Liebesbrief an Ventura


A sort of love letter. Learn it by heart.

Your mother left me. She stabbed me with a knife. The blood’s already dry. The woman wrecked the house. The bed, the wardrobe…She destroyed everything. She had Clotilde’s face, but it wasn’t her. I don’t know if it was Clotilde or another woman I slept with. Vanda! Vanda! Vanda! Look at the crocodile and those huge jaws.

Ventura,
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses, a car, that little lava house you always dreamed of, a threepenny bouquet. But most of all, drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now.
In Erinnerung,
Patrick
I want bedrooms for my children. And I was in such pain! Christ! Waves of pain every ten minutes. So I said, „Ow! It hurts so much!“ The pains were coming twice as fast. „I can’t stand it here. It hurts too much.” „Help me, darling. It hurts!“
My love,
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses. but most of all drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now. Still nothing from you…I’m waiting. Every day, every minute, I learn beautiful new words for you and me alone. Still nothing from you. Some other time.
August 19, 1972.
Here, you need an iron hand in a velvet glove. No one shouts or runs or spits on the ground. It’s nice and easy.
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses, a car, that little lava house you always dreamed of, a threepenny bouquet. But most of all, drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now. Two days ago, for my birthday, I thought about you for a long while. Did my letter arrive safely? Still nothing from you. I’m waiting. Every day, every minute, I learn new beautiful words, just for you and me, made to fit us both, just like fine silk pajamas. Wouldn’t you like that? I can only send you a letter a month. Still nothing from you. Some other time.
It’s like that when you can’t breathe. It scares me, I don’t know why. I shake all over. She feels what I feel. Look at her face!  I often get scared building these walls. Me with a pick and cement, you with your silence, a pit so deep, it swallows you up. It hurts to see these horrors that I don’t want to see.
Your lovely hair slips through my fingers like dry grass. Often, I feel weak and think
I’m going to forget you.
Texte übersetzt und collagiert aus “Juventude em Marcha” von Pedro Costa

Liebesbrief an Marion Cotillard

Liebe Marion Cotillard,

ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gesehen hast. 
„La vie en rose“ von Olivier Dahan

„Inception“ von Christopher Nolan
Das ist eigentlich nicht ganz korrekt, weil ich dich zunächst gehört habe. Natürlich war es nicht deine Stimme, aber du hast eine andere Frau derart glaubhaft verkörpert, dass ich mir sicher war dich näher zu kennen. Dann habe ich begonnen genauer hinzusehen. Etwas ist mir sofort aufgefallen. Du zeigst dich nach außen hin oft härter, als du tatsächlich bist. Allgemein versuchst du immer zu täuschen mit deinem ersten Eindruck. Wenn du eigentlich warmherzig bist, dann zeigst du mir die kalte Schulter, wenn du eigentlich etwas Schlimmes im Schilde führst, dann liebst du mich. Deine Augen scheinen ihre Farbe zu wechseln. Einmal habe ich dich in einem fremden Traum gestört und du hast mich in einer Art angesehen, die Glas springen lässt. Man will dir dann sagen, dass alles nur ein Traum ist. Ich habe deinen Blick nie vergessen, auch nicht dein Lächeln.  Dennoch behalte ich von dir nie dein Lächeln bei mir. Sondern immer deine Traurigkeit, die sich dazwischen zeigt.
„Comment je me suis disputé… (ma vie sexuelle)“ von Arnaud Desplechin

„Big Fish“ von Tim Burton
Man kann es nicht vergessen, sobald man dich nur ein paar Bilder lang als junge Studentin sieht und selbst, wenn du vielleicht manchmal in solchen Momenten auf dein Äußeres beschränkt wirst, schaffst du es deine Seele durchblicken zu lassen. Egal, ob du wütend in einem Café bedienst oder eben nur die „französische“ Ehefrau bist. Etwas scheint da durch, eine Natürlichkeit, die dich strahlen lässt. Du bleibst gerne verführerisch. Nur bei dir hat Verführen etwas mit Beobachten zu tun. Wenn dir mächtige Männer in ihrer selbstbewussten Art erzählen, was sie so können, blickst du sie nur an. Oft schwingt etwas Abneigung, ja Sarkasmus mit. Deine Liebe offenbarst du erst später. 
„Les petits muchoirs“ von Guillaume Canet

