Notiz zu Aufzeichnungen aus der Unterwelt von Tizza Covi, Rainer Frimmel

Das Schwarze und das Weiße am Film (am wirklichen Film) ist so dermaßen plastisch, dass man direkt in die Räume, das heißt im Fall von Covi und Frimmel in die Menschen und deren Geschichten hineinkatapultiert wird. Wo die beiden Filmemacher normal ihre Fühler hin in potenzielle Möglichkeitsräume öffnen, verharren sie hier in einer konzentrierten Bescheidenheit (zumindest soweit man das Drehen eines Films als bescheiden bezeichnen kann): starre Einstellungen, Gespräche. Sie dienen ihren Protagonisten als Medium, geben den Wiener Glücksspiellegenden Alois Schmutzer und Kurt Girk, wie man so sagt, eine Stimme, eine Bühne, ein Licht, in dem sie ihre Geschichte erzählen können. Orson Welles sagte einmal, dass die modernen Filmemacher verlernt hätten, dass ihre einzige Aufgabe wäre, den Schauspielern zu dienen. Covi und Frimmel beweisen ihm, dass nicht alle vergesslich sind.

Dass diese Geschichte auch von einem Justizskandal handelt und diesen wie einen dramaturgischen Unterbau in die Dynamik des Films verwebt, spielt eine erstaunlich geringe Rolle, bei dem, was bleibt. Es ist eigentlich gar nicht so interessant, was da erzählt wird (was schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt wie viel Arbeit in dieses „Was“ geflossen ist), sondern vielmehr zählt wie es erzählt wird, wer es erzählt und was im Erzählen passiert…im Gesicht, der Stimme, den Räumen, die man nur ganz selten in ihrer Gänze sieht.

Bewegend wird es vor allem dann, wenn gesungen wird. Das Wienerlied, das einen eigenen Film verdienen würde, ist wie vieles in Aufzeichnungen aus der Unterwelt vom Aussterben bedroht. Covi und Frimmel halten empathisch fest, was sonst vom Staub der Zeit bedeckt würde: Die Geschichten der Unterdrückten, die Gesten, die Unangepassten, ihre Lieder, ihre Orte.