man­cher Sache auch schwer ent­zie­hen, sei es die opu­len­te Bil­der­flut, die sich nicht aus Sze­nen, son­dern aus Kom­po­si­tio­nen zusam­men­setzt, die har­te Kon­se­quenz, die der Film mit eini­gen sehr über­ra­schen­den Aus­flüch­ten aus dem Hol­ly­wood-Sys­tem an den Tag legt oder die Wär­me, die hier mit schein­ba­rer Ehr­lich­keit ver­sprüht wird. Dage­gen ste­hen natür­lich lächer­li­che Sze­nen, ein unter heu­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen kaum ertrag­ba­res Spiel, ein unter heu­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen schwer zu igno­rie­ren­der Ras­sis­mus und eine lite­ra­ri­sche Grund­an­ord­nung, die den oran­gen Far­ben des Him­mels, den Augen von Vivi­en Leigh oder der Musik von Max Stei­ner nur so viel Luft gibt, dass sie nicht völ­lig abster­ben; ein Film des Sys­tems, ein Pro­dukt eines Pro­du­zen­ten. Aber es ist eine Per­fek­ti­on in die­ser Art Film her­zu­stel­len, die man nicht leug­nen darf. Der Ein­fluss auf das heu­ti­ge Kino scheint enorm. Der Film exem­pli­fi­ziert das Spiel­berg-Face Jahr­zehn­te bevor der es angeb­lich erfand, er zeigt eine Insze­nie­rung der Haupt­per­son als schwie­ri­ges Opfer, wie sie heu­te in Super­hel­den­fil­men üblich ist und er hat die sel­be Iro­nie zum eige­nen Dra­ma, wie man sie in einem post­mo­der­nen Block­bus­ter­ki­no erwar­ten wür­de. Der Film schützt sich bestän­dig vor Angrif­fen auf eine zu gro­ße Sen­ti­men­ta­li­tät, indem er eine Figur in sein Zen­trum stellt, die kaum fühlt und wenn sie fühlt, ist man nicht mehr sicher, ob sie es tut und außer­dem wäre es dann auch zu spät. Natür­lich ver­spricht der Film einen Hoff­nungs­schim­mer, aber der wiegt sich über­ra­schend leicht gegen­über dem erlit­te­nen Ver­lust. Die kla­re mora­li­sche Bot­schaft wur­de auch-wie heu­te so typisch im Block­bus­ter­ki­no-ver­schlei­ert, aber doch deut­lich genug ver­kauft, sodass sich alle erfreu­en kön­nen. 
  

Im März 1973 beschäf­ti­ge sich Arthur Schle­sin­ger Jr. mit „Gone with the Wind“. Sein Ansatz war fest­zu­hal­ten wie schlecht der Klas­si­ker altern wür­de. Er sieht im Film eben doch eine Sei­fen­oper. Sei­nen eige­nen, sehr gut gewähl­ten Wor­ten zur Fol­ge: „It aspi­res to ope­ra and achie­ves soap ope­ra.“ Er kri­ti­siert, dass im zwei­ten Teil des Films statt der Rekon­struk­ti­on pri­va­te Dra­men beleuch­tet wer­den. Und dann wird er pole­misch: “And how bad­ly writ­ten it is! The­re is hard­ly a sharp or even a cre­di­ble line. It is pic­tu­re-post­card wri­ting, as it is pic­tu­re-post­card pho­to­gra­phy (and, for that mat­ter, pic­tu­re-post­card music).” Am Ende sei­ner zu kur­zen und damit auch nicht wirk­lich über­zeu­gen­den Betrach­tung legt er nahe, dass womög­lich in 30 Jah­ren eine neue Betrach­tung des Films mög­lich sei. Jetzt sind wir 40 Jah­re spä­ter. Ich bin weit davon ent­fernt ein Exper­te im klas­si­schen Hol­ly­wood zu sein oder für irgend­ei­ne der betei­lig­ten Film­schaf­fen­den oder gar nur für den Film selbst. Mein Nach­teil gereicht aber inso­fern zum Vor­teil, weil ich den Film tat­säch­lich auch erst im Jahr 2013 zum ers­ten Mal gese­hen habe. 74 Jah­re nach sei­ner Urauf­füh­rung. Film tötet die Zeit und allei­ne dafür muss man Film lie­ben. Aber das spielt hier kaum eine Rol­le. Den Sei­fen­oper­ef­fekt, den Schle­sin­ger bemerk­te kann man natür­lich genau­so wenig umge­hen, wie die Post­kar­ten-Pole­mik. Er hat in vie­ler­lei Hin­sicht Recht, aber was heu­te wohl pas­siert ist mit dem Film, ist dass man ihn nicht mehr so ernst nimmt. Man betrach­tet ihn eher als Zeit­ge­schich­te, als