Viennale 2018: Unsere hohen Lichter

Patrick Holzapfel

8 films (non American)
Ni De Lian by Tsai Ming-liang
Gang-byun Hotel by Hong Sang-soo
Îmi este indi­fe­rent daca în isto­rie vom intra ca bar­ba­ri by Radu Jude
Beo­ning by Lee Chang-dong
I Dia­ri di Ange­la – Noi Due Cine­as­ti by Yer­vant Gia­niki­an & Ange­la Ric­ci Lucchi
Den› Pobe­dy by Ser­gei Loznitsa
Laz­z­aro feli­ce by Ali­ce Rohrwacher
Mues by Dani­el Nehm

wei­te­re Hin­wei­se aus dem Pro­gramm: Gewächs­häu­ser anzün­den, die Kame­ra aus­schal­ten, vor der Kame­ra ein­schla­fen, Agam­ben lesen, mehr über Pflan­zen ler­nen, ein Feu­er im Wald löschen, ins Eis ein­bre­chen, über das Lesen spre­chen, Hun­de ins Welt­all schie­ßen, einen Hub­schrau­ber beob­ach­ten, Sand ins Meer schüt­ten, die Kame­ra ein­schal­ten, Bru­no Dumont ver­mis­sen, im Schnee spa­zie­ren, Sta­lin-Hun­de nicht ins All schie­ßen, sich über zu lau­te Kame­ras auf­re­gen, mehr lesen, mehr schau­en, nackt tan­zen, sich nicht berüh­ren und Rol­len spielen.

Patricks Tex­te

Îmi este indiferent daca în istorie vom intra ca barbari
Ni De Lian
Aquarela
High Life
Le Livre d’Image
The Other Side
I Diari di Angela – Noi Due Cineasti
Drift
Minervini & Rohrwacher

Le livre d'image von Jean-Luc Godard

Andrey Arnold

I wat­ched Bur­ning a second time.

https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​r​w​s​f​e​2​g​t​XqY

Andreys Tex­te

The B‑Film
Aquarela
Angelo
Lazzaro felice
Suspiria
The House that Jack Built
Leto
Allgemeines

Ivana Miloš

Two by Two.

I Dia­ri di Ange­la – Noi Due Cine­as­ti by Yer­vant Gia­niki­an, Ange­la Ric­ci Lucchi

A film as much tes­tim­o­ny as it is water­co­lor dra­wings, map­ping two lives and their paths across the world and its archi­ves. Always in the midst of reinter­pre­ta­ti­on, led by curio­si­ty and a desi­re for work. An infi­ni­te dia­ry brin­ging Yer­vant back from the fla­mes and Ange­la back to life. A work and act of love.

O ter­mó­me­tro de Gali­leu by Tere­sa Villaverde

Tog­e­ther­ness caught in the green gar­den belon­ging to film­ma­ker Toni­no De Ber­nar­di and Mari­el­la, his wife. Sto­ries told over eggs and cheese bought from the neigh­bour, for­got­ten back­packs, grand­child­ren stu­dy­ing and, even more so, lear­ning. Inti­ma­te sto­rytel­ling from the back seat of the car on the way home: a zephyr of recognition.

Îmi este indi­fe­rent daca în isto­rie vom intra ca bar­ba­ri by Radu Jude

How smart and unas­sum­ing, dar­ing and stun­ning, side-split­tingly fun­ny and deep­ly unsett­ling can a sin­gle film be? This is cine­ma doing, in the act of doing, undo­ing and redo­ing. When did we lea­ve off histo­ry? Who remem­bers what we are doing today? And, most important­ly, what does all this go to say?

What You Gon­na Do When the World’s on Fire? by Rober­to Minervini

White fea­thers sur­roun­ding black faces at the Mar­di Gras dance and the New Black Pan­thers, fists held up high in pro­test, deman­ding jus­ti­ce for all, once and for all. Film­ing a world that is not his own, Miner­vi­ni fol­lows Ronal­do and Titus, four­teen and nine years old, as its future. Their games inha­bit and enli­ven the streets, but when they have to head home befo­re dark, a child­hood dream col­lap­ses into reality.

Laz­z­aro feli­ce by Ali­ce Rohrwacher

Laz­z­aro bet­ween worlds, Laz­z­aro as a magi­cal word, Laz­z­aro joi­ning and show­ing us the in(di)visible, Rohr­wa­cher ope­ning up the immense space of cul­tu­re and histo­ry as easi­ly as if it were her back­yard. We draw our huma­ni­ty from the­se waters. Let us plumb them kindly.

Ahlat Ağacı by Nuri Bil­ge Ceylan

Like a long book read befo­re going to bed, a cushion and a house at once, the film wraps its­elf around the pear trees, the land­scape and the apart­ment a fami­ly hides and reve­als its­elf in. Its prot­ago­nist, aspi­ring wri­ter Sinan, petu­lant and aggravating to no end, tri­es his hand at moving us and some­ti­mes succeeds.

