In einer per­fek­ten Bewe­gung ins Nichts gefilmt: Du hast heu­te mor­gen ein Film­team ver­sam­melt, um eine schwar­ze Flä­che zu fil­men. Über­all wur­de Licht ange­karrt, der Ton war bereit, dreh­te an Reg­lern, die Luft war dünn, aber ange­rei­chert mit ihrer selbst­ge­nüg­sa­men Prä­senz. Du hast gesagt: „Ich bin der Fil­me­ma­cher die­ses Films, der sich und mich dadurch recht­fer­tigt, dass ich heu­te hier ste­he und etwas fil­me, nichts fil­me, eine schwar­ze Wand fil­me.“ Du hast dich ange­strengt und ein Dreh­buch geschrie­ben, ein Sto­ry­board gemacht, du hast stun­den­lang mit den Schau­spie­lern und den Mit­ar­bei­tern über nichts gespro­chen. Als dein Sto­ry­board auf dem Cate­ring­tisch zwi­schen Kaf­fee­sprit­zern im Wind weh­te, habe ich gese­hen, dass du nicht die Ein­stel­lun­gen ein­ge­kreist hast, son­dern das, was zwi­schen ihnen pas­siert. Auf dem Papier ist es weiß, im Pro­jek­tor ist es die Dun­kel­heit zwi­schen dem Licht. Wie lan­ge, hat­test du gesagt, wür­de man Schwarz fil­men müs­sen, um etwas ande­res dar­in zu sehen als nichts? Du hast gesagt, dass du ganz allein der Film bist, weil der Film dich macht. Zusam­men­ge­setzt nicht aus dem, was du dir über­legst zu fil­men, son­dern aus dem, was durch dich filmt. Es filmt uns. Wie pas­siv kannst du sein, wenn du filmst?

Was du filmst, ist per­fekt. Es ist nicht bedeut­sam, es ist nicht gut oder schlecht, es ist im Licht und der Dun­kel­heit. Dass was du filmst, ist das, was dei­ne Kame­ra aus dei­nem Sehen über­setzt, selbst wenn du nichts siehst. Schlie­ße die Augen und öff­ne die Kame­ra. Es gibt einen Weg von dem, was Blan­chot die Nacht der Mög­lich­keit nennt. Er schreibt, dass das was im Licht erscheint, nichts ande­res ist, als was in der Nacht schlief. Du willst aber die Nacht selbst fil­men, den Schlaf. Der Schlaf ist nicht der Traum, nein. Der Schlaf ist die Abwe­sen­heit eines Blicks, das Ver­ges­sen, dass man Bli­cken kann, das Ver­ges­sen, dass es Bil­der gibt. Mache kei­ne Bil­der mehr, wir sind müde. Doch erst, wenn wir mit unse­ren müden Augen dei­nen Film über Nichts sehen, wirst du etwas wer­den. Du und dein Film in der Nacht, am Tag. Viel­leicht soll­test du ihn gegen die Son­ne pro­ji­zie­ren (auf dei­nem Laptop).

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Weißt du, ich bewun­de­re dich. Du hast kei­ne Ideen, du willst nur der Schat­ten sein. In mei­ner Bewun­de­rung liegt dein Ver­schwin­den, ja. Ich sehe dei­nen Film, dei­ne schwar­ze Wand. Ich mache etwas damit, ich öff­ne sie. Was dich recht­fer­tig vor dir selbst in dei­ner schwar­zen Wand, im Akt des Fil­mens, exis­tiert nicht mehr, sobald du es getan hast. Wir gehen zur Aus­stel­lung. Über­all ste­hen klei­ne Kine­ma­to­gra­phen. Mei­ne Tan­te ist ner­vös, sie hat einen schwar­zen Fächer und lässt die unsicht­ba­re Luft auf­wir­beln. Wir bli­cken mit unse­ren schwa­chen Augen durch die Luken des Kinos. Hin­ein, immer hin­ein in dei­ne schwar­ze Wand. Mei­ne Tan­te sagt: „Ich habe mich weder auf den Text noch auf das schwar­ze Bild kon­zen­trie­ren kön­nen.“ Dein Film ver­schwin­det dazwi­schen, wird geschluckt von sei­ner eige­nen Dun­kel­heit. Es ist der Wider­schein die­ser Dun­kel­heit, der dich zum Kino gebracht hat. Du schreist dein Film­team an und sagst: „Ich will das Echo die­ser Dun­kel­heit spü­ren.“ Du hast zu vie­le Fil­me gese­hen. In dir gibt es den pene­tran­ten Wider­schein von Erin­ne­run­gen an das Kino, Bil­der­fet­zen, Ton­spu­ren, die sich in dei­ne Haut ein­ge­gra­ben haben. Wenn du ein Bild machen willst, dann willst du nur ein Echo spü­ren. Du bist schon lan­ge erblin­det vor lau­ter Bil­dern. Der Kame­ra­mann zuckt mit den Schul­tern. Er sagt, dass es zu dun­kel sei, man bräuch­te mehr Licht. „Mehr Licht“, dann stirbt er.

Du drehst ohne Kame­ra. Dein Film ent­steht aus dem Rück­prall mög­li­cher Wirk­lich­kei­ten, die in sich zer­fal­len. Du machst einen Film im Kon­junk­tiv. Er trans­for­miert dich. Es sind die hun­der­tau­send Fil­me, die nie gemacht wer­den, die Bil­der, die du ver­wor­fen hast, das Film­erbe, das auf dem Müll gelan­det ist. Es ist der Blick, den du dich nicht getraut hast. Ein Film wie der Kuss, den du nie gege­ben hast. Du ver­suchst es. Eine Assis­ten­tin kommt mit Streich­höl­zern ans Set. Sie zün­det den Film an. Dich inter­es­sie­ren die Sekun­den, bevor die Flam­me erlischt, ein letz­tes Auf­be­geh­ren des Lichts bevor er ver­schluckt wird im Nichts eines Bil­des. Blan­chot schreibt: „War­um sich nicht in eine abge­schlos­se­ne und gehei­me Inner­lich­keit zurück­zie­hen, ohne etwas ande­res her­vor­zu­brin­gen als ein lee­res Objekt und ein ster­ben­des Echo?“

Eine Grup­pe von Men­schen ver­sam­melt sich vor einer Lein­wand, auf der dein Film nicht gezeigt wird. Du bist dort, du bist ein Fil­me­ma­cher. Die Zuse­her machen dei­nen Film. Du bist ein wirk­li­cher Fil­me­ma­cher, nie­mand sieht einen Schein, nie­mand wird zum Schau­en auf­ge­for­dert, alle sehen, das was sie nicht ken­nen, sie sehen etwas, schau­en hin. Dort ist nur dei­ne Nacht.