his­to­ri­sches Doku­ment und wird dann über­rascht, dass dort Gefüh­le schlum­mern. Nähert man sich dem Film mit erns­tem Blick an, wird man ent­täuscht, nähert man sich mit belä­cheln­der Hal­tung, wird man über­rascht. Ich dach­te, dass der Film eine Sei­fen­oper sein will, aber er war ver­dammt nahe an einer Oper. Der Vor­wurf, dass statt der Rekon­struk­ti­on mehr pri­va­te Kon­flik­te im Zen­trum des zwei­ten Teils ste­hen, ist genau­so von Sen­ti­men­ta­li­tä­ten geprägt wie wei­te Tei­le des Films angeb­lich von ihnen durch­zo­gen sind. Zunächst ein­mal sei gesagt, dass das pri­va­te Schick­sal von Scar­lett O’Hara trotz all sei­ner Künst­lich­keit durch­aus als exem­pla­risch für die Zeit ange­se­hen wer­den könn­te. Aber selbst wenn dies nicht so ist, muss man doch sagen, dass die Bil­der eine Treue zur Zeit beinhal­ten und der Ton des Films durch­zo­gen ist von einem hoff­nungs­lo­sen, aber bestän­di­gen Ankämp­fen gegen das eige­ne Schick­sal. Nach­dem im ers­ten Teil tat­säch­lich his­to­ri­sche Momen­te ein­ge­fan­gen wer­den, muss man eigent­lich fast froh sein, dass dies im zwei­ten Teil eher auf pri­va­te Ebe­ne ver­la­gert wird, denn in den his­to­ri­schen Bil­dern von Lei­chen­fel­dern und Krie­gen offen­bart sich die gan­ze Mons­tro­si­tät der ame­ri­ka­ni­schen Hollywood-Maschine. 

Spricht man heu­te von ideo­lo­gi­schen Pro­ble­men wird häu­fig auf den Ras­sis­mus ver­wie­sen. Wirk­lich pro­ble­ma­tisch scheint mir aber, und da hat sich seit „Gone with the Wind“ wenig ver­än­dert, die Wür­de des Grau­ens, die Schön­heit des Bru­ta­len, die in Hol­ly­wood aus Elend ein Dra­ma macht. Kran­fahr­ten, die einem das Aus­maß von Krie­gen demons­trie­ren, lang­sa­me Schwenks über tau­sen­de tote Kör­per und eben die Pri­va­ti­sie­rung des Grau­ens, das sich sofort an die Nah­auf­nah­me eines wei­nen­den Gesich­tes klam­mern muss, wie es auch in „Dances with Wol­ves“ von Kevin Cos­t­ner oder „Cold Moun­tain“ von Antho­ny Ming­hel­la zum Stan­dard­re­per­toire gehört. All die­se Stil­mit­tel betrü­gen die angeb­lich sau­be­re Moral des klas­si­schen Hol­ly­woods und auch des moder­nen Hol­ly­woods in der bil­ligs­ten Wei­se. In der Spra­che der gro­ßen Bil­der wären eigent­lich nur die Bana­li­tät und der Prag­ma­tis­mus ange­bracht, um Grau­en zu zei­gen. Ich muss mich deut­li­cher machen: Die Schön­heit des Grau­ens gehört für mich zu einer der wich­tigs­ten und auf­re­gends­ten Ele­men­te in Fil­men. Sie ist Resul­tat einer künst­le­ri­schen Betrach­tung der Welt, einer bestimm­ten Welt­sicht. Hol­ly­wood ver­tritt die­se Welt­sicht aber nicht. Ins­be­son­de­re im klas­si­schen Stu­dio­sys­tem (auch wenn „Gone with the Wind“ von Selznick und damit nicht abso­lut im Stu­dio­sys­tem ent­stand, ist er das Pro­dukt die­ses Sys­tems) ist das Grau­en das Grau­en und ist Schön­heit Schön­heit, Gut ist Gut und Böse ist Böse. Grau­zeich­nen funk­tio­niert erschre­cken­der­wei­se bis heu­te in einer Art, die stän­dig selbst dar­auf auf­merk­sam macht, dass man NICHT schwarz und wei­ße Cha­rak­te­re gezeich­net hat. Doch fast in jedem his­to­ri­schen Film gibt es die­se Aus­rei­ßer. Immer dann, wenn es um Krieg, um Gewalt geht, schaf­fen es die Fil­me nicht ihre opu­len­te, schwel­ge­ri­sche Linie zu ver­las­sen und wider­spre­chen dann ihrer eige­nen Ideo­lo­gie. Wenn die Tie­re in „Dances with Wol­ves“ erschos­sen wer­den, geschieht dies in unfass­ba­rer Schön­heit. Das­sel­be gilt für das Ende von „Cold Moun­tain“ und eben auch für die Lei­chen­fel­der in „Gone with the Wind“. Span­nen­de Frei­räu­me tun sich da auf.