„The Dark Knight Rises“ von Christopher Nolan
Deine Augen strahlen auch aus dem Bildhintergrund. Du wirkst unantastbar, weil du dich perfekt bewegst. Du strahlst Eleganz aus ohne dich darum zu bemühen. Manchmal scheinst du selbst an deinen zwei Gesichtern zu zweifeln. Du liebst, aber willst frei sein. Du bist frei, aber fühlst dich einsam. Ich höre wie man dich darum bittet mit dir sprechen zu dürfen, aber ich sehe nur deine Tränen. Hast du deswegen diese zwei Gesichter? Die Rolle und was sich dahinter verbirgt?
„Public Enemies“ von Michael Mann

„De rouille et d’os“ von Jacques Audiard
Es gefällt mir besser dich in Europa zu sehen als in Amerika. Aber es ist mir egal, in welcher Zeit du dich bewegst. Du passt in die Jetztzeit genauso wie in die 20er Jahre. Du wirkst sowieso nicht wie aus dieser Zeit. Beinahe bin ich geneigt zu sagen, dass du zeitlos bist. Solange es Frankreich ist, entspricht es deiner Natürlichkeit, dann erstreckt sich hinter deinen unruhigen Augen eine ganze Landschaft. Ich habe auch gesehen wie du verzweifelt nach Amerika gekommen bist. Und da habe ich auch gesehen, dass du daran zerbrichst. Immer wenn du nach Amerika kommst, suchst du eine Schulter, an die du dich klammern kannst, aber ich mag es so viel mehr, wenn du frei schwebst. Ich warte auf deine SMS, in der du mir sagst, dass du mit mir schlafen willst. Denn selbst, wenn du einen schweren Unfall hattest, verkörperst du Würde ohne Würde zu spielen.Du magst dich selbst nicht und du magst nicht, was du tust. Ich mag das. Bitte stecke dich mit keinen bösen Viren an, bitte starte keine Massenvernichtungswaffen, denn ich möchte dich noch lange hören und sehen.
„Midnight in Paris“ von Woody Allen

„The Immigrant“ von James Gray

Liebesbrief an Alain Delon


Lieber Alain Delon,
ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gesehen hast.  Du warst in deiner verlassenen Wohnung gestanden, vor einem Spiegel und hast deinen Hut perfekt zurechtgerückt. Bis auf den letzten Millimeter musste alles sitzen: Hut und Trenchcoat. Du stehst oft vor einem Spiegel und du siehst dich immer so an, als würdest du dich gleich küssen wollen. Einmal habe ich dich sogar dabei beobachtet, wie du dein eigenes Spiegelbild tatsächlich geküsst hast. Aber nicht, wenn du gemeinsam mit deinen Brüdern aufwächst in eurer engen, ärmlichen Wohnung. Dann scheinst du dich selbst zu vergessen und dennoch strahlst du etwas aus, dass geradezu schreit: Ich kann es schaffen ich will es schaffen, ich muss es schaffen. Ich frage mich jeden Tag, warum nur du Rocco sein kannst. Dieses Selbstbewusstsein, diese Aura durchdringt alles. Ich habe dich in der Nacht im Auto sitzen sehen. Irgendwie passiv, so gar nicht der Geschwindigkeit von Paris angemessen. Du warst fertig mit deinem Leben, du warst sarkastisch, wahrscheinlich hast du begonnen zu trinken. Aber dein Selbstbewusstsein hast du nicht verloren. 