Jiang hu er nv by Jia Zhangke

Chi­na evol­ving over years and gen­res, as jiang­hu meets melo­dra­ma and trans­for­ma­ti­ons wait around every cor­ner – it’s just that tho­se cor­ners may be very far apart and time is ano­ther powerful force to be reckon­ed with.

A Land Ima­gi­ned by Yeo Siew Hua

Land recla­ma­ti­on con­tri­bu­tes to the ima­gi­na­ry of a world brought up on its­elf, fee­ding on its­elf and the dark­ness of mul­ti­ple pla­nes of exis­tence. Night­ma­res and dreams con­fi­de in each other in this uni­que stream of a film noir.

More on: Laz­z­aro felice

Rainer Kienböck

Der ers­te Film, den ich auf der Vien­na­le 2018 gese­hen habe war Laz­z­aro Feli­ce von Ali­ce Rohr­wa­cher. Als ich das Gar­ten­bau­ki­no nach der Vor­stel­lung am Don­ners­tag­nach­mit­tag ver­las­sen habe, schoss mir ein Gedan­ken durch den Kopf: „Bes­ser wird es nicht mehr“. Für einen kur­zen Moment dach­te ich mir, es wäre jetzt viel­leicht ange­bracht, die Vien­na­le Vien­na­le sein zu las­sen und ein­fach auf­zu­hö­ren. Denn Rohr­wa­cher hat hier aber­mals einen unglaub­lich dich­ten, betont aber nicht auf­dring­lich poli­ti­schen, und visu­ell her­aus­ra­gen­den Film gemacht. Laz­z­aro Feli­ce ist poe­tisch und magisch, aber zugleich in einer har­schen Lebens­welt ver­an­kert: prä­zi­se Sozi­al­stu­die trifft sur­rea­lis­ti­sche Phan­tas­tik. Und doch fühlt sich die­se Welt, in der so unwirk­li­che Din­ge pas­sie­ren, nie fremd an – eine Eigen­schaft, die schon Rohr­wa­chers Le Mera­vi­g­lie aus­ge­zeich­net hat. Als Eröff­nungs­film für die ers­te Aus­ga­be des Fes­ti­vals unter der neu­en Fes­ti­val­lei­te­rin Eva San­gi­or­gi auf jeden Fall eine aus­ge­zeich­ne­te Wahl.

Ich habe dann nach Laz­z­aro Feli­ce natür­lich doch wei­ter­ge­schaut. Im Nach­hin­ein gese­hen auch die bes­se­re Wahl, denn es gab – wie nicht anders zu erwar­ten – noch eine Men­ge wei­te­rer her­aus­ra­gen­der Fil­me zu sehen. Bereits am Fol­ge­tag war mei­ne The­se, dass es nicht bes­ser wer­den kön­ne, bereits wider­legt. Da wur­de abends näm­lich Ang panahon ng hali­maw von Lav Diaz gezeigt. Es geht, wie so oft bei Diaz, um die phil­ip­pi­ni­sche Mili­tär­dik­ta­tur in den 70er Jah­ren. Man sieht mono­chro­me Auf­nah­men länd­li­cher Gebie­te, in denen die Scher­gen des Regimes ihr Unwe­sen trei­ben und die Zivil­be­völ­ke­rung drang­sa­lie­ren. Lan­ge sta­ti­sche Sze­nen zei­gen den Nie­der­gang einer Grup­pe lose mit­ein­an­der ver­bun­de­ner Men­schen, die Wider­stand aus­üben. Wo Diaz von sei­nen bis­he­ri­gen Fil­men deut­lich abweicht, ist die Insze­nie­rung der Dia­lo­ge – die­se wer­den näm­lich voll­stän­dig als Gesang vor­ge­tra­gen. Damit ist Ang panahon ng hali­maw rein tech­nisch wohl ein Musi­cal. Aller­dings kei­nes der Sor­te Rod­gers und Ham­mer­stein. Son­dern eine düs­te­re Ele­gie auf die dunk­len Sei­ten des mensch­li­chen Zusam­men­le­bens. Was auf den ers­ten Blick betrach­tet eigent­lich zu einer grö­ße­ren Distan­zie­rung zum Gesche­hen füh­ren soll­te, hat­te bei mir den gegen­tei­li­gen Effekt – Ang panahon ng hali­maw hat mich emo­tio­nal stär­ker gepackt, als Diaz‘ bis­he­ri­gen Fil­me. Neben der wie üblich phä­no­me­na­len Bild­ge­stal­tung, hat Lav Diaz nun also bewie­sen, dass er ein äußerst fähi­ger Kom­po­nist und Song­wri­ter ist.

