Hier eine klei­ne Top10, der Fil­me mit regu­lä­rem Kino­start in Deutsch­land bzw. Öster­reich 2012 bis heute:

1.Once Upon a Time in Ana­to­lia-Nuri Bil­ge Ceylan 
Ein Film, der mich tage­lang beschäf­tigt hat, der sich nicht an den Ober­flä­chen des Plots bewegt, son­dern meter­tief dar­un­ter schwimmt, um einem plötz­lich ins Gesicht zu sprin­gen, aber nur wenn man auch hin­sieht und hinhört. 
2.Shame-Steve McQueen 

Eine Cha­rak­ter­stu­die bis zum Extrem, bei der jedes Detail auf einen Haupt­cha­rak­ter aus­ge­legt ist, der den Zuse­her zu einem Schwim­men zwi­schen küh­ler Betrach­tung und bedin­gungs­lo­ser Teil­nah­me zwingt. 
3.Hugo Cabret-Mar­tin Scorsese
Eine Ode an die Kraft des Kinos und an die Magie und Ver­zau­be­rung, die wohl nur von Scor­se­se der­art ehr­lich erzählt wer­den kann und eine genia­le Hei­rat zwi­schen Effekt und Inhalt zur Fol­ge hat, die zwar für Kin­der aus­ge­legt ist, aber Erwach­se­ne verzaubert.
4.Drive- Nico­las Win­ding Refn 
5.Young Adult-Jason Reitman 
6. Bar­ba­ra-Chris­ti­an Petzold 
7.Take Shel­ter-Jeff Nichols 
8.The Des­cen­dants-Alex­an­der Payne 
9.Le Gam­in au vélo-Jean-Pierre und Luc Dardenne
10.Tinker, Tail­or, Sol­dier, Spy-Tomas Alfredson 
Wo ist «The Artist»? Rich­ti­ge Fra­ge. Unmit­tel­bar nach dem Anschau­en hät­te ich ihn viel­leicht noch auf­ge­nom­men in die­se Lis­te, aber bei län­ge­rer Reflek­ti­on bleibt nicht viel hin­ter dem intel­li­gent ver­pack­ten, amü­san­ten Spiel mit alten Film­tech­ni­ken. Der Film wirkt nach eini­ger Zeit auf mich, wie eine net­te Geschich­te, die ich mal gehört habe. Es gibt kei­nen Drang ihn wie­der zu sehen und es gibt auch kei­nen Drang über ihn zu spre­chen. Alles ist so nett und so per­fekt in die­sem Film, dass mir ein­fach die Rei­bungs­punk­te fehlen.
Ich höre sehr oft, dass «im Kino ja nichts gutes läuft». Die­se Aus­sa­ge ist für sich genom­men natür­lich wert­frei. Woher will man das denn wis­sen, wenn man nicht geht? Fil­me leben von Anti­zi­pa­ti­on. Des­halb hän­gen ja ins­be­son­de­re gro­ße Pro­duk­tio­nen so sehr an Wer­bung. Ein öffent­li­ches Inter­es­se möch­te kre­iert wer­den. Wer sich nicht immer alles von den Medi­en vor­kau­en las­sen, d.h. sich sagen las­sen möch­te, was man anse­hen muss und sich vom Spek­ta­kel soge­nann­ter Trai­ler nicht ver­füh­ren las­sen möch­te, der hat auch die Mög­lich­keit sich vor­her selbst zu infor­mie­ren. Daher nen­ne ich nun ein paar inter­es­san­te Kino­starts in Deutsch­land für den nächs­ten Monat, von denen man viel­leicht medi­al weni­ger spre­chen wird, in der Hoff­nung, dass «da was Gutes dabei ist», weil inter­es­sant ist es allemal:
29.03.: Auro­ra (Cris­ti­an Puiu)
05.04.: Ber­lin für Hel­den (Klaus Lemke)
12.04.: Mar­tha Mar­cy May Mar­le­ne (Sean Durkin); 
19.04.: My week with Mary­lin (Simon Cur­tis), Anton Cor­bi­jn Insi­de Out (Kla­art­je Quirjins)
Des­wei­te­ren habe ich mir drei Fil­me angesehen:
Le jour­nal d’u­ne femme de chambre-Luis Buñuel
Ein nicht-sur­rea­lis­ti­scher Film (zumin­dest kaum) vom Meis­ter des fil­mi­schen Sur­rea­lis­mus. Ehr­lich­ge­sagt habe ich eben jenen Sur­rea­lis­mus ver­misst, auch wenn das The­ma wich­tig und die Insze­nie­rung auf dem höchs­ten Niveau ist. Über­le­ben Fil­me wie Bel­le de Jour oder Cet obscur objet du désir mei­ner Mei­nung nach sehr leicht den Test der Zeit (und zwar auf­grund ihrer Mach­art, nicht ihres Inhalts), wirkt die­ses Werk heu­te sehr ange­staubt. Ein­zig das vor Aus­druck schrei­en­de Gesicht von Jean­ne Moreau und der fan­tas­ti­sche Michel Pic­co­li sind beachtenswert.

Dear Wen­dy-Tho­mas Vinterberg



Das Dreh­buch stammt von Lars von Trier, dem­entspre­chend wenig zim­per­lich wird hier mit den Cha­rak­te­ren umge­gan­gen. Das gan­ze wirkt stets para­bel­haft; ich war zugleich erstaunt und ergrif­fen, als auch amü­siert und genervt. Ein Film mit vie­len Inter­pre­ta­ti­ons­ebe­nen, der viel­leicht etwas zu sehr nach Pro­vo­ka­ti­on schreit, aber stehts Mensch­lich­keit präsentiert.
39 Steps-Alfred Hitchcock



Per­fekt. Wer das Kino von Hitch­cock ken­nen­ler­nen will, soll­te womög­lich hier anfan­gen. Alles, was ihn Jah­re spä­ter in den USA berühmt machen soll­te, ist schon da und es erscheint mir völ­lig plau­si­bel die­sen Mann, als einen Autor des Kinos zu bezeich­nen.
Im April geht es dann end­lich mit Bull Mur­ray und Lost in Trans­la­ti­on wei­ter.