Notiz zur Sprache (João César Monteiros)

Wer spricht wie aus Büchern, geho­ben und archa­isch, dem sagt man, mit der um sich grei­fen­den Genug­tu­ung jener, die sich kol­lek­tiv im Recht sehen, gern nach, welt­fremd oder deka­dent zu sein. Das Bei­spiel João César Mon­tei­ros, der sich um einen Aus­druck bemüh­te, der mehr an Luís de Camões erin­ner­te, als an die ver­staub­ten Stra­ßen, auf denen er dreh­te, beweist, dass dabei nichts gewon­nen wird. Schließ­lich ver­än­dert Mon­tei­ro das Licht der Din­ge, wenn er spricht.

Die soge­nann­te „schö­ne Spra­che“ wur­de längst vom Dik­tat des Mas­sen­ge­schmacks aus Lite­ra­tur und Kino ent­fernt, dort wo sie noch auf­blitzt, hängt sie wie ein ver­blas­sen­des Gemäl­de in der Nische, für all jene, die dar­an noch Gefal­len fin­den (alle ande­ren haben sicher bes­se­res zu tun).

In Fil­men, das sag­te schon Maya Deren, dür­fe ohne­dies nicht schön gespro­chen, geschwei­ge denn gedich­tet wer­den und man fragt sich, was die­je­ni­gen, die der Poe­sie der Spra­che jene des Bil­des gegen­über­stel­len, gewin­nen und was anders­her­um ver­lo­ren gehen wür­de, wenn man bei­des neben­ein­an­der stell­te, wie das etwa bei Man­oel de Oli­vei­ra, Daniè­le Huil­let, Jean-Marie Straub, Mar­gue­ri­te Duras oder Chris Mar­ker der Fall ist.

Der vie­ler­orts ver­pön­te Voice-Over, der mehr sein will als Infor­ma­ti­on, der im Zwi­schen­spiel von Spra­che und Bild sei­ne Bestim­mung fin­det, ist so viel stil­ler als der auf­ge­setz­te Lärm, mit dem das Kino uns seit Jahr­zehn­ten Hand­lun­gen zeigt. Aber woher soll die Spra­che auch kom­men, wenn sich die­je­ni­gen, die ein Gefühl für sie haben, davor fürch­ten, dass sie nicht ver­stan­den wer­den? Jen­seits der wirk­lich guten Lek­to­ren wird in impres­sio­nis­ti­scher Sekun­den­schnel­le an ästhe­ti­schen Ver­fei­ne­run­gen gear­bei­tet, die gleich einer Asphalt­wal­ze alles eben­erdig und teer­duf­tend in der ange­neh­men Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­sen­ken. Lie­ber lebens­nah als wahr, lie­ber klar als kompliziert.

Sie alle haben Recht, denn anders wer­den sie nicht ver­stan­den, egal ob sie ein wirk­li­ches Bild machen oder einen wirk­li­chen Satz spre­chen, all das in den Augen und Ohren derer, die ent­schei­den: ange­strengt, ver­kopft, prä­ten­ti­ös und abge­ho­ben. Lie­ber also nur mög­lichst leicht ver­ständ­lich das nach­sa­gen, was erwar­tet wird und zufrie­den sein, weil man dafür ges­tern wie heu­te das meis­te Lob bekommt.

Oder schwei­gen.