Zwei oder höchstens drei Monate haben wir unserer Inspiration gegeben, als wir uns mit ein paar von der Reise zerfledderten Büchern, die wir schon zu lange lesen wollten, und einer erratischen Auswahl an Schokolade und Weinen unter die zur Heizung umfunktionierte Klimaanlage im Haus auf der Insel legten, um wer weiß was für unfertigen Gedanken nachzuhängen. Du hast vom Abendlicht im Kvarner geschwärmt, auf das du den ganzen Tag zwischen den Vorhängen gewartet hast und ich habe zum ersten Mal bemerkt, dass meine Fingernägel unterschiedliche Farben haben. Wir hätten Jazz hören sollen oder die Aufnahmen, die Carlos uns geschickt hat, von Vögeln in einem Feld, aber stattdessen meinten wir, in der selbstauferlegten Stille, so etwas wie eine Wahrheit zu finden.
Später hat uns eine graue Katze mit einem runzligen Fell besucht, sie stand vor der Tür und du hast sie gestreichelt und mit ihr gesprochen, als wäre sie ein Orakel, aber sie hat nicht zurückmiaut, gar keinen Laut von sich gegeben, nur ein bisschen gezittert, ich glaube das war, weil eine dicke Zecke über ihrem linken Auge zu platzen drohte. Erstaunlich, wie die Probleme der Tiere so viel nachvollziehbarer sind, als unser ermüdendes Streben nach ein paar Gesten und ein bisschen Schönheit. Ich habe die Katze nicht weiter beachtet, war ganz vertieft in einen Text über eine Versammlung von Hunden auf Knossos, die in Ketten gelegt werden, um den Mond anzubellen.
Du hast gesagt, dass wir raus müssen, damit die Inspiration, während wir nicht da sind, ins Haus schleichen kann, sie sei schlau, hast du gemeint, oder war es scheu, ich denke das macht keinen Unterschied. Irgendwann hast du angefangen, zu telefonieren, du hast mit allen telefoniert, die du kennst und deine Geschichten an ihnen ausprobiert, manche von ihnen haben gelacht und andere haben nichts gesagt.
Die Tage sind vergangen, wir haben Filme gesehen, von denen uns nichts bleiben wird, außer ein weiterer Fleck auf der Pupille. Die Inspiration zeigte sich nicht, da kann man nichts machen. Manchmal verbringen Jäger ganze Wochen im Wald und finden kein Wild, sie kehren dann heim und fragen sich nach einer schlaflosen Nacht, ob sie ihren Beruf verfehlt haben oder ob das Wild ausgestorben ist oder ob es nur ein schlechter Moment ist, eine Phase, die vorübergeht. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich vorkommt. Die Inspiration, sagtest du schließlich, die gäbe es gar nicht, man müsse einfach beginnen und dann hast du die Katze gemalt, die auf deinem Bild aussieht wie ein Orakel.

