Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Liebesbrief an Yekaterina Goulobeva

Lie­be Yeka­te­ri­na Golubeva,

ich habe dich gese­hen, aber ich bin mir nicht sicher, ob du auch mich gese­hen hast. Ich bin mir sogar sicher, dass du mich nicht gese­hen hast, weil zwi­schen dir und allen ande­ren immer­zu eine gan­ze Welt zu lie­gen scheint, ein gro­ßes Geheim­nis, denn du bist ein durch den Schnee rei­ten­der Engel, der tötet, mit dem eis­kal­ten Atem einer ver­zwei­fel­ten Gleich­gül­tig­keit, töte mich. Du stehst abseits aller Sicher­heit und rauchst, im Schat­ten, im Son­nen­licht. Ich habe das Gefühl, dass die Son­ne mit dir erfriert und die Nacht mit dir eine unend­li­che Wär­me ist.

L'intrus von Claire Denis
L’in­trus von Clai­re Denis
Trys dienos von Sharunas Bartas
Trys dienos von Sharu­nas Bartas

Ich habe dei­ne Schreie gehört. Ich war mir nie sicher, ob es Schreie der Lust oder Schreie der Schmer­zen sind. Ich habe dich abwe­send, abwei­send und doch ver­lo­ckend gese­hen. Du hast eine Feind­se­lig­keit, die anzieht, immer­zu anzieht. Dabei legst du dei­nen Kopf ger­ne in dei­nen Nacken. Manch­mal erwischt dich dann das Licht, manch­mal der stot­tern­de Guss dei­ner vie­len Trä­nen, die ich immer­zu trock­nen möch­te oder noch bes­ser, auf­he­ben möch­te und in ein rie­si­ges Glas neben mei­ne Träu­me stel­len will. Dei­ne Schreie sind echt wie dei­ne Trä­nen, dein Lächeln ist echt wie dein Ver­lan­gen und so sehr wir mit Fil­men die Ver­gan­gen­heit umar­men, so sehr schmerzt, dass ich die­se Zei­len eigent­lich in der Ver­gan­gen­heit schrei­ben müss­te. Ich tue es nicht und hal­te dei­ne magi­sche Prä­senz am Leben, die in dei­nen Ges­ten oft nur ein Wind­hauch ist, dei­ne Augen sind das Geheim­nis einer ewi­gen Sterb­lich­keit. Egal wohin du blickst, es wirkt immer so als wür­dest du mich ansehen.

Twentynine Palms2
Twen­ty­ni­ne Palms von Bru­no Dumont
The Corridor
Kori­do­ri­us von Sharu­nas Bartas

Du bist über mir geschwebt mit einem Heli­ko­pter, du bist immer­zu nur auf der Rei­se, du gehst und kommst und nie­mand weiß wes­halb. So bist du in zer­fal­le­ne Räu­me geflo­gen, viel­leicht sind sie erst mit dir zer­fal­len, weil alles gezit­tert hat. Ich will mit dir in mei­nem Blut baden. In unse­rem Strom aus Blut, wir schrei­en, wir wei­nen, wir lächeln und wir wer­den nicht mehr schla­fen. Mit dir beginnt und endet jedes Herz. Lass uns auf Stei­nen in der Son­ne lie­gen und ver­bren­nen, lass uns zusam­men ver­schwin­den, auch wenn wir kei­nen Ort fin­den, um mit­ein­an­der zu schla­fen, so kön­nen wir ihn doch suchen.

J'ai pas sommeil2
J’ai pas som­meil von Clai­re Denis
Polax8
Pola X von Leos Carax

Du hast kei­ne Angst vor Inti­mi­tät, weil du kei­ne Angst hast, dei­ne Angst zu tei­len. Wir kön­nen im Halb­dun­kel tan­zen bis es dun­kel wird, dein Kör­per wird die Nacht erleuch­ten, dei­ne See­le ist dei­ne immer außer­or­dent­lich beleuch­te­te Haut.

Few of us3
Few of us von Sharu­nas Bartas