Die Kiefern auf der Halbinsel Prniba sind von weißem Schaum bedeckt. Ihre schwarze Borke sieht aus, als wären sämtliche Sterne zugleich am Nachthimmel explodiert. Von der steinigen Erde bis zur Krone, vom Stamm bis zur Spitze der über die auslaufenden Wellen ragenden Äste ist alles von weißem Gesprenkel durchsetzt. Als wir zurückkehrten, hast du nachgesehen, um was es sich dabei handeln könnte. Einen Pilz? Wollläuse?
Vielleicht ist es Meerschaum, habe ich gesagt.
Wohl kaum, hast du gesagt.
Ich habe mich nicht getraut, die an der Rinde klebenden Schleimfetzen zu berühren. Rötlich durchschimmernde, larvenartige Blasen schlüpften aus dem Schaumigen. In der Sonne sahen sie aus, als würden sie zerfließen. Im Schatten sahen sie aus wie Eis.
Vielleicht sind das Harztropfen, habe ich gesagt.
Vielleicht sind es Würmer, habe ich gesagt.
So etwas sieht man und dann denkt man an Krankheiten, habe ich gesagt und du hast stumm genickt und bemerkt, dass auch der ganze Boden von diesem weißen Schaum bedeckt war.
So etwas sieht man und kann es sich nicht erklären.
Schaum war in den Nischen der alten Trockensteinmauern, von denen man sagt, dass sie vor hunderten Jahren bis zur kleinen Insel führten, auf der die Franziskaner leben. Schaum war auf den Veilchen, von denen es so viele gibt dieses Jahr. Schaum war auf dem Müll, den das Meer hier anspült. Schaum wehte im Wind durch die Luft. Aber es ist kein Schaum. Ich weiß nicht, was es ist. Du sitzt da und schaust, ob du etwas finden kannst, eine Nachricht über das Sterben der Bäume im Kvarner. Einen schlimmen Pilz, der alles zerfrisst. Eine von Menschen verschuldete Katastrophe. Die vergiftete Adria. Auf eine solche Nachricht zu stoßen, würde uns nicht überraschen. Wir sind daran gewohnt. Wenn man hier spazieren geht, lernt man, durch die Schicht zu sehen, mit der die Menschen alles bedecken. Die Rinde unter dem Schleim. Aber du findest nur Beschreibungen von Wanderrouten. Kilometerzahlen. Schöne Badeplätze im Schatten der Bäume.
Wir sind einmal um die ganze Halbinsel gegangen. Eigentlich waren wir gekommen, um leichter zu werden.
So macht man das, habe ich gelesen. Man macht sich leicht und göttlich, um sich besser zu fühlen, wenn man zurück in die Schwere fällt. Du suchst nach dem Pilz, aber findest nur Texte über die Leichtigkeit des Seins.
Gelber Blütenstaub sammelte sich in Pfützen. Die Blätter in den Olivenhainen schimmerten silbrig vor dem sich verdunkelnden Himmel. Ein verrostetes Schild hat das Schwimmen verboten, weil an dieser Stelle ein U‑Boot abtauchen würde, um Touristen eine submarine Erfahrung zu bieten.
Um was es sich wohl bei diesem Schaum handelt?, habe ich gefragt und du hast die Krähe bemerkt, die auf einem Felsen saß und seltsam reglos ins Meer starrte wie in einem dieser symbolistischen Gedichte, die man am Mediterran bis heute schätzt, weil sie einem dort wirklich aus dem Gelände entgegentreten und man weiß, dass die überhöhten Bilder des Unkens letztlich nur dabei helfen können, ein wenig Sinn zu finden inmitten der unvermeidlichen Strapazen, die alle befällt, die dem Wind und den Gezeiten mit einer falschen Leichtigkeit entgegentreten wollen.