Le Samourai von Jean-Pierre Melville

Rocco e i suoi fratelli von Luchino Visconti

Plein soleil von René Clément

Du lächelst selten. Einmal haben deine Augen gefunkelt, als dir eine unbekannte Frau eine Blume gegeben hat. Doch du warst zu keiner Emotion mehr fähig. Deine Emotionen sieht man so selten, dass es einen immer trifft, wenn sie sich doch mal zeigen. Ich habe dich oft mit den schönsten Frauen tanzen und reden sehen. Immer wenn du mit ihnen zusammenbist, scheinst du deine komplette Umwelt zu vergessen. Deine blauen Augen kennen dann nur die Augen deiner Frauen. Egal, ob sie blau sind oder in schwarz/weiß Tönen. Aber sobald die Frauen nicht mehr da sind, verlierst du dich in Einsamkeit, Isolation und deinen zweifelhaften Berufen. Wenn du trinkst, werden deine Lippen nicht nass.

Un flic von Jean-Pierre Melville

Le cercle rouge von Jean-Pierre Melville

Ich habe gesehen wie du an der Türschwelle einer Party in deinem Urlaubshaus standest und deine Frau beobachtet hast und dann die junge Tochter deines Freundes beobachtet hast. Du bist immer zugleich stark und schwach, meist bist du in deiner Schwäche am stärksten, weil du deine Laster zu deiner Profession gemacht hast, weil deine Leidenschaft sich nur in Sekunden auf die Frauen überträgt. Mit deinem Trenchcoat und deinem perfekten Hut sehe ich dich manchmal einfach gehen. Dabei fällt mir auf, dass jeder Schritt bei dir so aussieht als würdest du ihn am liebsten nicht machen und gleichzeitig ist er so gesetzt, als wäre er vorbestimmt. Du funktionierst wie ein lebendiges Modell für einen Maler, der mit bewegten Bildern arbeitet, weil du dich mit seinen Gedanken und zu seinen Gedanken drehst. 
La Piscine von Jacques Deray
L’eclisse von Michelangelo Antonioni
Ich habe dich nicht an unserem Treffpunkt gesehen. Du warst einfach nicht mehr da. Selbst wenn ich mir kurz eingebildet habe dich zu sehen, du bist nicht gekommen. Du scheinst mehr Freude beim Schreien an der Börse zu haben, beim erschießen und ermorden von Menschen, als bei der Liebe. Aber dir haftet der Touch eines jungen Rebellen an, wenn du dich mit deiner Lederjacke und alten Haudegen an der Cote d’Azur misst und in einem Cabriolet Musik hörst. Hast du den Mann schon gefunden, der denselben Namen trägt wie du und verfolgt wird? Ich hoffe es sehr für dich, denn es kann dich nur einmal geben.
Mèlodie en sous-sol von Henri Verneuil

Mr. Klein von Joseph Losey
Als du mit Claudia durch den riesigen Saal getanzt bist, völlig im Einklang mit einer öffentlichen Welt der Präsentation, die gegen dein Inneres zu arbeiten scheint, dann brannte nicht nur Paris. So wie du deine Blicke kontrollierst, so pulsiert auch deine Stimme, die immer laut, aber nie aufdringlich zu sein scheint; die immer flüstert, aber nie säuselt. Aber du machst zu viele Fehler. Ich habe dich zu oft sterben sehen. Du lässt dir gerne in den Rücken schießen. Und wenn der Schuss aus dem Hinterhalt kommt, dann verstehe ich, warum du so langsam gehst und warum du dein Spiegelbild so gerne magst weit abgeschottet von der Realität. Du machst diese Dinge leider schon länger nicht mehr. Aber immer muss ich an dich denken.
Il Gattopardo von Luchino Visconti

Liebesbrief an Michelle Williams


Liebe Michelle Williams,
ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gesehen hast. Du standest in der Küche und wusstest nicht, ob du geliebt wirst. Dann wusstest du, dass du nicht geliebt wirst und hast so sehr mit dir gekämpft, dass es mich ergriff. Deine Augen scheinen immer etwas jenseits deiner Umgebung wahrzunehmen, manchmal wirken sie leer und resignierend, manchmal funkelt in ihnen aber das pure Leben auf. Ich habe dich auf der Party von Bob Dylan gesehen. Du bist durch den Raum getorkelt wie ein gefallener Engel, man hat dir dein vergebliches Bemühen um Eigenständigkeit und Eleganz so sehr angemerkt und du warst unberechenbar und faszinierend.

