Man wird in eini­gen Jah­ren fest­stel­len müs­sen, was kenn­zeich­nen­der für die­se Ära in Hol­ly­wood war: Die Sex- und Lust­lo­sig­keit oder das didak­tisch-freu­dia­ni­sche Rin­gen um ein lebens­wer­tes Leben, das je nach Gen­re die­ses oder jenes bedeu­ten kann. Je nach­dem, was man dazu denkt, ist The Invi­te ent­we­der rot­zi­ger Angriff oder pene­tran­te Bestä­ti­gung des Immer­glei­chen. Für Letz­te­res spricht sicher­lich das Aus-den-Fugen-Gera­ten halb­wegs wohl­ha­ben­der Men­schen in engen und enger wer­den­den Räu­men, die rea­lis­ti­sche Far­ce, mit der man heu­te gern vom Zwi­schen­mensch­li­chen berich­tet, weil sonst kein Aus­bruch mehr denk­bar wäre.

Jeden­falls ist Oli­via Wil­de dan­kens­wer­ter­wei­se wie­der zurück ins Komö­di­en­fach gewech­selt, denn kaum wer beherrscht die Kunst des Timings so gut wie sie. Das liegt an ihrem Gefühl für schau­spie­le­ri­sche Momen­te und den damit ver­bun­de­nen Schnitt. Wie schon in ihrem Booksmart ver­steht sie es, den Gag atmen zu las­sen. Unter­stützt von der übli­chen musi­ka­li­schen Dau­er­be­schal­lung ent­fal­tet sie hier ein ziem­lich lus­ti­ges Stück Ehe­the­ra­pie als Kam­mer­spiel auf 35mm.

Wil­de selbst, Seth Rogen, Pené­lo­pe Cruz und Edward Nor­ton füh­len sich sicht­bar wohl in die­sem poin­tier­ten Unbe­ha­gen der übli­chen «Paa­re kom­men sich näher»-Dramaturgie, man wagt es kaum zu schrei­ben, aber es macht schlicht Spaß, ihnen zuzu­se­hen. Immer wie­der gibt es Sze­nen, in denen die­se Figu­ren mehr über sich ver­ra­ten dür­fen, als für die Hand­lung eigent­lich not­wen­dig wäre und genau das ist es, was vie­len ande­ren Komö­di­en heu­te fehlt. Die Art und Wei­se, in der sich Wil­des Figur freut, als ihre Innen­ein­rich­tung gelobt wird, ist dafür ein gutes Bei­spiel. Es wird gera­de so über­zeich­net, dass es ins Komö­di­an­ti­sche hin­ein­reicht, nie aber schreit es einen an. Zwar gibt es für sol­che Stof­fe des zwi­schen­mensch­li­chen Wahn­sinns längst kei­nen Howard Hawks mehr, aber immer­hin einen Hawk der eigent­lich Howard heißt. Und es gibt einen Seth Rogen, der mühe­los jene Ver­letz­lich­keit offen­legt, die man­che oder vie­le Män­ner spü­ren, wenn sie ihre Jugend nicht mehr fin­den können.

Als Erkun­dung einer ein­ge­schla­fe­nen bür­ger­li­chen Ehe fragt der Film erstaun­lich wenig nach dem War­um. Grün­de sind schlicht jene Kli­schees, die nicht mehr aus­for­mu­liert wer­den müs­sen. Viel­mehr wird eine Ver­klem­mung dia­gnos­ti­ziert, die den Aus­bruch, die Umkehr, die Öff­nung ver­hin­dert. Das ist erstaun­lich opti­mis­tisch. Die Ver­klem­mung beruht laut The Invi­te auf geschei­ter­ten Ambi­tio­nen und einem Bild vom eige­nen Leben, das sich irgend­wann zu weit von dem ent­fernt, was man tag­täg­lich im Spie­gel sieht. 

Natür­lich ist es unmög­lich, einen Film mit bis in die sprich­wört­li­che Wir­bel­säu­le psy­cho­lo­gi­sier­ten Figu­ren zu machen, der nicht ein wenig idio­tisch ist. Oder einen Film, in dem die Zuschau­er letzt­lich nur sich selbst sehen. Wil­de weiß das und führt dem­entspre­chend alles in eine ver­söhn­lich offe­ne Ohn­macht, eine fast ange­wi­der­te Zärt­lich­keit, die auf­rich­tig gemeint ist und letzt­lich ver­puf­fen muss hin­ter dem Schau­spiel­thea­ter, das die­ser Film und viel­leicht ein klein wenig auch das Leben ist. Denn wirk­lich Gewicht bekä­me der Film erst, wür­de er nach dem Abspann wei­ter­ge­hen, wes­halb viel­leicht vie­le US-ame­ri­ka­ni­sche Kri­ti­ker vor­aus­ge­sagt haben woll­ten, dass es ver­mehrt zu Schei­dun­gen oder ehe­li­chen Ver­söh­nun­gen kom­men könn­te, solan­ge The Invi­te im Kino zu sehen ist. Der Traum des psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Hol­ly­woods. So weit muss man frei­lich nicht gehen, um einen Film zu sehen, der ver­steht, wie man einen Gag aufbaut.