Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Friaulische Kassiber: Storchengeklapper

Etwas öst­lich des Taglia­men­to ste­hen die Äcker unter Was­ser. Kro­kus­se, Schnee­glöck­chen, Gän­se­blüm­chen umsäu­men das zwi­schen Maul­beer­bäu­men schwim­men­de Schlamm­land, fan­go wie sie hier beglei­tet von war­nen­den Ges­ten sagen, um uns zur Umkehr zu bewe­gen. Wir gehen wei­ter und sin­ken ein, ver­klump­te Bal­len aus Erde, Unrat, Kot und platt­ge­tre­te­nen Blü­ten haf­ten sich an unse­re Soh­len. Wir neh­men sie unbe­merkt mit uns, set­zen sie woan­ders wie­der ab. Das Leben eines sol­chen Klum­pen Drecks, es ist nicht zu fas­sen, denn kein Zustand bleibt jemals der glei­che, alles meta­mor­phi­siert sich end­los, war bereits etwas ande­res, bevor wir ihm als Dreck entgegentraten.

Unser Blick neigt sich folg­lich trotz des unwirk­lich und über­wäl­ti­gend im nahen­den Wol­ken­schwarz auf­blit­zen­den Schnee­fel­sen­pan­ora­mas der Alpen zu Boden. Wir beob­ach­ten, das bei jedem sach­te gesetz­ten Tritt aus den Erd­po­ren schie­ßen­de Gadsch­was­ser, hören die kör­per­li­chen Saug­ge­räu­sche und bemit­lei­den einen von brau­ner Acker­kru­me benetz­ten Schmet­ter­ling, der sich knapp über dem Boden hält, tor­keln­den Flugs den nahen Früh­ling ent­glei­ten sieht. Wir ver­lie­ren uns aus den Augen, sehen nur noch unse­re Fuß­trit­te zwi­schen den Scha­len­spu­ren eini­ger Rehe.

Mit einem Mal aber ver­neh­men wir einen wie ent­fern­te Holz­schlä­gel schal­len­den Son­nen­ruf aus der über uns auf­rei­ßen­den Wol­ken­schicht. Wir rich­ten unse­re Augen nach oben, du auf der einen Sei­te des Fel­des und ich auf der ande­ren. Vor dem sich nun zei­gen­den Blau krei­sen mehr als zwan­zig Stör­che, was sage ich, es müs­sen fünf­zig sein. Mehr noch als der Augen­ein­druck die­ser sich rie­sig am Him­mel abzeich­nen­den Wesen, durch­dringt uns ihr Klap­pern, die­ses wie sein eige­nes Echo her­vor­bre­chen­de Rufen.

Nach­dem wir so eini­ge Minu­ten in den Him­mel blin­zeln, rufen wir uns über die Wei­te zu, du mit einer Kro­kos­kro­ne um dein Haupt, ich mit lan­gem Stor­chen­hals, bei­de vol­ler Dreck und etwas müde vom vie­len Schau­en. Ich hof­fe, du erin­nerst dich.

Dein,
Patrick