Friaulische Kassiber: Storchengeklapper

Etwas östlich des Tagliamento stehen die Äcker unter Wasser. Krokusse, Schneeglöckchen, Gänseblümchen umsäumen das zwischen Maulbeerbäumen schwimmende Schlammland, fango wie sie hier begleitet von warnenden Gesten sagen, um uns zur Umkehr zu bewegen. Wir gehen weiter und sinken ein, verklumpte Ballen aus Erde, Unrat, Kot und plattgetretenen Blüten haften sich an unsere Sohlen. Wir nehmen sie unbemerkt mit uns, setzen sie woanders wieder ab. Das Leben eines solchen Klumpen Drecks, es ist nicht zu fassen, denn kein Zustand bleibt jemals der gleiche, alles metamorphisiert sich endlos, war bereits etwas anderes, bevor wir ihm als Dreck entgegentraten.

Unser Blick neigt sich folglich trotz des unwirklich und überwältigend im nahenden Wolkenschwarz aufblitzenden Schneefelsenpanoramas der Alpen zu Boden. Wir beobachten, das bei jedem sachte gesetzten Tritt aus den Erdporen schießende Gadschwasser, hören die körperlichen Sauggeräusche und bemitleiden einen von brauner Ackerkrume benetzten Schmetterling, der sich knapp über dem Boden hält, torkelnden Flugs den nahen Frühling entgleiten sieht. Wir verlieren uns aus den Augen, sehen nur noch unsere Fußtritte zwischen den Schalenspuren einiger Rehe.

Mit einem Mal aber vernehmen wir einen wie entfernte Holzschlägel schallenden Sonnenruf aus der über uns aufreißenden Wolkenschicht. Wir richten unsere Augen nach oben, du auf der einen Seite des Feldes und ich auf der anderen. Vor dem sich nun zeigenden Blau kreisen mehr als zwanzig Störche, was sage ich, es müssen fünfzig sein. Mehr noch als der Augeneindruck dieser sich riesig am Himmel abzeichnenden Wesen, durchdringt uns ihr Klappern, dieses wie sein eigenes Echo hervorbrechende Rufen.

Nachdem wir so einige Minuten in den Himmel blinzeln, rufen wir uns über die Weite zu, du mit einer Krokoskrone um dein Haupt, ich mit langem Storchenhals, beide voller Dreck und etwas müde vom vielen Schauen. Ich hoffe, du erinnerst dich.

Dein,
Patrick