Menschen, von Orten erträumt. Ein Dialog über Transit von Christian Petzold

(Dia­log zwi­schen Patrick Holz­ap­fel und Iva­na Miloš)

Iva­na,

ich woll­te dir über Chris­ti­an Pet­zolds Tran­sit schrei­ben. Auch weil du die Buch­vor­la­ge von Anna Seg­hers gele­sen hast und ich nicht. Auch weil Pet­zold ger­ne erzählt, dass der Film in einem Dia­log ent­stan­den ist. Mit Harun Faro­cki, dem der Film auch gewid­met ist. Viel­leicht wäre es dann gut, wenn man sich dem Film auch in einem Dia­log nähert. Ich weiß nicht wie es dir mit dem Film erging. Ich habe mich plötz­lich in einem Laby­rinth gefun­den. Ein Laby­rinth, aus dem ich immer und nie her­aus­woll­te. Das War­ten wird im Film ja ganz kaf­kaes­que als die Höl­le bezeich­net. Ich den­ke an Anto­nio di Bene­det­to, des­sen Zama Lucre­cia Mar­tel so inner­lich ver­filmt hat. Das Buch beginnt mit einer Wid­mung für die Opfer des War­tens. Tran­sit und Zama fin­den sehr unter­schied­li­che, aber doch ver­wand­te Hand­lun­gen für die­se Opfer. Für mich fin­det Tran­sit im Vaku­um einer Höl­le statt. Die Figu­ren sind nur mehr Geis­ter, die Gesichts­lo­sen unse­rer Welt, wenn man so will. Es ist eigent­lich schon vor­bei als es beginnt. Des­halb macht es kei­nen Unter­schied, ob man vom Aus­bruch, von der Rei­se träumt oder sie tat­säch­lich unter­nimmt. Gegen Ende des Films gibt es die­se Bil­der, die auf das Meer gerich­tet sind. Ein wei­ßes Segel­boot fährt vor­bei. Das ist für mich ein per­fek­tes, wenn auch alt­be­kann­tes Bild für die­se Sehn­sucht, die gar nicht mehr nach Erfül­lung fragt. Das exis­tiert in einer Art Zeit- und Raum­lo­sig­keit. Man flieht im Blicken.

Patrick,

dem Laby­rinth von dem du schreibst, fehlt Ari­ad­ne, obwohl es im Film Pas­sa­gen gibt, die ihr gewid­met sind, gewid­met als ob sie die­je­ni­ge wäre, die anstatt der Göt­ter Opfer und Ent­schä­di­gun­gen erhal­ten wür­de. Ich den­ke natür­lich an Marie, die­se Frau des Erschei­nens (und Ver­schwin­dens) an Über­gän­gen. Sie wirkt auch so, als könn­te sie ein rei­nes Gebil­de von Georgs Ima­gi­na­ti­on sein. Sie ist der her­bei­ge­sehn­te, ret­ten­de Stro­halm, an dem hän­gend er sich aus dem Treib­sand zie­hen könn­te. Der klei­ne Jun­ge Driss ist ein wei­te­rer poten­zi­el­ler Ret­ter. Aber alle gehen fort. Und noch wich­ti­ger ist, dass nie­mand lebend davon­kommt oder zumin­dest in gan­zen Stü­cken. Das Buch erzählt auch von die­sem Laby­rinth und von jenen, die dort ein- und aus­ge­hen, aber der Film erreicht eine ande­re Ebe­ne mit die­ser Geis­ter­haf­tig­keit und Erschei­nun­gen. Die Pfa­de und Kur­ven des Films sind glatt, behän­de, trü­ge­risch und man könn­te sich jeden Augen­blick dar­in ver­lie­ren – den­ke nur an die Frau mit den Hun­den, die plötz­lich nicht mehr neben Georg steht. Georgs Per­spek­ti­ve bestimmt die­se traum­ar­ti­ge Welt. Er ist ver­lo­ren bevor der Film beginnt, vie­les hat sich bereits in Luft auf­ge­löst wie du rich­tig bemerkt hast. Wir sehen mit ihm, aber es ist ent­schei­dend, dass wir auch ihn beim Sehen sehen. Das offen­sicht­li­che Bei­spiel dafür fin­det sich in der letz­ten Ein­stel­lung, in der sich Traum und Rea­li­tät ver­mi­schen und wir nur mehr Georgs Blick anschau­en kön­nen. Ein sol­cher Per­spek­tiv­wech­sel schreit bei­na­he nach dem Werk­zeug der Erzähl­theo­rie, denn obwohl der Film die Erzäh­lung aus der ers­ten Per­son im Buch durch einen Erzäh­ler aus der drit­ten Per­son ersetzt, sind wir so nahe an Georg, dass wir sogar an sei­nen Träu­men teil­ha­ben. An was kann man sich hal­ten in einem Laby­rinth, wenn der Ari­ad­ne­fa­den nir­gends zu sehen ist? Und ist es dann wirk­lich von Bedeu­tung, dass es ein Meer am Hori­zont gibt?

