Jia Zhang-ke und Paul Tho­mas Ander­son benut­zen Droh­nen auf der Vien­na­le. Ist es alt­mo­disch, unzeit­ge­mäß oder ver­klemmt, wenn man damit Pro­ble­me hat? Schließ­lich wird sie von bei­den Fil­me­ma­chern im Sinn einer ent­fes­sel­ten Kame­ra benutzt, die den Raum in einer Bewe­gung dyna­mi­sie­ren kann. Ähn­li­ches hät­te man viel­leicht den­ken kön­nen, als man in den 1920ern Der letz­te Mann von F.W. Mur­nau gese­hen hat. Es ist ja eigent­lich nur eine Fort­füh­rung der Beweg­lich­keit wie es auch Schie­nen oder die Ste­ady­cam waren. Dabei muss man sagen, dass Ander­son in sei­nem Jun­un deut­lich unüber­leg­ter mit dem tech­ni­schem Mit­tel arbei­tet, als Zhang-ke in sei­nem The Hedo­nists. Der chi­ne­si­sche Fil­me­ma­cher erzählt durch das immer wäh­ren­de Abhe­ben und Sen­ken noch etwas über das Ver­hält­nis von Gesell­schaft, Archi­tek­tur und Geo­gra­phie und das Auf­ein­an­der­tref­fen von Kapi­ta­lis­mus und Tra­di­ti­on in Chi­na, wäh­rend Ander­son irgend­et­was Musi­ka­li­sches damit machen möch­te, was ihm kaum gelingt.

Was mich dar­an stört ist, dass es sich um Gim­micks han­delt. Ein Effekt ohne Wir­kung. Der Ein­satz die­ses Mit­tels macht nicht nur wegen sei­ner rela­ti­ven Neu­heit im Kino auf sich auf­merk­sam, son­dern auch durch die Bewe­gung an sich. Die Droh­ne ist ver­wandt mit einer Kran­fahrt oder einer Ein­stel­lung aus dem Hub­schrau­ber. Ein Money-Shot. Nun mag man zurecht ent­ge­gen­hal­ten, dass man eine Kran­fahrt auch gut oder schlecht ein­set­zen kann, so wie jedes Stil­mit­tel. Aber irgend­was mit die­sen Droh­nen irri­tiert mich. Viel­leicht ist es ihre Nähe zur Über­wa­chung, zum Krieg. Viel­leicht gehö­ren sie des­halb sogar ins Kino. Über­wacht das Kino? Führt es Krieg? Viel­leicht. Aber das Kino soll­te eher erwa­chen oder nur wachen, auf­we­cken. Wen wür­de das Kino denn über­wa­chen? Wahr­schein­lich das Geld, das in die­se bei­den Auf­trags­ar­bei­ten gesteckt wur­de. Es ist ein schma­ler Grad zwi­schen der Lust am Expe­ri­ment, der tech­ni­schen Inno­va­ti­on und dem Spon­so­ring. Das Kino eben, immer bei­des zugleich. Eine erwa­chen­de Überwachung.

Junun

In bei­den Fil­men erschließt sich mir nicht ganz, wes­halb mit Droh­nen gefilmt wur­de. Viel­leicht muss man Selbst­ge­nüg­sam­keit auch ein­fach akzep­tie­ren, wenn sie inter­es­san­te bis schö­ne Ergeb­nis­se lie­fert. Viel­leicht aber auch auf kei­nen Fall. Es ist jeden­falls auf­fal­lend, dass ein Fil­me­ma­cher wie Ozu, der am ers­ten Abend des Fes­ti­vals im Film­mu­se­um mit zwei Arbei­ten gezeigt wur­de, mehr mit einem Raum machen kann, wenn er die Kame­ra nicht bewegt, als die­se respek­ta­blen Fil­me­ma­cher, wenn sie wir ver­rückt mit Droh­nen durch die Gegend flie­gen. Was der Droh­ne näm­lich abgeht, ist eine kon­zen­trier­te Per­spek­ti­ve. Sie ist (noch) zu sehr in ihrer Beweg­lich­keit gefan­gen, die nach innen gerich­tet scheint. Es fehlt ihrer Bewe­gung im Ver­gleich zur Schie­nen­fahrt auch noch an Rhyth­mus. Das liegt auch am feh­len­den Wider­stand. Im Kino ist es – im Ver­gleich zur Wer­bung – wich­tig, dass das Bild in sei­ner Ent­ste­hung einem Wider­stand begeg­net. Es gibt kein Kino ohne die­se Wider­stän­de. Es gibt kei­ne Bil­der ohne die­se. Nur die Ten­denz seit der Digi­ta­li­sie­rung weißt ins exak­te Gegen­teil: Luft­bil­der, im wahrs­ten Sin­ne des Wortes.