Die Lust am Sehen wird wie­der befrie­digt und die eige­ne Moral wird ganz unbe­merkt umschifft. Wenn eine gro­ße Pro­duk­ti­on Patrio­tis­mus hin­ter­fragt und ein nega­ti­ves Bild der eige­nen Welt zeich­net, wie das bei­spiels­wei­se auch in den Bat­man-Fil­men von Chris­to­pher Nolan geschieht, dann muss anschei­nend umso mehr dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass sich die­se ame­ri­ka­ni­sche Qua­li­tät jetzt auf die Kunst des Fil­me­ma­chens ver­legt hat. Tech­ni­sche Bril­lanz wird geschätzt und geliebt. Sie ist der Patrio­tis­mus, ja der Faschis­mus der Film­welt. Eine Ideo­lo­gie, die nur von der Zeit selbst zum Plat­zen gebracht wird, aber nur weil sie sich selbst über­holt. Etwas, das beson­ders gut aus­sieht und spek­ta­ku­lär ist, manch­mal auch inno­va­tiv, das muss gut sein. Wie in einem Auto­ma­ga­zin wer­den da Fil­me geschaut. Beson­ders auf­re­gen­de Kame­ra­fahr­ten, ein unfass­ba­rer Effekt, ein Schock­erleb­nis. Das ist nicht unbe­dingt schlecht, weil es das Sehen auch wie­der auf eine naï­ve, fast kind­li­che Ebe­ne her­ab­setzt, aber es ist im Kon­text einer Rele­vanz­dis­kus­si­on rund um Fil­me eigent­lich obso­let. Damit wären wir wie­der bei den Top10-Lis­ten und ihrer bestän­di­gen Wür­di­gung von Alfon­so Cuaróns „Gra­vi­ty“. In die­sem Zusam­men­hang darf man sich dann auch fra­gen, was nai­ves Sehen eigent­lich bedeu­tet. Ich habe diver­se Inter­views mit Fil­me­ma­chern und Tech­ni­kern gele­sen und bin mir über die unfass­ba­re und wich­ti­ge Arbeit bewusst, die dort geleis­tet wur­de. Aber Fil­me sind doch kei­ne Autos. Tech­nik scheint mir das ein­zi­ge zu sein, was wirk­lich altert im Film. Die Wich­tig­keit (wenn es sowas wirk­lich gibt) eines Fil­mes misst sich sicher­lich an unter­schied­li­chen Fak­to­ren, aber doch auf kei­nen Fall an der Tech­nik. Wird dann in 30 Jah­ren jemand schrei­ben, dass der Film außer sei­ner Tech­nik kaum etwas bie­tet, um nicht zu sagen, dass er nichts bie­tet? Schle­sin­ger Jr. Stellt plötz­lich fest, dass „Gone with the Wind“ schlecht geschrie­ben wur­de. Wur­de die­se Fest­stel­lung 1939, ob der Tech­nik ver­ne­belt oder ist es etwas-der Mann betont ja, dass er „Gone with the Wind“ schon damals nicht beson­ders gut fand-dass er ein­fach los­wer­den woll­te. Er mag Recht haben mit die­ser Fest­stel­lung, aber 40 Jah­re spä­ter spielt sie kaum mehr eine Rol­le, weil der Film sie nicht mehr spielt. Man schaut sich die Geschich­te von Scar­lett O’Hara nicht mehr naiv an, das ist vorbei.

