Reihe Teil 6- Blood Diamond-Leonardo DiCaprio

Als nächs­tes nun also Blood Dia­mond von Edward Zwick aus dem Jahr 2006.

Auf­fäl­lig bei die­sem Film sind zwei Din­ge. Sei­ne gro­ße Beliebt­heit bei allen Zuse­hern, die mit der Aus­sa­ge „So müs­sen Fil­me sein. Der ist unter­halt­sam und hat Inhalt“ ver­bun­den ist und die Fest­stel­lung, dass Leo­nar­do DiCa­prio ja ein „rich­tig guter“ Schau­spie­ler ist, der sich ver­än­dert hat und end­lich auch har­te Jungs spie­len kann. Bei­de Fest­stel­lun­gen sind gelin­de gesagt fragwürdig.

Die poli­ti­sche Mes­sa­ge bezüg­lich der Dia­man­ten­in­dus­trie und ihren grau­sa­men Fol­gen, die der Film mit sich trägt, ist sicher nicht zu leug­nen. Es ist ihm auch hoch anzu­rech­nen, dass er in den ent­spre­chen­den Sze­nen nicht vor Bru­ta­li­tät zurück­schreckt. Aller­dings dient das am Ende doch alles, als recht löch­ri­ges Cover für einen rei­nen Unter­hal­tungs­film, eine action­rei­che Dia­man­ten­jagd vor einem unge­wöhn­li­chen und atem­be­rau­ben­den Set­ting mit bom­bas­ti­scher Musik, einer mit schar­fen Dia­lo­gen geschlif­fe­nen Lie­bes­ge­schich­te, einer Leu­te­rung des Hel­den, die schon die Fra­ge nach der Blind­heit, mit der die­ser bis­lang durch sei­ne Hei­mat gegan­gen ist, auf­wirft; ein India­na-Jones arti­ges Film­ge­bil­de also, das sich eben statt über­sinn­li­chen Ele­men­ten an der har­ten Rea­li­tät bedient. Wenn man so will, ist Blood Dia­mond also der unehr­li­che, klei­ne Bru­der von Spiel­bergs gro­ßer Aben­teu­er­sa­ga. Und es gibt nur einen Grund, war­um man die­se Unehr­lich­keit ver­gisst: Leo­nar­do DiCa­prio als Dan­ny Archer.

Alles an ihm ist authen­tisch. Er spricht mit rho­de­si­schen Akzent, geht durch die­se Welt, als hät­te er noch nie etwas ande­res gese­hen. Er hat gelernt sei­ne Ein­sam­keit zu ver­ber­gen, er ist Zyni­ker. Man kann sei­ne gan­ze Geschich­te in sei­nem Kör­per lesen. Eine Per­for­mance für die Ewig­keit zwi­schen Angriffs­lust und ver­letz­ter See­le, die dem Super­star wie auf den Leib geschrie­ben ist. Beson­ders beein­dru­ckend ist dabei der Balan­ce­akt-und die­ser hebt den Film auf ein höhe­res Level- zwi­schen sym­pa­thi­schem Glücks­rit­ter und selbst­ver­lieb­tem Arsch­loch. Sei­ne Dar­stel­lung ist ehr­lich und des­halb fin­den wir uns in ihr wie­der. Er hat die Hoff­nung schon auf­ge­ge­ben, eigent­lich ist sei­ne Rei­se nur eine Rei­se in den Tod. Er glaubt nicht dar­an den schwar­zen Kon­ti­nent jemals ver­las­sen zu kön­nen. Mit dem Opfer, das er am Ende des Films bringt, tut er viel­leicht eine der weni­gen guten Taten sei­nes Lebens. Aber man glaubt an sei­ne Auf­rich­tig­keit. Er ist

Ego­zen­trisch

Selbst­be­mit­lei­dend
Drauf­gän­ge­risch
Zynisch

Hoff­nungs­los

Und den­noch vol­ler Ener­gie? Er klam­mert sich an etwas, das ihn aus sei­ner Welt ent­kom­men las­sen könn­te, aus sei­nem Gefäng­nis. Etwas, dass es nicht gibt, etwas dass er nicht haben kann. So wie die Rache in 21 Gramm, das Zep­ter in The Score, die Per­fek­ti­on in Black Swan, die Lie­be zu einer Gum­mi­pup­pe in Lars und die Frau­en. Nur Chris­ti­an Bale in Ame­ri­can Psycho hat die­ses Etwas nicht; er ist schon lan­ge dar­über hin­aus? Der moder­ne, uns fas­zi­nie­ren­de Kino­charak­ter greift also nach den Ster­nen. Nach wie vor ist das der Stoff aus dem Fil­me sind: Träu­me. Nur heu­te wis­sen wir (zumin­dest manch­mal), dass es eben nur Träu­me sind. Und genau­so geht es den Cha­rak­te­ren, DiCa­prio ist ein Ver­bün­de­ter mit dem Zuse­her. Wir ver­ste­hen ihn, weil er uns zu ver­ste­hen scheint.