I’m Not There von Todd Haynes

Brokeback Mountain von Ang Lee
In deinem Lächeln versteckt sich immer schon deine Trauer und wenn du deine Tränen wegwischst, könntest du strahlen wie die Sonne. Ich hatte den Eindruck du hattest genug vom Leben. Du bist ausgestiegen und dann habe ich dich beobachtet wie du deinen Hund verloren hast. Dein Kampf gegen Ungerechtigkeit hat mir gezeigt, was ich an dir so schätze: Du verkörperst immer zugleich Stärke und Schwäche, kurz: Menschlichkeit. Selbst wenn du resignierst, lebst du. Du bist auf die größten Exzentriker gestoßen. Zum Beispiel Männer, die New York für ein Theaterstück nachbauen und dabei bist du immer wie aus einem Traum geblieben, irgendwie schwer zu fassen und doch im höchsten Grade faszinierend, weil dein Wanken und deine Müdigkeit immer noch genug Herz mit sich tragen, um zu erfrischen. 
Synechdoche New York von Charlie Kaufman

Wendy & Lucy von Kelly Reichardt
Du warst traurig, weil du den falschen Mann geheiratet hast. Das passiert dir anscheinend immer wieder. Wenn du traurig bist, bilden die Tränen einen goldenen Film auf deinen Lidern und jedes Blinzeln lässt dich tiefer in dir selbst verschwinden. Deine Küsse waren aufrichtig, weil bei dir alles aufrichtig zu sein scheint. Dein vergebliches Bemühen nach einem stabilen Leben, die stillen Momente der Freude, die du nur in bewegenden Andeutungen teilst, lassen deinen Mut eine Frau jenseits jeglicher Klischees zu sein noch stärker erscheinen. Denn du bist umgeben von Klischees, bewahrst dir aber eine Natürlichkeit, die es selten gegeben hat. Ich habe gesehen, wie du dich in den Armen deines Mannes aufgelöst hast, wie du unerreichbar für ihn bliebst, unecht und surreal. Deine kalte Freundlichkeit trug den Schmerz des Lebens in sich, denn du so breitgefächert vermitteln kannst. Bei dir schwingt immer Sterblichkeit mit. Es ist eine angstfreie Sterblichkeit, denn dass du eine große Stärke besitzt hast du mir in der Wüste gezeigt. 
Shutter Island von Martin Scorsese

Blue Valentine von Derek Cianfrance

Du gingst vorweg in einer von Männern dominierten Welt und dein Wanken wurde plötzlich zu einem Marschieren, dein Weinen wurde zum Schuss mit einer Waffe. Wenn du willst, gibst du mir keinen Halt in deinen Gesten und Taten. Du kannst größer sein als das Leben. Selbst wenn du dich äußerlich kaum verändert hast in all dieser Zeit, habe ich doch hundert Gesichter an dir gesehen. Du hast mit dir selbst gerungen, du ringst so gerne mit dir selbst. Als du dein Glück in Momenten findest, in denen du gleichzeitig eine Schuld spürst, vermittelst du das mit einer Geradlinigkeit, bei der alle Emotionen an dir lesbar sind ohne, dass sie zu einfach gestrickt wären. Du hast keine Angst vor deinem Körper, denn du hast keine Angst dich mit deiner Seele auseinanderzusetzen. Am liebsten würde ich ein Lied für dich spielen, sodass du dazu tanzen kannst, dich in meinen Träumen wenigstens für Sekunden festhalten können und dir helfen deinen Hund zu finden. Aber du bist ein Geist, eine Illusion; du löst dich tatsächlich immer vor mir auf, sobald ich dich gesehen habe. Deshalb will ich dich immer wieder sehen. Ich kenne niemanden der Verlust von Liebe, Verlust von Leben und Verlust von Selbstbezug so gut darstellt wie du. Ich hoffe ich kann dich noch häufiger sehen.
Meek’s Cutoff von Kelly Reichardt

Take This Waltz von Sarah Polley