Der Regenradar zeigt: Bald könnte es so weit sein. Vielleicht. Man weiß es ja nie sicher. Manche dieser blauen Felder, die auf dem Bildschirm leuchten, verschwinden von einer Minute auf die nächste. Wohin sind sie verschwunden? Gerade war da noch eine Wolke. Jetzt nicht mehr. Unten kann man die Zeit verändern. Das tut gut. Man schiebt die Zeit bis zum Regen. Noch Stunden, noch Tage vielleicht. Nach rechts geht es zum Regen, nach links in die Gegenwart. Immer wieder. Rechts, links, rechts, links. Das beruhigt. 17 Uhr Regen. Dann doch nicht. Aber 18 Uhr ganz sicher. Erst morgen, aber dann so richtig. Wohin gehen die blauen Felder, wenn sie nicht kommen? Wohin geht der Regen? Waren das nur Glitches oder Einbildungen der Radiowellen? Man kann sich auch die Temperaturen anzeigen lassen, aber lieber nicht. Lieber nur den Regen. Der ist simpler. Den gibt es eben oder es gibt ihn nicht. Bevor man etwas anderes erledigt, verbringt man lieber nochmal zwanzig Minuten mit dem Regenradar. Nur um sicherzugehen und um sagen zu können: Ja, es wird regnen. Oder: Nein, es wird nicht regnen. Es wird nie wieder regnen. Draußen verreckt eine Taube in der Hitze. Ob sie wusste, dass bald der Regen kommt? Ich schaue aus dem Fenster und vergleiche den Himmel mit dem Regenradar. Diese Wolke, die da schwebt, die zeigt er gar nicht an. Ich bin ein elektromagnetischer Wellensurfer und trinke das Kühlwasser eurer Funkortung. Wisst ihr, wo ihr seid? Gebt mit eure Daten und ich sage es euch. Ihr seid da, wo es nicht regnet. Vielleicht regnet es bald. Draußen verreckt eine weitere Taube in der Hitze. Sie geht in den Schatten und bewegt sich nicht mehr. Ein bisschen mehr nach rechts. Zum Regen. Die blauen Felder leuchten wieder auf. Jetzt ist es eine ganze Armada. Gelbe Punkte zeigen Blitze an. Lilafarbene Tupfer verweisen auf den richtigen Regen, den, in dem die Tauben verrecken. Ein bisschen nach rechts in die Zukunft. Nicht zu weit, sonst wird es deprimierend. Man kann überall den Regen sehen. Es sind blaue Felder. Sie ziehen jetzt, in dieser Sekunde, über die Landkarten. Aber wo bist du? Ich schaue aus dem Fenster. Schwer zu sagen, wo ich bin. Ich bin dort, wo die Tauben in der Hitze verrecken. Gelbe Punkte verweisen auf Blitze. Im Süden unten gibt es Blitze. Viele gelbe Punkte, ja. Ich sehe keine Blitze vor dem Fenster. Kühlwasser tropft aus meinen Augen. Ja, es wird regnen. Jetzt sieht man es ganz deutlich auf dem Bildschirm. Abstrakte Felder, zerklüftetes digitales Gerausche. Unterschiedliche Töne von Blau, wie Puzzleteile, die nie zusammenkommen. Das ist der Regen. Auch der Wind wird angezeigt. Weiße Schweife, die sich bewegen. Strömungen sind das. Manche gehen nach Süd, andere nicht. Gelbe Zonen bedeuten, dass er stärker weht. Der Wind. Ich weiß nicht, ob es windig ist, wo ich bin. Ich will das Fenster nicht öffnen, es ist zu heiß. Man liest die Temperaturen ab. Was auch immer das bedeutet. Ich brauche einen Regenradar, der mir sagt, ob ich noch atmen kann oder ob ich mit den Tauben verrecke. Ich brauche einen Regenradar, der mir sagt, wo ich bin.

