Nach wie vor ist die Bar im Öster­rei­chi­schen Film­mu­se­um wegen Umbau­ar­bei­ten, von denen man zuge­ge­be­ner­ma­ßen wenig sieht, geschlos­sen. Das dürf­te dem Besu­cher­en­thu­si­as­mus dank der Retro­spek­ti­ve zu John Car­pen­ter, mit dem die neue Sai­son nach der Som­mer­pau­se beginnt, jedoch kei­nem Abbruch tun. Ohne­hin war die Film­bar weni­ger dem Film­pu­bli­kum als den vor der Alber­ti­na gestran­de­ten Tou­ris­ten vor­be­hal­ten. Etwas erschöpft, mit einem erfri­schen­dem Getränk auf die Asphalt-Blech­wüs­te bli­ckend, wäh­rend einem die leich­te Bri­se den Geruch von Pfer­de­äp­feln um die Nase weht. Der Kino­gast übt sich statt­des­sen in Ver­zicht und ver­drückt sich neben­an die Bei­ne, viel­leicht mit einer Ziga­ret­te, sel­ten mit etwas zu essen. Hun­ger zeigt Schwä­che, das gilt für das Film­mu­se­um, wie einst für das Pelo­ton. Und so bleibt das ritu­ell beschwo­re­ne Ess­ver­bot, das wich­tigs­te Sakra­ment im hie­si­gen cine­phi­len Bis­tum. Wie sich das mit den Fil­men Car­pen­ters ver­trägt, wer­den die nächs­ten Wochen zei­gen. Anders als sonst, lädt das aktu­el­le Pro­gramm des Film­mu­se­ums beson­ders dazu ein, sich nach einem Tag geta­ner Arbeit ins Kino zu bege­ben, um sich dort für ein paar Stun­den zu berau­schen, sich satt zu sehen. Lei­der liegt zwi­schen Sehn­sucht und Rea­li­tät oft die ange­sam­mel­te Müdig­keit, deren Über­win­dung ein­zig eine gekühl­te Fla­sche Coca-Cola ver­spricht. Um an so eine zu kom­men, muss man die­se nun nicht mehr eilig im Super­markt besor­gen, son­dern erhält sie ein­fach beim Auto­ma­ten im Foy­er des Film­mu­se­ums, der den Dienst der Bar (zeit­wei­se) ersetzt. Aber gene­rell könn­te man sich auch fra­gen, ob ein Kof­fe­in- und Zucker­schub für einen Film von John Car­pen­ter über­haupt not­wen­dig ist, zumin­dest wenn man so zart­be­sai­tet ist, wie das Stamm­pu­bli­kum des Film­mu­se­ums. In die­ser Wei­se mach­te am frü­hen Don­ners­tag­abend den Auf­takt der Retro­spek­ti­ve dabei nicht der All­zeit­pu­bli­kums­lieb­ling The Thing, son­dern Car­pen­ters Ver­nei­gung vor Howard Hawks Assault on Pre­c­int 13: Vier Men­schen, ein­ge­schlos­sen in einer ver­las­se­nen Poli­zei­sta­ti­on, die von gesetz­lo­sen Jugend­gangs, ohne kon­kre­tes Ziel, bela­gert wird. Dabei beginnt Car­pen­ters zwei­ter Kino­film gera­de­zu ele­gisch mit dahin­zie­hen­den Fahr­auf­nah­men durch die Vor­ortstra­ßen Los Ange­les’. Erst mit der kalt­blü­ti­gen Ermor­dung eines Mäd­chens nimmt der Film sei­ne Fahrt auf, bezie­hungs­wei­se bremst sich klaus­tro­pho­bisch in die Nacht ein. Es über­le­ben zwei Cops, ein kata­to­ni­scher Vater und ein mora­lisch reha­bi­li­tier­ter Mör­der, dazwi­schen wird viel gestor­ben und noch mehr geschos­sen. Nahe­zu im sel­ben Tem­po wie der durch Cola auf­ge­hetz­te Herz­schlag. In einer kur­zen Feu­er­pau­se muss dann eine Tür ver­bar­ri­ka­diert wer­den, wofür sich ein­zig und allein ein Kühl­schrank oder eher ein Auto­mat der Mar­ke Coca-Cola fin­det. Ein erleich­ter­tes Schmun­zeln ist nicht nur auf der Lein­wand zu ver­neh­men. Ist es nur die Wer­bung, die an eine fried­li­che Außen­welt erin­nert, oder schon die Hoff­nung, es den Figu­ren im nächs­ten Moment gleich­zu­tun? Dann, wenn das Licht wie­der angeht und drau­ßen der unbe­irrt sum­men­de Auto­mat war­tet. Für Car­pen­ter wie sein Publi­kum der 1970er leuch­tet hin­ter dem Schrank wahr­schein­lich noch etwas ande­res auf, ein schwar­zes, süß­saures Glücks­ver­spre­chen in Form einer Glas­fla­sche, das die 1950er Jah­re und nicht weni­ger Hawks’ Fil­me beherrsch­te. Dass dar­an kaum noch zu glau­ben ist, erzählt der vom Strom abge­schnit­te­ne Kühl­schrank eben­so wie die gesichts­lo­se Jugend, die unbe­ein­druckt über ihn hin­weg stürmt. Um zu vie­le Scher­ben zu ver­mei­den, führ­te der Coca-Cola-Kon­zern zwei Jah­re nach Assault on Pre­c­int 13 übri­gens als Ers­tes die unka­putt­ba­re Plas­tik­fla­sche ein. Aber als befin­de man sich noch in einer unkla­ren Über­gangs­zeit, kann man bei Car­pen­ter zwi­schen­durch nicht unter­schei­den, wann geschos­sen, zer­bro­chen oder schon gestor­ben wird. Statt­des­sen wer­den von den Bela­ger­ten nur die Minu­ten gezählt, wie lang die Situa­ti­on schon anhält und wie viel Muni­ti­on noch bleibt. Für Reden und Scher­zen als Blend­werk des unend­li­chen Nach­la­dens wie bei Hawks und Way­ne, oder um sich grin­send einen Schluck zu geneh­mi­gen, bleibt da kei­ne Zeit. Alles feu­ert, knallt und pul­siert zur sel­ben Zeit, zu einem Gesamt­bild ver­schmol­zen, kein Duell mehr, anschlie­ßend Stil­le. Statt Unter­gang in der Meu­te, dann doch noch Ret­tung. Manch­mal meint man, nach ein paar Schlu­cke Coca-Cola noch müder sein als zu vor, nur um schließ­lich nicht mehr schla­fen zu können.