Das führt auch schon zum vie­ler­orts bespro­che­nen Wan­del des Schau­spie­lers. Ein Wan­del, der-wenn man sei­ne Kar­rie­re mit der­sel­ben Ehr­lich­keit betrach­tet, mit der er an sei­ne Rol­len her­an­geht- schlicht und ergrei­fend kei­ner ist. Es hat sich schon immer so ange­deu­tet. DiCa­prio hat von Beginn Drauf­gän­ger gespielt, har­te, aber ver­letz­li­che und sen­si­ble Cha­rak­te­re. Er war schon immer gefähr­lich, unbe­re­chen­bar und in der Lage den Zuschau­er in Sekun­den auf sei­ne Sei­te zu gewin­nen, um ihn dann zu scho­ckie­ren. Vie­le sagen heu­te, dass die vier­ma­li­ge Kol­la­bo­ra­ti­on mit Regie­le­gen­de Mar­tin Scor­se­se (Gangs of New York, Avia­tor, Depar­ted, Shut­ter Island) aus dem Tee­nie­schwarm Leo, den ernst­zu­neh­men­den Schau­spie­ler DiCa­prio gemacht hat. Es hat sicher­lich kei­nem der bei­den gescha­det, dass man sich gefun­den hat und der­art tol­le Arbei­ten pro­du­ziert hat, aber ein her­aus­ra­gen­der Schau­spie­ler war DiCa­prio schon immer. In Fil­men wie This Boy’s Life von Micha­el Caton-Jones oder Gil­bert Gra­pe von Las­se Hall­ström kann man einen gran­dio­sen jugend­li­chen Schau­spie­ler bewundern.

This Boy’s Life

Tita­nic von James Came­ron eta­blier­te dann ein Image rund um DiCa­prio, das mit dem von heu­ti­gen Nach­wuchs­stars wie Robert Patt­in­son ver­gleich­bar ist. Wenn man es sich genau­er über­legt eine abso­lu­te Unge­rech­tig­keit. Ers­tens ist die Dar­stel­lung von Jack Daw­son mei­len­weit von höl­zer­nen Vam­pi­ren ent­fernt und zwei­tens hat­te man es schon mit einem gestan­den Schau­spie­ler zu tun. Dass er trotz fast gleich­zei­tig erschei­nen­den Fil­men wie Romeo&Julia von Baz Luhr­mann oder Der Mann mit der eiser­nen Mas­ke von Rand­all Wal­lace in der Lage war sich die­ses Images zu ent­le­di­gen, deu­tet nicht auf einen Wan­del hin, son­dern schlicht und ergrei­fend auf sei­ne Klas­se. Sein unbe­re­chen­ba­res, viel­schich­ti­ges Spiel in The Beach von Dan­ny Boyle läu­te­te ein Jahr­zehnt ein, das ihn zum größ­ten Schau­spie­ler Hol­ly­woods avan­cie­ren ließ.

The Beach

Sei­ne größ­te Stär­ke liegt dar­in, dass man in sei­nem Spiel immer zugleich die Rol­le, als auch DiCa­prio selbst sieht. Die­se Fähig­keit zeich­ne­te auch schon Robert De Niro aus (im Gegen­satz zum Bei­spiel zu Tom Crui­se, der häu­fig nicht mehr in der Lage ist zu sei­ner Rol­le zu wer­den, wes­halb man in sei­nen Fil­men immer nur Tom Crui­se sieht). Es ist ein Eins wer­den mit der Rol­le ohne sei­ne eige­ne Cha­rak­te­ris­tik dabei zu ver­ges­sen. Die Fol­ge davon ist Prä­senz. Eine Prä­senz, die mit jeder wei­te­ren Rol­le noch grö­ßer zu wer­den scheint.

Shut­ter Island

Natür­lich ist Dan­ny Archer in Blood Dia­mond ein här­te­rer Cha­rak­ter, als man das von Di Caprio bis dato gewohnt war. Inzwi­schen spielt er auch häu­fig in action­be­ton­ten Fil­men. Aber sei­ne Viel­fäl­tig­keit wird er nicht ver­lie­ren, denn ent­we­der taucht er immer wie­der auch in Dra­men wie Zei­ten des Auf­ruhrs von Sam Men­des auf oder er nimmt die­se Viel­falt ein­fach mit in sei­ne Action­star-Rol­len und macht die Fil­me damit bes­ser, als sie eigent­lich sind.

Als nächs­tes The Dark Knight und Heath Ledger.