Keine Insekten schwirrten in der Luft des Parks am Sommerabend. Zwei Füchse schlichen sich aus dem Gebüsch, eine Mutter mit ihrem Nachwuchs, sie sahen aus wie Überlebende wer weiß welchen Sturms. Ein nicht enden wollender Sturm. In Währing gibt es mehr Füchse als Menschen. Man sieht sie nicht, aber man weiß, dass sie da sind.
Du deutetest auf die beiden, einen Finger auf deinen geschlossenen Lippen. Ich folgte deinem Blick. Die Füchse gingen schattenhaft vorüber an den wenigen Lichtern, die es zu dieser Stunde noch gegeben hat. Lautlos huschten sie von Gebüsch zu Gebüsch und mussten sich wundern, so dachte ich, wo die Welt geblieben war, die sie sonst auf ihren Streifzügen angetroffen hatten. Niemand war da. Keine anderen Tiere, kein Wind. Nur ein paar in der Glut vertrocknete Pflanzen und wir beide, die dort sitzend auf ein wenig Kühle hofften.
Die Bäume sahen im Dunkel aus wie Stundengläser, hoch oben in ihren Kronen versteckten sich die seidenen Kreaturen, von denen du gelesen hattest, Biester, die nur alle paar Jahre zu Boden stürzten, um aus Pfützen zu trinken. Ich sagte dir, dass ich mich fürchten würde vor diesen Füchsen und du kichertest in dich hinein, sahst selbst ein wenig aus wie eine Füchsin mit goldroten Haaren im Laternenlicht. Wir sollten ihnen folgen, meintest du, um zu lernen, wie wir all das überleben können. Und schon gingst du hinter ihnen her. Sie beachteten uns kaum, wir waren nur vergessene Namen im Abendstaub, ein paar Silben, die von der Dunkelheit verschluckt werden. Wir waren wie diese seltsamen Lebewesen, die hier einmal gelebt hatten.
Die Füchse führten uns durch den ausgetrockneten Teich, in dem die Knochen verendeter Enten im Halbmondlicht glänzten. Sie durchquerten einen dichten Hain, in dem es Samen regnete. Je weiter wir gingen desto mehr schien sich der Raum zu wenden, das, was über uns hing, war plötzlich unter unseren Füßen, das, was um uns wehte, fanden wir mit einem Mal in uns. Alles bewegte sich und war deshalb bewegungslos. Du berührtest meine Finger und ich hörte deinen Atem in meinen Lungenflügeln. Wir gingen dort Jahrhunderte und bemerkten, wie unnütz die Furcht vor dem nächsten Tag doch war. Die Füchse brachten uns schließlich an eine Lichtung, auf der sie sich reinigten und aus dem Gemisch tranken, das sich zwischen der trockenen Erde und dem bitteren Himmel ansammelte. Wir setzen uns auf den sandigen Boden und lauschten, wie der Sand nach unten fiel, in eine andere Zeit.
Zuhause meinte ich fiebrig zu dir, dass das eine religiöse Erfahrung gewesen wäre. Du deutetest nur nach draußen. Es wird gleich Tag, lass uns schlafen, sagtest du.

