Geor­ges Dele­rue mal wie­der im Kino zu hören, wäre doch unter Umstän­den nicht schlecht. Im Sti­le von „Jules et Jim“ von Fran­çois Truf­f­aut schnei­det sich der Film „Fran­ces Ha“ von Noah Baum­bach dann auch kon­se­quen­ter­wei­se durch sei­ne Erzäh­lung, die um die End-20er Fran­ces kreist. Die­se Fran­ces muss dann auch die Her­zen des geneig­ten Zuse­hers wecken, da sonst vie­les an der vom Regis­seur anvi­sier­ten „kind of instant nost­al­gia“ ver­lo­ren geht, denn hin­ter der Nou­vel­le Vague von Baum­bach ver­steckt sich oft­mals doch nur ein Ame­ri­can Indie, der einem die­ses bekann­te Ame­ri­can Indie-Gefühl gibt, bei dem man immer das Schrä­ge und Selt­sa­me als schön und nor­mal wahr­nimmt; manch­mal ist der Film dazu-dan­kens­wer­ter­wei­se-aber zu kon­fus. Fran­ces rennt, stol­pert und treibt durch ihr Leben, hat einen eige­nen Humor und kommt irgend­wie nicht so rich­tig zu den Din­gen, die sie eigent­lich machen will (Tan­zen). Gre­ta Ger­wig ver­sucht zu ver­zau­bern, es gelingt ihr von Zeit zu Zeit, weil sie zu impro­vi­sie­ren scheint und weil sie per­sön­li­ches mit ein­bringt. So geben ihre Eltern auch ihre Eltern im Film und all­ge­mein merkt man wie sehr sie invol­viert war in das Schrei­ben des Buches und die Pro­duk­ti­on des Films. Sie ver­mag sich mit ihrer spe­zi­el­len Art in das Herz des Zuse­hers zu spie­len. Zum einen ist „Fran­ces Ha“ daher eine miss­glück­te Remi­nis­zenz an die Nou­vel­le Vague, zum ande­ren ein recht char­man­ter Alle­nes­quer Aus­flug in die Welt der jun­gen Stu­di­en­ab­gän­ger New Yorks, wenn man so will-man muss nicht-Die Stadtneurotikerin. 
Woo­dy Allen ist auch ein Pro­blem in die­sem Film, der viel­leicht mehr sein könn­te, aber sich dann doch immer wie­der in absur­den Dia­lo­gen und einer erzwun­ge­nen Leich­tig­keit ver­liert. Die­ser tröst­li­che Blick auf das Leben folgt Mus­tern, die man schon zu sehr kennt und die Ori­gi­na­li­tät und Offen­heit des Cha­rak­ters droht immer wie­der hin­ter dem Kon­strukt zu ver­schwin­den. Denn war­um wir­ken Mon­ta­ge und Mise-en-scè­ne wie eine Skiz­ze, wenn doch wie­der alles in Bah­nen gelenkt wird? Damit ver­sprüht der Film durch­aus den Charme von Truf­f­aut, aber er sprüht ihn nicht wie etwa „Bai­ser volés“ quer durch den Kino­saal, son­dern immer wohl­do­siert und immer wohl­über­legt. Selbst im Titel spielt der Film ja durch­aus mit die­ser Unfer­tig­keit. Aber selbst das löst er auf. Das ist kei­ne „instant nost­al­gia“ Herr Baum­bach, das ist sogar zu lan­ge gekocht. Der Film fühlt sich so an, als wür­de Arnaud Des­plechin tat­säch­lich wie Woo­dy Allen insze­nie­ren. Den­noch macht er Spaß. Denn „Fran­ces Ha“ ist für Kino­lieb­ha­ber gemacht und nicht für Film­kri­ti­ker. Es ist ein Film, der dem Som­mer die Erbar­mungs­lo­sig­keit nimmt und einen Lebens­ent­wurf zeich­net, der inspi­riert, befreit und zum freund­li­chen Den­ken einlädt.
Das liegt dann wie­der an Geor­ges Dele­rue, das liegt an der wun­der­ba­ren Ästhe­tik des Films, an sei­ner unge­zwun­ge­nen Art zu schnei­den. Die New Yor­ker-Intel­lek­tu­el­len-Komö­die erlebt mit die­sem Film durch­aus eine Wie­der­auf­er­ste­hung. In gewis­ser Wei­se bewegt sich der Film also selbst wie Fran­ces fort, eine stol­pern­de Tän­ze­rin, die die rich­ti­gen Gedan­ken hat, aber nie ganz zum Ende kommt. Also auch eine Par­al­le­le zur Regie­kar­rie­re von Noah Bau.