Ope­ning Lon­don 2012

Ges­tern Abend war es mög­lich den Stil eines Film­re­gis­seurs in einem völ­lig ande­ren Medi­um zu spü­ren; Dan­ny Boyle (Train­spot­ting, Slum­dog Mil­lionair, Suns­hi­ne, 127 Hours, 28 Days Later, The Beach u.a.) insze­nier­te die Eröff­nungs­fei­er der olym­pi­schen Spie­le in Lon­don. Dabei bot er ein Spek­ta­kel an Krea­ti­vi­tät, Humor und opti­scher Bril­li­anz, um Großb­ritta­ni­en und den Sport zu wür­di­gen; die fes­te Ver­or­tung in einem pop­kul­tu­rel­len Gesell­schafts­ge­fü­ge, die aus sei­nen Fil­men gewohn­te Geschmacks­si­cher­heit bei der Aus­wahl einer Viel­zahl von Musik aus den unter­schied­lichs­ten Rich­tun­gen und der damit ver­bun­de­ne Auf­bau einer inten­si­ven, in die­sem Fall fröh­li­chen Atmo­sphä­re. Boyle hat es geschafft sei­ne Hand­schrift durch die viel­leicht auf­wän­digs­te Show aller Zei­ten sicht­bar zu hal­ten. Als Truf­f­aut in sei­nem berühm­ten Inter­view mit Alfred Hitch­cock sag­te, dass es den Anschein erwe­cke als könn­ten Eng­län­der kei­ne Fil­me machen, war das zu einer ande­ren Zeit und auch nicht annä­hernd abwer­tend gemeint; den­noch hät­te ihm Dan­ny Bolye ob der schie­ren Visua­li­tät und Film­haf­tig­keit sei­ner gest­ri­gen Insze­nie­rung das Gegen­teil bewie­sen. Boyle zeig­te Film­clips mit Flü­gen über Land­schaf­ten, wie man sie aus zum Bei­spiel 28 Days Later oder 127 Hours kennt. Chap­lin, Hugh Grant, James Bond…sie alle hat­ten ihre fil­mi­schen Auf­trit­te. Ken­neth Bra­nagh und Mr Bean durf­ten dann sogar im Sta­di­on glän­zen; ins­be­son­de­re Mr Bean hat einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen mit sei­ner fan­tas­ti­schen Humor­ein­la­ge in Ver­bin­dung mit Cha­ri­ots of Fire. Inter­es­sant auch wie selbst­be­wusst Boyle Aus­schnit­te aus eige­nen Fil­men (bild­lich oder musi­ka­lisch) in sein Mosa­ik inte­grier­te. Jeden­falls spiel­te alles wun­der­voll zusam­men und es ist erstaun­lich wie stark man den Ein­druck eines Boyle-Fil­mes hat­te, obwohl es sich um eine Eröff­nungs­fei­er gehal­ten hat­te. Zum Groß­teil war es sogar bes­ser als ein Boyle-Film. Wenn man das unend­li­che Fah­nen­ein­mar­schie­ren nicht auf sei­ne Kap­pe nimmt, dann kann man sogar sagen, dass er die­ses­mal das letz­te Drit­tel nicht (wie üblich) ver­mas­selt hat.

Dan­ny Boyle

Ein ande­res The­ma ist nach wie vor The Dark Knight Rises. Der Film kann sich etwas lösen, von dem Schat­ten, der ihm bei­wohnt und das ist auch abso­lut wün­schens­wert. Inter­es­san­ter­wei­se fal­len die Kri­ti­ken schon deut­lich nega­ti­ver aus, als beim hoch­ge­lob­ten zwei­ten Teil The Dark Knight. Die Kri­ti­ker wefen Nolan ein Micha­el Bay-esques Kal­kül vor, hät­ten ger­ne hier ein biss­chen weni­ger Spek­ta­kel und dort ein biss­chen weni­ger Spiel­zeit und wol­len am liebs­ten ger­ne alle den Joker als Bösen haben; sie wol­len kei­ne poli­ti­schen Alle­go­rien, aber auch nicht zu viel Unter­hal­tung. Ihnen miss­fällt das Autoren­tum des Chris­to­pher Nolan, aber sie fin­den den Film zu maschi­nell. Sie fin­den den Film schwer ver­ständ­lich und auch den Bösewicht.(letzteres zumin­dest in der Orgi­nal­fas­sung zurecht) Natür­lich ist der Film auch zu düs­ter und hoff­nungs­los und außer­dem ist Chris­ti­an Bale unsym­pa­thisch (Kri­ti­ker, die sowas schrei­ben, haben ihren Beruf ver­fehlt.); es ist inter­es­sant wie Nolan mehr oder weni­ger den­sel­ben Stil hin­legt für den er den Groß­teil sei­ner Kar­rie­re gelobt und zum Teil gehy­ped wur­de und sich nun dafür recht­fer­ti­gen muss. Es ist wahr, dass er sei­ne immer glei­chen The­men im Moment ledig­lich vari­iert, dass man sei­ne Bil­der schon kennt in einem gewis­sen Sin­ne, aber The Dark Knight Rises ist der Abschluss einer Tri­lo­gie und da erwar­te ich mir eine sti­lis­ti­sche und the­ma­ti­sche Ein­heit. Schwä­chen hat­ten auch Bat­man Beg­ins, The Dark Knight oder Incep­ti­on. Sein letz­ter Teil der Super­hel­den-Tri­lo­gie ist dage­gen ein wun­der­vol­ler Schluss­punkt, die Kul­mi­na­ti­on eines von Nolan modi­fi­zier­ten Uni­ver­sums, des­sen vol­le Kraft sich nur ent­fal­tet, wenn man ein­taucht in alle drei Fil­me und sie als Gesamt­pa­ket ver­steht. Sich ein Urteil zu bil­den ohne Bat­man Beg­ins zu ken­nen, geht nicht. Den Film als blo­ßen Nach­fol­ger von The Dark Knight zu ver­ste­hen, geht nicht. Trotz­dem schei­nen das erstaun­lich vie­le Kri­ti­ker genau so zu machen.

Hier mei­ne eng­lisch­spra­chi­ge Kri­tik zum Film

Chris­to­pher Nolan