2013, im Zeit­al­ter des mate­ri­el­len Todes von Film, bekommt Tech­nik eine neue Bedeu­tung. Fil­me spie­len mit den Mög­lich­kei­ten, wer­fen einen Blick auf nost­al­gi­sche Zwi­schen­for­men wie Video und die Lager zwi­schen digi­ta­len Ver­fech­tern und ana­lo­gen Starr­köp­fen spal­ten sich unend­lich auf. Auf einer ande­ren Ebe­ne wird in Hol­ly­wood ein 3D-Kampf geführt, eine stän­di­ge Wei­ter­ent­wick­lung der Tech­nik, die an den Kal­ten Krieg erin­nert. „Gra­vi­ty“ ist in die­sem Sinn sicher­lich ein zeit­ge­mä­ßer Film, aber sich dem Film mit feh­len­der Reflek­ti­on zu nähern, um zu argu­men­tie­ren, dass es sol­che Fil­me auch geben muss und dass es doch schön sei, sich mal wie­der rich­tig im Kino zu ver­lie­ren, ist sowohl für den Film selbst als auch für die Film­kri­tik kein Gewinn. Man muss Nar­ra­ti­on nicht neu erfin­den, man muss auch nicht mit jedem Film tie­fe The­men auf­grei­fen, aber sel­ten in die­sem Jahr habe ich einen Film gese­hen, der so offen­sicht­lich auf sei­ne Geschich­te pfeift. Das Dreh­buch funk­tio­niert nach dem Mot­to: Haupt­sa­che es pas­siert was und wir fin­den Mög­lich­kei­ten für die Kame­ra. 1939 war viel­leicht ein ganz ähn­li­ches Jahr in der Film­in­dus­trie. Da ging es nicht um 3D und Ana­log VS Digi­tal, son­dern um Far­be. Also was machen wir? Wir haben mög­lichst vie­le Kos­tü­me, damit wir Far­ben zei­gen kön­nen, wir machen Far­be, Far­be, Far­be und die Geschich­te dahin­ter muss sich den Far­ben anglei­chen. Eigent­lich ein roman­ti­scher Gedan­ke, wenn er nicht so ver­klärt wäre. Denn genau hier liegt ja das Pro­blem. Die Schön­heit der Far­be bringt den Film in jene kri­ti­sier­ten Gebie­te der Sen­ti­men­ta­li­tä­ten, die er durch sei­ne Cha­rak­te­re und sei­ne Geschich­te eigent­lich kaum betre­ten wür­de. Nai­ves Sehen heißt dann, dass man das genießt. Und das ame­ri­ka­ni­sche Mons­ter zielt genau auf die­sen Effekt. Phi­lo­so­phi­sche Gedan­ken gehen dann in die Bespre­chun­gen von „Gra­vi­ty“ ein, obwohl sie schlicht und ergrei­fend nicht vor­han­den sind im Film. Weder gewinnt Cuarón der Lost in Space The­ma­tik irgend­was Neu­es ab, noch erzählt er etwas über Mensch­lich­keit, noch über tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung. Es ist eine ver­al­te­te Geschich­te einer Frau, die um ihr Leben kämpft. Mit man­chen pseu­do-sym­bo­li­schen Ein­stel­lun­gen impli­ziert der ver­zwei­fel­te Regis­seur, dass es um mehr gehen könn­te, fin­det aber nicht die Kame­ra­po­si­tio­nen, um das zu erzäh­len. Wun­der­bar, wie sich hun­der­te sonst völ­lig reflek­tier­te Kri­ti­ker davon täu­schen las­sen. „Gra­vi­ty“ ist ein Film aus dem Jahr 1939. Oder ist „Gone with the Wind“ ein Film aus dem Jahr 2013? Ich moch­te ihn 74 Jah­re spä­ter, aber ich bin naiv.