Iva­na,

die Geis­ter, von denen du schreibst, fin­den sich ja auch in der sich selbst prä­sen­tie­ren­den, dop­pel­ten Zeit­lich­keit im Film. Hier die 1940er, dort die 2010er. Die­ses Auf­ein­an­der­tref­fen einer Spra­che mit einer wei­ter­ge­zo­ge­nen Welt oder auch, ich den­ke, dass man das sagen kann, der Fik­ti­on mit der Rea­li­tät. Etwas wird da ein­ge­holt oder heim­ge­sucht, als wan­del­ten die Wor­te und Hand­lun­gen aus der Roman­vor­la­ge noch immer einem Echo gleich durch die Stra­ßen von Mar­seil­le. Es ent­ste­hen mehr Brü­cken als Ris­se zwi­schen den Zei­ten. Zum einen natür­lich durch die poli­ti­schen Kon­no­ta­tio­nen, da muss man auch vor­sich­tig sein, weil mir das Kino so wil­lig und wenig vor­aus­ah­nend auf die Flücht­lin­ge zu sprin­gen scheint, ganz so als wären sie nur ein The­ma und kei­ne Men­schen. Bei Pet­zold ist das nicht so, weil die­ses The­ma eben auf sei­ne Orte und sei­ne His­to­ri­zi­tät zugleich trifft. Man spricht ja oft davon, dass Flücht­lin­ge die Geis­ter unse­rer Welt sind. Schwel­len­be­woh­ner zwi­schen den Wel­ten, war­tend auf die Flucht, auf das nächs­te Schiff, den Weg in eine Frei­heit oder ihre Illu­si­on. Ihre Ver­gan­gen­heit ist ein Schat­ten, den sie mit sich tra­gen. In Tran­sit ist es inter­es­sant mit der Ver­gan­gen­heit, weil alles, gleich einem Film von Jac­ques Tour­neur, in der Ver­gan­gen­heit zu spie­len scheint, aber jeder Blick, bis zum von dir so schön beschrie­be­nen letz­ten, der wei­ter ins Unge­wis­se einer ver­za­gen­den Hoff­nung reicht, von einer Zukunft träu­men müss­te. Alles ist ein wenig so, als wür­de man sich nur noch bewe­gen, weil man sich an etwas erin­nert, was dadurch pas­sie­ren könn­te, aber egal wen man fragt, nie­mand weiß mehr, was das sein könn­te. Wenn du schreibst, dass nie­mand lebend davon­kommt, ist es denn nicht so, dass nicht alle sowie­so schon gestor­ben sind?

