Please don’t keeks me anymore: That Uncertain Feeling von Ernst Lubitsch

Das Gen­re der Ehe­ko­mö­die ist längst aus­ge­stor­ben, weil die Welt zu absurd ist, um nur über das zu lachen, was man kennt. In That Uncer­tain Fee­ling, einem gemein­hin als min­der ange­se­he­nen, aber so gar nicht min­de­ren Film von Lubit­sch dreht sich alles um eine Ehe­frau, die an chro­ni­schem Schluck­auf lei­det, wahr­schein­lich oder ziem­lich sicher, weil sie unglück­lich ist in ihrer Bezie­hung mit einem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, der gera­de Hals über Kopf in Ver­hand­lun­gen mit Matrat­zen­ver­tre­tern aus Ungarn steckt. Er führt die immer­glei­chen Dia­lo­ge mit ihr, sieht sie nicht an, inter­es­siert sich nur für sei­ne Arbeit und zu allem Über­fluss steckt er ihr immer sei­nen Fin­ger in den Bauch­na­bel und sagt laut „Keeks“. Irgend­wann hält sie es nicht mehr aus, als Möbel­stück zu leben. Die­se Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter gibt es natür­lich zuhauf und immer noch, meist haben sie weni­ger Humor als die­ser hier.

Lubit­sch zeigt hier die erschre­cken­de, aber grau­sam gewöhn­li­che Par­al­le­li­tät zwi­schen Ver­kaufs­ge­sprä­chen und einer Ehe. Er müs­se sich selbst ver­kau­fen, rät ein Arzt oder Anwalt (sie alle ver­kör­pern das­sel­be hier, nen­nen wir es „Bera­ter des Lebens“) dem ver­zwei­fel­ten Ehe­mann, dann wür­de es wie­der klap­pen. Ers­te Vor­bo­ten einer neu­en Selbst­stän­dig­keit, die Ehe als Test­ge­biet des neo­li­be­ra­len Prin­zips, in dem man sich selbst zur Ware erklärt. Der Erfolg, so er sich denn äußert, fin­det hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt, der Mann hat erobert, zurück­ge­won­nen, er erlaubt sich kur­ze Zuckun­gen, ehe er ganz beschei­den nach Außen hin die Con­ten­an­ce bewahrt, sach­lich und toll­pat­schig, Haupt­sa­che nie­mand merkt wie wich­tig die­ser Deal für ihn war. Wer auch immer die Tür hin­ter sich schlie­ßen darf, ist bei Lubit­sch auf der Sei­te des Erfolgs. Das Sub­ver­si­ve am Film ist, dass die Ehe als wei­te­rer Schritt in der Kar­rie­re ent­larvt wird, ein Mei­len­stein, den es zu meis­tern gilt. Die vom Film nie genann­ten Gefüh­le zei­gen sich dann, wenn die Hand­lun­gen nicht mehr der selbst auf­er­leg­ten Logik fol­gen, wenn sie aus­set­zen und ins Irra­tio­na­le driften.

Die Frau jeden­falls lernt im War­te­zim­mer ihres Schluck­auf-Psych­ia­ters einen exzen­tri­schen, welt­ver­nei­nen­den Pia­nis­ten ken­nen und brennt durch, zumin­dest ver­sucht sie das. Nun ist es so, dass sich vie­le Paa­re in den War­te­zim­mern von Psych­ia­tern ken­nen­ler­nen, wahr­schein­lich, weil es dort mit der Con­ten­an­ce beson­ders schwie­rig ist. Es gibt wahr­schein­lich weni­ge Orte, an denen man sich so nackt fühlt. Der Film beweist, dass die ver­dor­bens­ten Fil­me Hol­ly­woods inner­halb des Pro­duc­tion Codes ent­stan­den. Lubit­sch scheint in bei­na­he jeder Sze­ne damit beschäf­tigt, die Gren­zen des­sen aus­zu­lo­ten, was er zei­gen darf; let’s not mix musi­ci­ans and mat­tres­ses, sagt jemand wäh­rend genau das pas­siert. Der musi­ci­an ist ein grim­mi­ger Gesel­le, sei­ne Gefüh­le äußert er in sei­ner Kunst, die natür­lich nichts ande­res ist als Ver­si­che­run­gen oder Matrat­zen. Schei­tert die eine Bezie­hung am Ver­kaufs­geh­abe, zer­bricht die ande­re auch am Dau­er­ge­klim­per; ins­ge­samt wohl dar­an, dass die Egos der Män­ner sich um ihre Beru­fe dre­hen und die Lie­be für sie eine Ver­ei­ni­gung von Beruf und Bewun­de­rung bedeu­ten. Als die Frau ihren ursprüng­li­chen, im Sin­ne des Films eigent­li­chen Mann als mit­tel­mä­ßi­gen Ver­käu­fer bezeich­net, trifft ihn das am Schwersten.

Ein­mal gibt es ein Abend­essen, das der Gat­te für die wich­ti­gen Kun­den aus Ungarn gibt. Er bit­tet sei­ne Frau an der ent­spre­chen­den Stel­le ein lau­tes „Egé­s­zsé­ged­re!“ zum Bes­ten zu geben, was eine Nost­al­gie­ti­ra­de zur Fol­ge hat, in der sich sämt­li­che anwe­sen­de Ungarn ihren Hei­mat­ge­füh­len hin­ge­ben. Mit den Matrat­zen hat es ohne­dies so eine Bewand­nis, ste­hen sie doch zugleich für die Essenz und die Abnut­zung einer Ehe zugleich, das Aben­teu­er und den All­tag, das Lie­be­ma­chen und die Rücken­schmer­zen, die Gebor­gen­heit und die Schlaf­lo­sig­keit. Hin­ter den Bil­dern grinst irgend­wo Lubit­sch, der so leicht erschei­nen lässt, was so schwer ist. Er baut eine Sze­ne auf wie einen gro­ßen, run­den Kuchen. Sobald geklärt ist, was die Zuta­ten des Kuchens sind, beginnt er damit, genüss­lich klei­ne Stü­cke her­aus­zu­schnei­den, immer genau so groß, dass sie auf das Gan­ze schlie­ßen las­sen und ganz gründ­lich, bis nichts mehr übrig bleibt. Im Gegen­satz dazu schei­nen Komö­di­en heu­te nur noch zu wis­sen, wie man den Kuchen in Gesich­ter wirft. Womög­lich war die Ehe­ko­mö­die auch prä­de­sti­niert für das Stu­dio­sys­tem, als das Fil­me­ma­chen einem gewis­sen All­tag folg­te, indem bestimm­te Regel­mä­ßig­kei­ten, so albern sie auch schei­nen mögen, den Ablauf regel­ten. Wahr­schein­li­cher ist aber, dass wir die Ehe heu­te ein­fach nicht mehr Ernst genug neh­men, um dar­über zu lachen.