»Pourquoi personne ne veut m’aimer!?« Schwarze quadratische Lettern mit weißen Rändern kleben eng aneinander gedrängt am oberen Drittel einer Hauswand. Hier, unweit des Cours Julien, promenieren verschwitzte Füße die Straße entlang, geblendete Augen richten sich nach vorne oder unten, manche huschen auch nach oben. Zwischen ihnen eine dichte Hitze, die so manchen Kopf, verliebt, liebend oder melancholisch, schwirren lässt. Wie auf eine Leinwand projiziert, starrt die Anklage vom Haus auf ihr Publikum herab. Ja, pourquoi?
Der Enttäuschung Raum geben, sie über den Gassen schweben lassen. Die ganze Stadt soll von deiner Enttäuschung erfahren und du bleibst anonym. Vielleicht haben diese Worte deine verärgerte Seele erleichtert. Womöglich hat dich danach trotzdem jemand geliebt, une personne ou deux. Wirst du dann die Schrift übermalen?
Und wo soll die Antwort hin, wenn jemand eine weiß?
Eine Schrift wie aus einem Kinofilm, der nicht auf der Leinwand flirrt, um Gedanken zu glätten, sondern um sein Publikum aufhorchen zu lassen. Aber nur wenige schenken ihm Aufmerksamkeit.
Eine Frau in kurzen Hosen flaniert vorbei, sie starrt auf eine Auslage mit Viennoiserie. Auf ihrem linken Unterschenkel ist in geschwungenen Lettern »Amour« tätowiert. Die Liebe geht ihre eigenen Wege, sie geht und kommt auch wieder.

