Friaulische Kassiber: Der Hund im Garten

In Faga­gna lebt ein Hund in einem recht­ecki­gen Gar­ten. Um die­sen Gar­ten sind ande­re recht­ecki­ge Gär­ten, die kaum einer betritt, außer ein alter Mann, der manch­mal ver­wirrt nach den Toma­ten­sa­men in der Erde sucht, die er zu früh aus­ge­setzt hat. Die­se Gär­ten sind ange­ord­net wie die Fel­der eines Schach­bretts und der Hund befin­det sich allein in der Mit­te. Er hat eine klei­ne Hüt­te, in der er sich zurück­zie­hen kann. Im Gar­ten wach­sen außer­dem zwei Obst­bäu­me, die Schat­ten spen­den. Nichts wei­ter ist dort. Eine platt­ge­tre­te­ne Wie­se und der Hund. Er hat lan­ges, röt­li­ches Fell. Es sind hun­dert Meter bis zum nächs­ten Haus. Nie­mand kommt zu ihm. Ein­zig eine Frau bringt ihm jeden Abend Fut­ter, aber sie spricht nicht mit dem Hund. Sie kommt und geht, ist immer in Eile. Alles in allem dau­ert ihr Besuch zehn Sekun­den, es sind die glück­lichs­ten Momen­te eines jeden Tages für den Hund. Auch der alte Mann im Nach­bar­gar­ten schaut ihn nicht an, wenn er nach sei­nen Samen gräbt. Nur wir sehen ihn von unse­rem Fens­ter aus.

Wir haben gese­hen, wie die­ser Hund tag­ein, tag­aus am Zaun steht, um in die Fer­ne zu bel­len. Das ist nicht unge­wöhn­lich in Faga­gna, die Men­schen hal­ten ihre Hun­de im Gar­ten. Aber kei­ner ist so weit weg vom Haus wie die­ser. Kei­ner ist so allein. Manch­mal hält er inne, um auf eine Ant­wort zu war­ten, aber die bleibt aus. Er lässt sei­ne Ohren hän­gen. Wenn es reg­net, legt er sich in die Wie­se, als wäre ihm alles egal. Irgend­wann lan­de­te eine Els­ter in einem der Obst­bäu­me. Der Hund betrach­te­te sie mit gro­ßen Augen. Du dach­test, er wür­de von ihr das Flie­gen ler­nen wol­len. Aber als sie davon­flog, blieb er wei­ter in sei­nem Gar­ten und bellte.

In wel­chem Kreis der Höl­le sind wir? Wel­cher Sün­de hat sich die­ser Hund in sei­nem welt­li­chen Leben schul­dig gemacht? Ver­gil zuckt mit den Schul­tern. Nicht alles lässt sich erklä­ren. Der Hund bellt. Ich hal­te das kaum aus. In sei­nem Bel­len steckt jeden Tag die glei­che Hoff­nung, sagst du. Sein Bel­len ver­än­dert sich nicht. Es gibt kei­ne Ver­zweif­lung und kein Ver­za­gen in sei­nen Rufen. Er glaubt jeden Tag dar­an, dass sich alles ändern könn­te, aber nichts ändert sich. Ich hal­te das kaum aus.

Aber ich weiß nicht, was in die­sem Hund vor sich geht. Viel­leicht ist er glück­lich. Es könn­te sein, sagst du, dass er stän­dig mit allen ande­ren Hun­den in Faga­gna im Aus­tausch ist. Ich zucke mit den Schul­tern und nen­ne den Hund Dan­te. Wenn er unter einem der Obst­bäu­me schläft, sieht er aus, als wäre er im Para­dies. All’alta fan­ta­sia qui man­cò possa.