Vie­le jun­ge Mäd­chen in Vene­dig sind blut­arm. Sie gehen in die Schlacht­häu­ser, um das war­me Och­sen­blut zu trin­ken. Man begeg­net die­sen stets sehr koket­ten Geschöp­fen am Mor­gen. Sie brin­gen in ihrer Hand­ta­sche ein Glas mit oder einen Sil­ber­be­cher mit ihren Initia­len. Es gehört zum guten Ton, der jun­gen Toch­ter des Hau­ses einen sol­chen Becher zu ver­eh­ren, wenn man sie beson­ders blass fin­det. Die jun­gen Damen war­ten in der Nähe des Tie­res, das geschlach­tet wird, ste­hen aber nicht Schlan­ge, was sich in Eng­land sehr bald durch­set­zen wür­de. Ein Schlach­ter­bur­sche sticht in die Schlag­ader, und das Blut fängt an zu rin­nen; manch­mal spritzt es in einem kräf­ti­gen Strahl her­aus. Es ver­langt viel Geschick, das Glas zu fül­len, ohne sich zu besu­deln. Anfän­ge­rin­nen, die dazu nicht in der Lage sind, wer­den von ihren Müt­tern beglei­tet. Man muss das Blut sofort und in einem Zug trin­ken und sich dann ein gro­bes Salz­korn auf die Zun­ge legen. Die­se Medi­zin tut anschei­nend Wun­der. Ein Glas Blut kos­tet gegen­wär­tig fünf­und­zwan­zig Lire und außer­dem die Sum­me, die man in die Büch­se tut, mit der der Schlach­ter­bur­sche den Damen unter der Nase her­um­fuch­telt, ehe er die Ader ansticht. Das Fleisch eines so zur Ader gelas­se­nen Och­sen soll, heißt es, weni­ger gut sein. Die Schlach­ter ver­su­chen natür­lich, es zum glei­chen Preis wie das ande­re Fleisch wie das ande­re Fleisch zu ver­kau­fen; aber die Frau­en behaup­ten, es genau erken­nen zu kön­nen, und nen­nen es cas­tro­ne: ein unüber­setz­ba­rer Scherz, da es sich ja bereits um einen Och­sen handelt.

(Jean Gio­no. In Ita­li­en um glück­lich zu sein)

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