Der Eintritt in den ersten Regen des Jahres war umsonst. Wir sind reingegangen. Haben uns nicht mal untergestellt. Wir sind einfach durch den Regen spaziert. Ich habe dir noch gesagt, dass wir ein Bild machen sollten. Ein Bild von uns im Regen. Aber es war zu nass, um für ein Foto anzuhalten, also sind wir einfach weitergegangen. Erinnerst du dich? Wir haben uns nicht beeilt. Es war gut, im Regen zu gehen. Du hast getanzt und ich habe in die Wolken geschaut und dabei meine Augen weit aufgerissen, sodass die Tropfen auf meine Pupille fielen. Wir waren irgendwo in Kreuzberg, glaube ich, aber ich kenne mich nicht aus in dieser Stadt. Die Straßen waren weit und dunkel. Du kanntest den Weg, wolltest ihn aber vergessen.
Ein Fuchs ging für einige Momente mit uns, als der Regen stärker wurde. Er ging nur wenige Meter vor uns und wir flüsterten. Du erzähltest mir von einer Geschichte von D.H. Lawrence, in der sich eine Frau in einen Fuchs verliebt oder ein Fuchs in eine Frau, ich weiß es nicht mehr. Du hast mir gesagt, dass dich beeindruckt hat, wie der Fuchs schon bemerkbar wäre, bevor die Frauen ihn sehen würden in dieser Geschichte. Du hast gesagt, dass abertausende Füchse um uns sind. Tausende Füchse in Berlin. «Aber wir sehen nur diesen», habe ich entgegnet und ich habe sein kaltes und klares Bellen vernommen. Auch den Regen haben wir bemerkt, bevor wir ihn auf unserer Haut spürten. Ich hatte die falschen Schuhe an. Sie waren weder fürs Gehen noch für den Regen geeignet.
Erinnerst du dich, auch wenn ich dir kein Bild schicken kann? Es hat geregnet. Wir waren in Berlin. Ein Septemberregen. Das Fuchsfell hat geglänzt im Regen. Irgendwann ist der Fuchs in ein Gebüsch gesprungen. Ich habe dir von dieser anderen Geschichte erzählt, in der sich die Frau langsam in einen Fuchs verwandelt. Eine berühmte Geschichte ist das. Du hast mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einen Fuchs zu lieben. Ich habe gelacht und auf die Lichter gedeutet, die sich im Fluss spiegelten. Ich finde es seltsam, dass wir so selbstverständlich davon ausgehen, dass die Lichter nicht aus dem Fluss kommen. Das war im September. Du sahst aus wie eine Fähe. Ich hätte ein Bild von dir machen sollen. Ich weiß nicht, wie viele Bilder jeden Tag gemacht werden in Berlin. Wie viele Bilder von Füchsen. Es hat immer weiter geregnet und wir sind fuchswärts auf eine kleinere Straße abgebogen.

