Text: Urs Kamber
Um die Bilder wiederzufinden, mussten sie erst verschüttet werden. Auf einer Wüsteninsel stehen weiße Mauerreste, die Ruinen einer Stadt, wie verkalkte Tropfsteingebilde, und man möchte all jene anderen Städten darin wiedererkennen, deren Bilder der Zerstörung um die Welt gingen und gehen. Noch nicht ganz dem Boden, aber der Vergangenheit gleichgemacht.
Wie ein göttlicher Blick kreist die Kamera in der Luft, bevor das Bild überblendet auf ebene Erde. Lange Schwenks tasten die Ruinen auf ihre Vergangenheit ab, als sie zur Stadt namens Suakin gehörten, florierender Handel vor der Küste Sudans.
Die Bilder finden den Wiederglanz des Lichts auf der Wasseroberfläche, und die flimmernde Luft am Strand. Zwei Kamele (oder dasselbe Dromedar zweimal) laufen durchs Bild, mit leichter Verzögerung überblendet, als wäre das Auge langsam vor Hitze.
Stets ist rezitativer Gesang zu hören, hypnotisch, melancholisch, ein Brummen unter der Erdoberfläche. Die Kamera ertastet die Schriftzeichen, die die Wände und Fensterstürze zieren.
Verschiedentlich regt sich hartnäckiges Leben in den Ruinen: ein Skorpion, der durch den Sand krabbelt, oder ein Gesicht – von fern in einem Fenster erblickt, mit einem Zoom wie ein Peitschenschlag herangerückt – das schmerzverzerrt himmelwärts blickt. Eine Gruppe Menschen, (Derwische?) im Kreis tanzend. Ein Mann in weißem Gewand und Fez, der eine Standarte mit türkischer Flagge mit sich führt, kurze Zeit später findet die Kamera ihn wieder, staubbedeckt unter Trümmern liegend. Und dann der Tross verschleppter Sklaven, in Ketten auf die ungewisse Zukunft harrend.
In solchen Szenen wird die lange und unheilvolle Geschichte der zerstörten Stadt heraufbeschworen. Bisweilen wird sie in hermetischer Metaphorik verklärt, wie in jener Einstellung, in der ein Segelboot zwischen den Knien einer liegenden nackten Frau im Wasser Kurs auf sie zunimmt.
Die Tochter des Regisseurs erzählt, wie gerührt sie war vom neuen Glanz der Restaurierung; diese entstand im Rahmen der Lehrausbildung junger RestaurateurInnen des Cimatheque – Alternative Film Centre in Kairo. Für den Film ist die Zukunft damit vorerst gesichert.

