La Zerda et les chants de l'oubli von Assia Djebar

La Zerda et les chants de l’oubli von Assia Djebar

Die Schrift­stel­le­rin und Regis­seu­rin Assia Dje­bar und ihr Co-Autor Malek All­ou­la ver­brach­ten ein hal­bes Jahr in den Archi­ven von Pathé und Gau­mont, sich­te­ten doku­men­ta­ri­sches Film­ma­te­ri­al und Foto­gra­fien zur fran­zö­si­schen Kolo­nia­li­sie­rung, auf der ewig schei­nen­den Suche nach dem Wider­stand, nach der Wahr­heit und vor allem nach all dem, was der­lei doku­men­ta­ri­sches Mate­ri­al nicht auf­zeigt und im Ver­bor­ge­nen hält. Die sprach­li­che Aus­drucks­kraft der alge­ri­schen Autorin und Fil­me­ma­che­rin kommt auch in der Ver­to­nung in all ihrer fil­mi­schen Arbei­ten zum Aus­druck. In La Zer­da et les chants de l’oubli, einer Pro­duk­ti­on für den alge­ri­schen Fern­seh­sen­der RTA aus dem Jahr 1979 mit der Musik von Ahmed Yess­ad, sehen wir „gefun­de­nes“ Bild­ma­te­ri­al, ein kolo­nia­li­sier­tes Alge­ri­en der 1930er und 1940er zei­gend, im Dia­log mit jenem Alge­ri­en der Erzähl­stim­me. Gefun­de­ne Erin­ne­rung. Dje­bar for­dert nicht weni­ger ein, als eine weib­li­che Geschichts­schrei­bung inner­halb einer kolo­nia­len Über­wa­chung und inner­halb einer patri­ar­cha­len Unterdrückung.

ASSIA DJEBA

Der Ein­satz von Schwarz und Weiß, der nüch­ter­ne Dis­kurs des Off-Kom­men­tars und der Zwi­schen­ti­tel, Orte und Daten zei­gend: dies evo­ziert die Ästhe­tik von Les sta­tu­es meu­rent aus­si von Mar­ker, Res­nais, Clo­quet, erzählt der Sound­track wie ein blas­ses aber sicht­ba­res Was­ser­zei­chen eine ande­re Geschich­te. Ein kon­tra­punk­ti­scher Gesang, manch­mal in der Nähe eines Rufens und geschickt gemischt zwi­schen Ara­bisch und Fran­zö­sisch, fast ohne Pau­sen abzu­war­ten, oder viel­mehr, ein­zu­bau­en. Gar pas­send für jene Ambi­va­lenz der wohl gegen­sei­ti­gen Fas­zi­na­ti­on, der Ängs­te und auch der Wut und des Has­ses. Am Ende wer­den die Wor­te feh­len und die Kame­ra ver­weilt auf einem stil­len Bild, dis­kret und fast schon makel­los. Wie bei Kha­ti­bi sind es die Män­ner des Südufers …

Die Erin­ne­rung und Kör­per der Frauen
Ver­schlei­ert
Ver­schlei­ert
Ver­schlei­ert
In einem völ­lig unter­wür­fi­gen Maghreb zum Schwei­gen gebracht, Foto­gra­fen und Fil­me­ma­cher ström­ten her­bei um uns zu fotografieren …
Der mor­bi­de Wüs­ten­fuchs ist ganz in ihrem Sin­ne, ein Anspruch, den sie gel­tend machen und ergreifen.
Trotz ihrer Bil­der doch aus­ser­halb ihres Blicks, ver­such­ten wir, ande­re Bil­der zu machen, Frag­men­te einer täg­li­chen Verachtung …
Vor allem hin­ter dem Schlei­er die­ser Rea­li­tät aus­ge­setzt, wur­de eine anony­me Stim­me geweckt, gesam­melt oder neu erfun­den, die See­le eines Maghreb und unse­re Vergangenheit.

Ihr auf der­ar­ti­ge Dis­kre­panz Bezug neh­men­der Kurz­ge­schich­ten­band Femmes d’Alger dans leur appar­te­ment, eine Text­samm­lung, wel­che auf die dama­li­gen, nach der Ent­ko­lo­nia­li­sie­rung von Alge­ri­en vor­herr­schen­den Unter­schie­de anhand der Behand­lung von Män­nern und Frau­en auf­merk­sam macht, wur­de zwei Jah­re zuvor publi­ziert. Selbst Dje­bars Dilem­ma, der für sie in Fra­ge kom­men­den, für sie alles greif­bar machen­den und zu nut­zen­den Spra­che, macht sie in ihren Fil­men, Bil­dern, Tönen und Rhyth­men, sicht­bar. Musik und Lyrik, ora­le Spra­che, Töne, Pau­sen, Bewe­gung und Gefühls­aus­druck. Gebo­ren in der Hafen­stadt Cher­chell im Wes­ten Algiers, gaben das Was­ser und der Wind noch eini­ge stren­ge Tak­te hin­zu. Aber am wich­tigs­ten: die Stil­le. So behielt Dje­bar es sich bei, das ein­zig Mög­lich­schei­nen­de, das Fran­zö­si­sche als eine offi­zi­el­le Spra­che im inter­na­tio­na­len Umgang mit der sie umge­ben­den, auch beruf­li­chen, aka­de­mi­schen und sicher­schei­nen­den Welt, das Ara­bi­sche für ihr Heim­keh­ren und Erin­nern, das nicht enden wol­len­de Auf­zei­gen. Die Angst und die Unter­drü­ckung, die Wehr­lo­sig­keit und den Schmerz: „Nous les ven­tres affa­més, les pieds nus…“ – aber auch für die zärt­lichs­te Stille.