Apro­pos Emo­tio­na­li­tät: Ich hal­te Histoire(s) du ciné­ma von Jean-Luc Godard für ein zen­tra­les Werk der Kunst des 20. Jahr­hun­derts (eine Mei­nung, mit der ich nicht allein daste­he), aber sei­ne monu­men­ta­le Serie funk­tio­niert in ers­ter Linie auf intel­lek­tu­el­ler Ebe­ne. Man erfreut sich an der tota­len Über­for­de­rung des Ver­stan­des, wenn einen Godard mit Bil­dern, Tönen, Wor­ten der Kunst‑, Film‑, Polit­ge­schich­te über­häuft. Le Liv­re d’image ist dem stel­len­wei­se nicht unähn­lich. Auch hier ver­liert sich der Intel­lekt in der Schich­tung der Refe­ren­zen, Fak­ten, Sin­nes­ein­drü­cke. Doch in zumin­dest zwei Punk­ten unter­schei­det sich der neue Film Godards von sei­ner Serie. Einer­seits zie­len sie nicht so sehr auf Zeit­lo­sig­keit ab – die Bil­der und Wor­te in Liv­re d’image haben weit­aus mehr mit der (media­len) Gegen­wart zu tun als in Histoire(s) du ciné­ma und ande­rer­seits grei­fen einen die dazwi­schen­ge­scho­be­nen Schock­bil­der aus die­ser media­len Gegen­wart immer wie­der auf emo­tio­na­ler Ebe­ne an, was dem Intel­lekt eine kur­ze Atem­pau­se gibt. Die ver­stan­des­mä­ßi­ge Über­for­de­rung wird unter­bro­chen durch emo­tio­na­le Über­for­de­rung – eine insze­na­to­ri­sche Stra­te­gie, der ich eine Men­ge abge­win­nen konnte.

Wäh­rend Eva San­gi­or­gi in bes­ter Hurch-Manier ein Best-of des Fes­ti­val­jah­res zusam­men­ge­stellt hat, durf­te sich Haden Guest um die fil­mi­sche Ver­kös­ti­gung der Retro­spek­ti­ven-Besu­cher küm­mern, die tra­di­tio­nell in Zusam­men­ar­beit mit dem Öster­rei­chi­schen Film­mu­se­um statt­fand. Obwohl ich den Groß­teil des Fes­ti­vals damit ver­bracht habe, aktu­el­le Fil­me anzu­se­hen, die es wahr­schein­lich nicht ins regu­lä­re Kino schaf­fen wer­den, blieb den­noch die Zeit für ein paar Besu­che bei der Retro­spek­ti­ve, die sich die­ses Jahr um Hol­ly­wood B‑Filme dreh­te. Wäh­rend man mit die­sem Begriff gemein­hin ästhe­ti­sche Zuschrei­bun­gen ver­bin­det (nied­ri­ge pro­duc­tion values, sicht­ba­re Impro­vi­sa­ti­on, Imper­fek­ti­on), ori­en­tier­te sich Guest eher an einer ande­ren Defi­ni­ti­on des B‑Films. Näm­lich jener der pro­duk­ti­ons­ge­schicht­li­chen Ver­hält­nis­se, in denen die jewei­li­gen Fil­me ent­stan­den. Zu sehen waren folg­lich weni­ger die durch Camp und zele­brier­te Schlam­pig­keit gepräg­ten Fil­me vie­ler Pover­ty Row-Stu­di­os, son­dern in ers­ter Linie die sau­ber, aber beschei­de­ner pro­du­zier­ten Fil­me der gro­ßen Stu­di­os, die damals als Vor­film für die Pres­ti­ge­pro­duk­tio­nen gemacht wur­den. So ist zu erklä­ren, dass es ein Dou­ble Fea­ture bestehend aus Armored Car Rob­be­ry und The Nar­row Mar­gin (bei­de von Richard Flei­scher Anfang der 50er für RKO) ins Pro­gramm geschafft haben. Bei­des sind bis zum Anschlag ver­dich­te­te Film Noirs, die man auch mit dem Ter­mi­nus Thril­ler ver­se­hen könn­te. Kurz zusam­men­ge­fasst: Einer der bes­ten Heist-Fil­me und einer der bes­ten Zug-Fil­me, die ich je gese­hen habe, in einem Dou­ble Fea­ture. Nicht alle Fil­me der Retro­spek­ti­ve konn­ten da mit­hal­ten, aber glück­li­cher­wei­se läuft die Wie­der­ho­lung der Schau ja noch bis Anfang Dezem­ber wei­ter, sodass man noch ein paar mehr Ent­de­ckun­gen machen kann.

Rai­ners Texte

Diamantino
Her Smell
Roi Soleil
Alice T.

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