Patrick,

ja, Tran­sit ist ein Schiff, auf dem jene leben, die schon lan­ge gesun­ken sind. Ein Schiff gebaut aus dem Hafen gebaut aus der Welt gebaut aus Geis­tern. Zwi­schen den Wel­ten zu wan­dern, ist har­te Arbeit, vor allem wenn kei­ne der bei­den wirk­lich zu exis­tie­ren scheint. Die 1940er und 2010er Jah­re ver­schmel­zen sofort. Sie über­lap­pen schnel­ler als man blin­zeln kann wäh­rend einer atem­lo­sen Hetz­jagd, aber die­ses Gefühl einer Gleich­zei­tig­keit ist merk­wür­di­ger­wei­se genau­so anhal­tend wie es kurz ist. Sie ver­folgt uns immer wei­ter, die­se fei­ne Naht zwi­schen Men­schen und Orten, weil sie die unnach­gie­bi­ge Kraft des Fil­mes ist. Die­se Naht zehrt von dem, was sie nicht gleich preis­gibt, ihre Ambi­va­len­zen flö­ßen den Men­schen die Stim­men Kaf­kas (und Gom­bro­wiczs) ein. Sie haben schon alles hin­ter sich gelas­sen, wozu also noch ren­nen, wovon noch flie­hen? Das Echo, das du wert­voll beschreibst, tanzt in den Stra­ßen – die Dar­stel­ler sind Wider­hall, Spu­ren, fest­ge­hal­te­ne Zeit. Wenn etwas pas­siert, dass wir weder ver­ges­sen noch in Erin­ne­rung rufen kön­nen, ist es dann nicht rich­tig, Zeu­gen zurück­zu­las­sen, Zeu­gen, die zurück­kom­men, wann immer wir sie brau­chen? Wie bei Sta­nisław Barańc­zak und sei­nem fas­zi­nie­ren­den Gedicht Whe­re Did I Wake Up ist alles abhan­den­ge­kom­men und kann den­noch durch sich wie­der­ho­len­de Bewe­gun­gen zurück­ge­bracht wer­den. Man muss durch den Ablauf der Bewe­gun­gen gehen wie Georg, indem er in sei­nem dürf­ti­gen Zim­mer sitzt, das Radio repa­riert, für Driss singt, um sein Leben rennt. Marie gibt sich der sinn­lo­sen Suche nach ihrem Ehe­mann hin, dem ver­lo­re­nen Wei­del des­sen Iden­ti­tät (zumin­dest admi­nis­tra­tiv) von Georg über­nom­men wur­de. Für eine Zeit ersetzt sie ihn mit Richard, dem Arzt, dann mit Georg selbst, zumin­dest scheint es so. Am Ende kann sie nur jenem Faden fol­gen, den sie schon am Beginn jagt und der (ein­mal mehr) in den Tod führt. Wenn jeder ver­gan­ge­ne Blick, wie du so wun­der­bar geschrie­ben hast, einen Traum von der Zukunft in sich trägt und alle Bewe­gun­gen von Erin­ne­run­gen ohne Zukunft ein­ge­schränkt wer­den, befin­den wir uns dann nicht in den sel­ben Regio­nen wie Vir­gi­nia Woolf und Samu­el Beckett, als die­se schrieben:

Wait! Wait! The king­fi­sher comes; the king­fi­sher comes not. (W)

It is mid­night. The rain is bea­ting on the win­dows. It was not mid­night. It was not rai­ning. (B)

Ist Pet­zolds Inter­pre­ta­ti­on die­ses Tran­sits vor­stell­bar oder gar über­zeu­gend, weil er sich so geis­ter­haft an Orte klam­mert? Hän­gen unse­re Erin­ne­run­gen an Orten und wenn ja, wer­den sie durch das Kino befreit?

