Ioa­na Flo­res­cu hat sich wie­der auf die Suche gemacht. Dies­mal hat sie nach Lea­ning-Momen­ten in Fil­men gesucht, also Sze­nen, in denen sich eine Per­son an eine ande­re anschmiegt und sich auf oder an sie legt. Manch­mal kommt «Lea­ning» einer Umar­mung näher, manch­mal zeigt es Abhän­gig­kei­ten an. Fast immer ist es ein Zei­chen für Schutz und Schutz­lo­sig­keit. Ein fil­mi­scher Raum wird dar­in real und plas­tisch. Die Kör­per bewe­gen sich im Lea­ning weit mehr im Raum als bei einer Umar­mung, in der sie ver­schwin­den. Ver­lust und Gefahr, Atmen, die Luft zwi­schen den Gesich­tern. In gefühl­vol­len Lea­ning-Momen­ten wird alles spürbar.
Auf der Suche nach der Nähe…

Tabu von Miguel Gomes

Stray Dogs von Tsai Ming-liang

Mar­fa și banii von Cris­ti Puiu

Paris, Texas von Wim Wenders

Post Ten­ebras Lux von Car­los Reygadas

Lil­ja 4‑ever von Lukas Moodysson

Hiro­shi­ma, mon amour von Alain Resnais

Die Ver­gan­gen­heit und Zukunft ist in die Augen, der sich anleh­nen­den geschrie­ben. Sie bekom­men einen Moment für sich allei­ne, obwohl sie einer ande­ren Per­son ganz nahe sind. Fil­me bli­cken dabei sowohl auf die Per­son, die sich anlehnt, als auch die Per­son, die schein­bar domi­nant wie ein Fels steht. Oft tei­len bei­de aber ihre Gefüh­le in die­sem Augen­blick und die eigent­li­che Stär­ke wird umge­dreht. Es ist ein ein­sa­mes Bild inmit­ten einer Bezie­hung und ein Bild der Zwei­sam­keit inmit­ten der Isolation.

Faces von John Cassavetes

İkliml­er von Nuri Bil­ge Ceylan

Com­ment je me suis dis­pu­té… (ma vie sexu­el­le) von Arnaud Desplechin

Copie con­for­me von Abbas Kiarostami

DAS WONG KAR-WAI-SPEZIAL

Das Kino von Wong Kar-Wai ist eines der stil­len Abhän­gig­kei­ten, der ver­lo­re­nen See­len, der unmög­li­chen Lie­be. Es ver­wun­dert nicht, dass er eine gro­ße Lea­ning-Affi­ni­tät zeigt. Manch­mal lässt er kaum eine grö­ße­re Nähe zu als die­se kur­zen Augen­bli­cke und ent­fal­tet so die vol­le Bedeu­tung des Lea­ning, näm­lich jene einer nicht gedul­de­ten, funk­tio­nie­ren­den Lie­be, einer Lie­be, die an der Ver­gäng­lich­keit der Zeit schei­tert. Lea­ning hat immer mit Ver­lust zu tun. Und mit Wahrheit.

In the mood for love

Chung­king Express

2046

Fal­len Angels

Hap­py Together

Manch­mal scheint es als wür­de das Bild für eini­ge Sekun­den ste­hen. Die Umwelt bewegt sich wei­ter, aber das klei­ne Uni­ver­sum zwei­er Men­schen klam­mert sich an eine Sekun­de. Es ist ein Moment, in dem die Lie­be beginnt nach­zu­den­ken, in dem sie sich selbst bewusst wird und damit zugleich am schöns­ten und am grau­sams­ten sein kann.

Blue Valen­ti­ne von Derek Cianfrance

Du levan­de von Roy Andersson

Fuck­ing Åmål von Lukas Moodysson

L’Apollonide (Sou­ve­nirs de la mai­son clo­se) von Bert­rand Bonello

La dol­ce vita von Feder­i­co Fellini

Per­so­na von Ing­mar Bergman

Pier­rot le fou von Jean-Luc Godard

What a fel­low­ship, what a joy divine,
Lea­ning on the ever­las­ting arms;
What a bles­sed­ness, what a peace is mine,
Lea­ning on the ever­las­ting arms.
Lea­ning, lea­ning, safe and secu­re from all alarms;
Lea­ning, lea­ning, lea­ning on the ever­las­ting arms.
Oh, how sweet to walk in this pil­grim way,
Lea­ning on the ever­las­ting arms;
Oh, how bright the path grows from day to day,
Lea­ning on the ever­las­ting arms.
What have I to dread, what have I to fear,
Lea­ning on the ever­las­ting arms?
I have bles­sed peace with my Lord so near,
Lea­ning on the ever­las­ting arms. 

Rat­cat­cher von Lyn­ne Ramsay

Stel­let Licht von Car­los Reygadas

The Lone­liest Pla­net von Julia Loktev

Uncle Boon­mee Who Can Recall His Past Lives von Apichat­pong Weerasethakul

In einer ein­sa­men Nacht scheint das Kino der letz­te Ort, der es mir ermög­licht mich an Bil­der zu leh­nen statt von ihnen über­fah­ren zu wer­den, ich kann mich ganz tief in sei­ne Schul­ter gra­ben und dar­in ver­schwin­den und gleich­zei­tig ganz bei mir sein. Das Kino ist ein Ort des Lea­ning; wenn sich Räu­me lang­sam erzäh­len und mir nicht auf­ge­brummt wer­den, ich sehe eine Trä­ne und kann mei­ne Trä­ne ver­ste­cken, ich ver­ste­cke mich im Kino. Nie vor dem Kino. Manch­mal lehnt sich das Kino an mich, es ist wie ein Wind, der durch mei­ne Augen treibt. Ich kann atmen, aber ver­ges­se das ich bin.

La not­te von Michel­an­ge­lo Antonioni

Vendre­di soir von Clai­re Denis