1962 realisierte Branko Bauer einen dieser starbesetzten Filme aus Jugoslawien, die sich vor allem durch zwei Elemente auszeichnen: Zum einem zeigen sie einen Arbeitsprozess (in diesem Fall den Bau der Autoput Bratstvo i jedinstvo durch Jugendbrigaden), bei dem die Protagonisten zumindest zu Beginn alles daran legen, nicht zu arbeiten. Zum anderen werden Dialoge meist unterbrochen, weil sich wer einmischt oder eine Ablenkung entsteht. Die Unterbrechungen werden nicht über einen Schnitt erzählt, sondern geschehen in einer einzigen Einstellung, ein bisschen wie im Theater, nur dass die Figuren unablässig durcheinander reden, aus dem Bild treten und wieder auftauchen. Es entstehen absichtlich unkonzentrierte Einstellungen des legeren Gewusels, von Chaos und Unzuverlässigkeit. Darin liegt selbstredend auch das subversive Potenzial dieser Filme im Sozialismus, selbst wenn es sich um offensichtliche Propagandafilme handelt wie in diesem Fall. Das Menschliche stellt dich dem Idealismus in den Weg, zumindest bis irgendeine Form der Erkenntnis reift, die die Menschen über sich hinauswachsen lässt. Gleichzeitig aber vermischt Bauer diese Elemente in Prekobrojna mit einer seicht-emanzipatorischen Liebesgeschichte über zwei Landeier gespielt von Milena Dravić (gewissermaßen durchläuft ihre Figur eine Entwicklung von Giulietta Masina zu Ingrid Bergman) und Ljubiša Samardžić als unbeholfenen Casanova. Bemerkenswert ist, dass all dieses arg konstruierte Bemühen um eine Erzählung von Gleichberechtigung, Arbeitsmoral, Würde und Kameradschaft letztlich in ein Schlussbild mündet, das an Chaplin erinnert, den kommunistischsten unter den kapitalistischsten Filmemachern: Ein Lastwagen fährt in die Distanz, die Frau rennt hinterher, in letzter Sekunde gestehen sich die beiden ihre Liebe mit einer Geste und einem Lächeln. Das US-amerikanische Happy End sieht jedoch vor, dass die Liebe alle Hindernisse aus dem Weg räumen kann. Das jugoslawische Happy End tritt dagegen den Beweis an, dass die Liebe sicherlich wartet, wenn die Welt eine bessere geworden ist. Man wird merken, dass es leichter ist, an eine Utopie zu glauben als an zwei. Aber man darf Chaplin nicht unterschätzen. Er hat gezeigt, dass die bessere Welt existiert, sie ist in dieser.