Iva­na,

ich möch­te ein wenig bei den Plät­zen von Pet­zold ver­wei­len. Es scheint mir so, als wären bei­na­he all sei­ne Fil­me bis­her an Nicht-Orten ange­sie­delt. Yel­la ganz beson­ders, Toter Mann, Wolfs­burg im Auto, Bar­ba­ra, Die inne­re Sicher­heit. Für mich gibt es da immer einen Flucht­mo­ment, etwas Geis­ter­haf­tes und immer wie­der das Ver­wei­len auf den Mög­lich­kei­ten, die auch Fik­tio­nen sind. Mit De Cer­teau könn­te man auch sagen, dass bei Pet­zold bestän­dig Orte ver­fehlt wer­den. Ich weiß gar nicht, ob die Erin­ne­rung, von der du schreibst, noch mög­lich ist an die­sen Orten. Viel­mehr sehe ich nur das Ver­ges­sen, das Ver­drän­gen oder die Sehn­sucht. Für mich gleicht das weni­ger einem Auf­wa­chen als einem Fal­len. Wozu die Erin­ne­rung, wenn man träu­men kann oder über­le­ben muss? Gleich­zei­tig erlaubt die­ser – und ich mei­ne das im bes­ten Sin­ne – eine Film, an dem Pet­zold arbei­tet, eine unheim­li­che Kon­trol­le über die Mit­tel die­ser ver­fehl­ten Orte…die Bli­cke, die Geschwin­dig­kei­ten, der Rhyth­mus, immer wie­der die­se Ein­stel­lun­gen, in denen Figu­ren im Bild­vor­der­grund durch das Bild huschen und den Blick auf die Per­son im Hin­ter­grund frei­ge­ben. Er spielt auf der gesam­ten Kla­via­tur des Kinos, aber jeder Schnitt, jede Ent­schei­dung ist spür- und nach­voll­zieh­bar. Die Musik kommt erst spät in den Film genau wie die Erzähl­stim­me. Dafür führt er Marie bei­na­he bei­läu­fig ein. Ich fin­de, dass das ein unheim­lich schwer zu fil­men­des Bild ist. Eine Frau glaubt jemand auf der Stra­ße zu erken­nen, er dreht sich, sie haben die­sen merk­wür­di­gen Blick­kon­takt zwi­schen Anzie­hung, Ent­täu­schung und Déjà-vu. Dann geht sie. Die­ses Bild ist merk­wür­dig für mich. Viel­leicht weil es sich zu leicht in Wor­te klei­den lässt. Womög­lich auch, weil ein Moment der Über­ra­schung so falsch wirkt, wenn doch alles schon vor­bei ist. Nur all die­se kon­trol­lier­ten Augen­bli­cke, ihre Kom­bi­na­ti­on, ihre Vir­tuo­si­tät heben den Film für mich bei­na­he auf eine abs­trak­te Ebe­ne, in der die­se Nähe zwi­schen Flüch­tig­keit und Unend­lich­keit sich in rei­ne Bewe­gung über­setzt. Was dar­an aber wirk­lich beson­ders ist für mich, ist dass er die­se Abs­trak­tio­nen hin­be­kommt und den­noch Erzähl- und Gen­re­ki­no macht. Wobei es schon einen Unter­schied zu klas­si­schem Gen­re gibt. Denn Pet­zold muss die Regeln sei­ner Welt erst eta­blie­ren, um sie dann aus­zu­spie­len. Sie sind nicht vor­her bekannt wie bei einem Wes­tern. Nur wel­che Welt ist das? Ich glau­be, dass mich die­se Fra­ge am meis­ten beschäf­tigt mit dem Film. Ist es unse­re Welt und die Regeln von Pet­zold sind inter­pre­ta­tiv? Ist es eine rein fik­tio­na­le Welt und die Regeln sind rein nar­ra­tiv? Oder ist es eine rea­le Welt und die Regeln sind rein fik­tio­nal? Ich glau­be fast es ist letz­te­res und dar­in liegt für mich die absur­de Ver­bit­te­rung, poli­ti­sche Not­wen­dig­keit und Wahr­heit des Films.

