Macht man als jun­ger Nach­wuchs­re­gis­seur einen Film wird man auto­ma­tisch mit fol­gen­dem Pro­blem kon­fron­tiert: Dem Zwang zur Cool­ness. Sieht man sich auf Fes­ti­vals in den Kurz­film- und Nach­wuchs­sek­tio­nen um, bekommt man es mit soge­nann­ten Fil­men zu tun, die aber visu­ell und oft auch inhalt­lich eher einer Wer­bung oder einem Musik­vi­deo glei­chen. Woher kommt die­se Ten­denz oder war sie schon immer vorhanden? 

Zunächst ein­mal hat das natür­lich mit unse­ren Seh­ge­wohn­hei­ten zu tun. Fern­se­hen heu­te, das ist Sur­fen. Wenn wir etwas nicht mögen, dann kli­cken wir es weg und machen einen Schnell­durch­lauf. Also kann man sich fast nicht leis­ten, sich Zeit zu las­sen. Cha­rak­te­re müs­sen in Sekun­den­bruch­tei­len erschlos­sen wer­den. Man steht in stän­di­ger Kon­kur­renz zu tau­sen­den ähn­li­chen Vide­os, die gleich­zei­tig ver­füg­bar sind. Auf­grund die­ser Seh­ge­wohn­hei­ten schreit es in den inne­ren Uhren der Regis­seu­re und Cut­ter schon nach zwei oder drei Sekun­den: „Schnitt“. Weil sie die bana­le und fal­sche Beob­ach­tung gemacht haben, dass schnel­le­res Schnei­den weni­ger Lan­ge­wei­le bedeu­tet. Und es sieht cool aus. Und natür­lich wer­den die­se Video­künst­ler auch dafür belohnt. Das liegt dar­an, dass der Zuschau­er es ja auch nicht anders gewohnt ist; inhalt­lich will man nicht über­for­dert wer­den, eigent­lich ist es einem egal, aber tech­nisch und optisch hat jeder eine Mei­nung (ähn­lich der Auf­stel­lung der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft). Jeder Hob­by­fo­to­graf, jeder Fern­seh­kon­su­ment, jeder Gamer hat eine ästhe­ti­sche Vor­stel­lung und die­se ist gelenkt und sie schreit nach Schön­heit, ver­langt nach Cool­ness. Wenn man das nicht bedient, wird man als Ama­teur abge­stem­pelt. (unab­hän­gig vom Inhalt) Außer­dem wer­den die­se Nach­wuchs­fil­me oft in Kom­pi­la­tio­nen gezeigt und es ist daher wert­voll nicht zu sehr in die Tie­fe zu gehen. Man gewinnt die Leu­te also nur visu­ell. Ist an sich kein Ver­ge­hen, Film ist in ers­ter Linie ein visu­el­les Medi­um. Aller­dings wäre es schon von gewis­sem Wert, wenn Form und Inhalt zumin­dest den Hauch einer Bezie­hung haben. Das bei den gro­ßen Film­vor­bil­dern zu beob­ach­ten wäre ein leich­tes, aber es ist schwer die­sen Detail­grad, die­se Freu­de an der Klei­nig­keit, die gro­ße Fil­me­ma­cher aus­zeich­net, zu erken­nen, wenn man sich nachts um halb Drei die ers­te hal­be Stun­de von Ides of March (Geor­ge Cloo­ney) auf sei­nem Lap­top ansieht und dann ein­schläft. Ins Kino kann man ja beim neu­en Bat­man. Der ist das Geld wert, der ist unter­halt­sam, der ist COOL.

Natür­lich erlaubt die moder­ne Tech­nik visu­el­le Per­fek­ti­on auch ohne unend­li­chen Geld­auf­wand. Das ist auch abso­lut gut so und vie­le Regis­seu­re kom­men auch vom rein visu­el­len her und erschlie­ßen dar­über ihre Ideen und haben rie­si­ges Poten­zi­al. Nur wenn von zehn Fil­men auf einem Nach­wuchs­fes­ti­val zehn Fil­me optisch über­zeu­gend sind, aber inhalt­lich kli­schee­haft, abge­nutzt und ein­fach schwach erzählt sind, wenn ich über kei­nen Film län­ger nach­den­ken kann, bezie­hungs­wei­se mich über­haupt dar­an erin­ne­re, dann machen die­se jun­gen Fil­me­ma­cher nichts ande­res als Fern­se­hen, als Wer­bung, als You­tube. Unter­halt­sa­me Zeitverschwendung.

PS: Es ist sicher nicht falsch sich The Dark Knight Rises im Kino anzu­se­hen. Das soll nur ein Bei­spiel für das grau­sam domi­nan­te Block­bus­ter­ki­no sein, an denen man sich mit sei­nen zu Film­ka­me­ras ummon­tier­ten Foto­ap­pa­ra­ten nicht ori­en­tie­ren soll­te. In Wahr­heit wür­de ich Chris­to­pher Nolan hei­ra­ten, wenn er mich fra­gen würde.

Nolan mit Guy Pear­ce am Set von Memen­to