Ver­such eines Fes­ti­vals (wie es ein­mal war): Neh­me mir vor zu notie­ren, was mir wider­fährt, ohne Rück­sicht auf das Kino, das heißt so, dass ich mei­ne Wahr­neh­mung nicht ein­schrän­ke auf das, was in den Fil­men vor sich geht. Fra­ge mich selbst, ob es mehr Kino oder Nicht-Kino geben wird auf die­sen Seiten.

Das Nicht-Kino ist ein Ort, an dem man auch nicht sicher ist vor fal­schen Bildern.

Mir fällt auf, dass ich mit Joan­na Hoggs Fes­ti­val­trai­ler Awa­ke­ning nichts anfan­gen kann. Das auf­ge­setz­te Sound­de­sign ver­hin­dert gera­de, dass ich «die Welt da drau­ßen» wahr­neh­men kann, wie das kur­ze, didak­ti­sche Video das von mir ein­zu­for­dern scheint. Fra­ge mich all­ge­mein, ob das Kon­zept von Fes­ti­val­trai­lern sich nicht lang­sam erschöpft hat. Für wen sind sie?

Ich will nicht auf­wa­chen, soll­te ich schla­fen. (Nach­richt an mei­nen Wecker)

Der­zeit wird mit gro­ßer Vor­lie­be Ber­tolt Brechts Gedicht an die Nach­ge­bo­re­nen zitiert. Ich emp­feh­le dage­gen­hal­tend jenes von Zbgi­niew Her­bert über die fünf Män­ner, die gegen die Wand gestellt wer­den. Der betro­ge­nen Welt eine Rose anbie­ten. Das kön­ne die Lyrik, schreibt der Dich­ter dar­in. Auf sei­ne Art sagt Brecht das auch, er wird nur anders ver­stan­den. Jeden­falls ist das mit der vor dem Fens­ter tosen­den Wirk­lich­keit im Ver­hält­nis zur hei­me­lig dahin­äs­the­ti­sie­ren­den Kunst ein für mich nicht nach­voll­zieh­ba­rer, sogar ein kunst­feind­li­cher Gedan­ke. Als wäre es nicht nötig, eine bes­se­re Welt zu schaffen.

Die Ring­stra­ße ist uner­träg­lich gewor­den. Es tum­meln sich mehr Men­schen dort als je zuvor. Nie­mand ach­tet auf den nächs­ten. Lei­der befin­den sich die Kinos des Fes­ti­vals ent­lang die­ser Stra­ße. Ich ahne, dass ich auf Fil­me ver­zich­ten wer­de, nur damit ich mich nicht so oft ent­lang die­ser Stra­ße bewe­gen muss.

Eini­ge Fil­me, die die­ses Jahr gezeigt wer­den, habe ich schon gese­hen. Eigent­lich sind es recht vie­le. An man­che den­ke ich mehr (Fan­tai­sie von Isa­bel Pagli­ai, Sin­ce­ro, Apaixo­na­do von Raúl Dom­in­gues und Mar­gaux Dau­by, Ecce Mole von Heinz Emig­holz), an ande­re weni­ger (Dra­cu­la von Radu Jude, Sor­ry, Baby von Eva Vic­tor). Bei man­chen bin ich mir nicht sicher, ob ich oft an sie den­ke. Ich den­ke an Jean Epstein.

Die Vor­stel­lung, dass ich mich in den kom­men­den Tagen statt ins Kino auch in den Wald bege­ben könn­te, macht mich zögerlich.