Patrick,

das Ver­wei­len ist für mich der Stoff aus dem Tran­sit besteht. Vor allem, wenn wir immer Nicht-Orte und Flucht­we­ge beset­zen, Orte, die nicht mehr sind, was sie waren oder die nie das wer­den, was Men­schen von ihnen woll­ten. Orte des Wan­dels und der Über­gän­ge, an denen der Fil­me­ma­cher bes­ten­falls mit fik­tio­na­len Mög­lich­kei­ten ver­weilt, sie sind schließ­lich alles, was uns bleibt. Jeri­chow und Phoe­nix pas­sen auch in die­ses Puz­zle, ihre Klip­pen und Rui­nen, das Meer und die Bahn­hö­fe, all das, was statt der stum­men Ver­gan­gen­heit spricht. Dadurch wer­den Orte in Pet­zolds Fil­men zugleich sehr und gar nicht kon­kret. Sie erzäh­len im sel­ben Moment die bes­ten Geschich­ten oder sind die größ­ten Lüg­ner. All das hängt an der geis­ti­gen Auf­fas­sung der Zuse­her dar­über, was Fik­ti­on ist, was zumin­dest teil­wei­se im Unter­be­wuss­ten ver­an­kert ist. Ich bin mir nicht sicher, ob es mög­lich ist, sich an etwas zu erin­nern an die­sen Orten. Was mich inter­es­siert ist, was Orte los­las­sen, was sie preis­ge­ben, wenn sie gefilmt wer­den, in die­sem Fall von Pet­zolds Kame­ra. Schäu­men und sickern aus ihnen Flüs­sig­kei­ten und Dunst­schwa­den trotz des Ver­ges­sens, Ver­drän­gens und der Sehn­sucht der Figu­ren oder gera­de des­halb? Ich glau­be, dass sich Träu­me von Erin­ne­run­gen ernäh­ren und das­sel­be für das Über­le­ben in Tran­sit gilt. In die­sen Ris­sen, in denen es nach etwas durs­tet, wer­den Erin­ne­run­gen wie­der gebo­ren, unver­meid­bar als Fik­ti­on und Geis­ter. Es könn­te auch sein, dass die Men­schen von den Orten erträumt wer­den. Schließ­lich hat nie­mand von uns gese­hen, was die Fel­sen und der Hafen im Mar­seil­le der 40er gese­hen haben. Du schreibst von sich ver­feh­len­den Orten – ich fra­ge mich, was sie so wer­den ließ? Wie du schreibst, ist es unglaub­lich schwie­rig die­se Bezie­hun­gen zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart, Leben und Tod, Ort und Nicht-Ort zu fil­men. Es geht dabei um die gan­ze Welt, aber zugleich gibt es die­se gar nicht mehr, also um was könn­te es gehen? In mir regt sich eine Wahr­neh­mung von Georg und Marie, wie auch von vie­len ande­ren, die sie an einem Faden hän­gen sieht. Es ist aller­dings kein Faden, den man von Mario­net­ten kennt. Es ist als wür­de der Ursprung die­ser Fäden in einem selt­sa­men, wil­den Tanz der Tat, des Unfalls oder Zufalls lie­gen, ein Tanz trun­ken vor Men­schen, die sich gegen­sei­tig erträu­men. Das macht die­se flüch­ti­gen Begeg­nun­gen so beein­dru­ckend – die fas­ri­ge Natur der jewei­li­gen Begeh­ren. Alles könn­te pas­sie­ren. Die Mög­lich­kei­ten sind unend­lich und flüch­tig, weil Pet­zold die Schär­fe zwi­schen die­sen Erträu­men­den ver­la­gert, als wären sie Vor- und Hin­ter­grund des Bil­des. Immer wenn ich an den Film den­ke, sehe ich das Café, in dem wir alle frü­her oder spä­ter sit­zen wer­den, dort wech­seln sie ihre Bli­cke, die vom Her­auf­be­schwö­ren erzäh­len und jeman­den ent­ste­hen las­sen oder sein Ver­schwin­den gemein­sam mit dem Fokus der Kame­ra mani­fes­tie­ren. Anna Seg­hers wagt sich im Buch tie­fer in die indi­vi­du­el­le Erfah­rung hin­ein, tie­fer in die Ver­zweif­lung an der Zeit, aber wel­ches Bild ist ver­zwei­fel­ter und herz­zer­bre­chen­der als ein hoff­nungs­vol­ler Blick? Ja, das ist die Welt und ihre Regeln lie­gen offen für alle. Je frü­her ihre Lava brennt, des­to schnel­ler wer­den wir lau­fen – die Kraft unse­rer Hoff­nung hängt daran.