Die Blut­bu­che am Inva­li­den­fried­hof bedeckt sich mit ihren eige­nen Schat­ten. Glück­lich wer sich so selbst küh­len kann! Auf der asch­grau­en Rin­de tan­zen die Pro­jek­tio­nen von Schat­ten­blät­tern in der som­mer­li­chen Bri­se, Käfer ducken sich, weil sie nicht unter­schei­den zwi­schen einer Sache und dem, was sich hin­ter einer Sache vom Licht ver­steckt. Ich war­te auf dich, bin zu früh. Jetzt wird etwas gesche­hen, das glau­be ich zu wis­sen. Es geschieht immer was, wenn ich auf dich warte.

Aber nichts. Ein­zig das sanf­te Rascheln eines Som­mers, der sich nur schüch­tern zeigt. Schla­fen­de Gene­rä­le, preus­si­sche Ruhe, ver­schmutz­te Pos­ta­men­te. Die Spree hat sich längst dar­an gewöhnt, durch die Geschich­te zu flie­ßen. Eini­ge Men­schen lesen die Schil­der am Fried­hof, um zu ver­ste­hen, wo sie ste­hen. Sie lesen, dass hier Men­schen zwi­schen den Toten erschos­sen wur­den. Sie lesen das und dann gehen sie wei­ter. Ich ver­ste­he nie, wo ich ste­he. Ich ver­ges­se den Raum, wenn ich war­te. Es will mir nicht in den Kopf: Wenn du hier gleich auf­kreu­zen wirst, wie kann es dann sein, dass es die­sen Ort schon so lan­ge gibt?

Ich gehe über das erd­durch­tränk­te Gras, Hun­de ren­nen zwi­schen den Sand­stein­grä­bern, sie haben kur­zes wei­ßes Fell und kei­nen Respekt vor der letz­ten Ruhe. Wozu auch? Wenn ich an sol­chen Orten war­te, den­ke ich manch­mal, wie schön es doch wäre, du wärst auch schon hier und wir wür­den bei­de war­ten, ohne ein­an­der zu sehen.