Auf der Suche nach einem versteckten Lächeln

Was ist an Danièl­le Huil­let und Jean-Marie Straub komisch? Wo liegt ein Humor in Où gît vot­re souri­re enfoui? und 6 Baga­te­las von Pedro Cos­ta? Fragt man nach einem sub­ti­len, einem oft auch unein­deu­ti­gen Zustand des Amü­siert seins, muss man ver­su­chen Lächeln zu ver­ste­hen. Ein Lächeln ist unent­schie­den, ambi­va­lent – nicht sicher ob das zu Belä­cheln­de wirk­lich einen gro­ßen Lacher ver­dient oder ob das, was einen zum Lächeln bringt nicht doch eher tra­gisch als komisch ist. Das Unent­schlos­se­ne ist eine Qua­li­tät des Lächelns.

Das dem Film namens­ge­ben­de „ver­steck­te Lächeln“ fin­den Straub und Huil­let im Gesicht ihres Schau­spie­lers Gian­ni Bus­ca­ri­no. Für Huil­let nur ein Glanz in den Augen, sieht Straub das Lächeln im Ent­ste­hen, ein Pro­zess mit „sub­ti­ler Psy­cho­lo­gie“. Eine Prä­senz des noch-nicht, aber fast. Die ergibt sich für Bei­de in der Mon­ta­ge – im Dazwi­schen der Schnit­te. Für Straub und Huil­let, dies zeigt Cos­tas Film von Beginn an, muss Kino das unab­hän­gi­ge, freie und vor allem kom­pro­miss­lo­se Arbei­ten mit Bil­dern bedeu­ten. Eine Tra­di­ti­on der sich auch Pedro Cos­ta ver­pflich­tet fühlt und von wel­cher sei­ne Hom­mage an das Fil­me­ma­cher­paar erzählt.

In die­ser Arbeits­wei­se, wel­che bei­de Fil­me ganz beson­ders schön anhand dem Vor- und Zurück am Schnei­de­tisch in der Arbeit zum Film Sici­lia! her­aus­stel­len, liegt etwas Poli­ti­sches, die Anord­nung und Neu­an­ord­nung des Rea­len und sei­ner Abdrü­cke. Das Radi­ka­le von Straub/​Huillet, die Här­te und Unnach­gie­big­keit mit wel­cher Sie ihre Mate­ria­len – den Film, wie die Rea­li­tät – beur­tei­len und bear­bei­ten, fas­zi­niert und bestimmt ihr Schaf­fen. Weder das Fest­hal­ten an der gar nicht all­zu ver­werf­li­chen Idee des Kom­mu­nis­mus sei­tens Straubs noch sei­ne Exzen­trik, son­dern die Hal­tung mit wel­cher das Paar Fil­me dre­hen, mar­kiert das Poli­ti­sche. Ein Behar­ren auf die klei­nen und gro­ßen Uto­pien oder wie Straub vor­schlägt, „in einer Zeit des Ver­rats, ein wenig an Treue zu gemahnen.“

Das die­se Hal­tung auch Humor in sich trägt, hat jedoch nichts mit einer Unfrei­wil­lig­keit zu tun. Auch wenn Pedro Cos­ta den Film als eine Komö­die ver­steht, die maß­geb­lich von den Dis­kus­sio­nen des Paa­res lebt – ist die­se Komö­die kei­ne Zur­schau­stel­lung. Die Gefahr des unfrei­wil­lig Komi­schen ist, dass man über jeman­den lacht. Im Lächeln über beraubt man jeman­den sei­ner Ernst­haf­tig­keit. Über­zeu­gun­gen und Über­zeu­gungs­kraft ver­wir­ken sich hier. Eine wei­te­re Gefahr des Lächer­li­chen ist das Unver­ständ­nis. Man kann nicht nur etwas unfrei­wil­lig Komi­sches beob­ach­ten und dar­über lächeln, son­dern selbst unfrei­wil­lig Lächeln – nun aber eher aus Ver­le­gen­heit – aus der unan­ge­neh­men Situa­ti­on her­aus nicht zu ver­ste­hen. Eine all­zu typi­sche Kinosituation.

Das Lächeln, wel­ches Straub und Huil­let her­vor­ru­fen, ist jedoch selbst­be­wusst. Ein treu­es Lächeln, dass sich durch eine Kom­pli­zen­schaft vor der von Bei­den in Sze­ne gesetz­ten Komik ergibt. Die Anwe­sen­heit Pedro Cos­tas ist spür­bar – er wirkt als Drit­ter, als direk­ter Abneh­mer des Schau­spiels, wel­ches Huil­let und Straub dar­le­gen. Schau­spiel jedoch nicht als ein um eine Rol­le bemüh­tes und ent­wor­fe­nes Abbild von sich als Fil­me­ma­cher­paar, son­dern Schau­spiel als tat­säch­li­cher Abdruck des Cha­rak­ters wie einer Arbeits­wei­se. Straub und Huil­let sind so wie sie sich spie­len und Mei­nen das was Sie sagen. Zwi­schen Film und Sein passt kei­ne sich distan­zie­ren­de Iro­nie. Das ist der Glau­ben den man Bei­den schen­ken muss, um Sie belä­cheln zu dürfen.

Où gît vot­re souri­re enfoui? und 6 Baga­te­las am Diens­tag, 18. Febru­ar um 20:15 im Film­haus am Spittelberg.