Lie­be Julianne,

ich habe dich gese­hen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gese­hen hast. Du stan­dest ziem­lich auf­ge­löst in einer Apo­the­ke und hast auf dei­ne Tablet­ten gewar­tet. Es schien dir nicht gut zu gehen, ich habe mir Sor­gen gemacht. Dann woll­te dir der Typ die Tablet­ten nicht geben. Er hat dir dum­me Fra­gen gestellt. Ich habe ande­re Fra­gen an dich: Wie kann man so schön wei­nen? Wie kann man so schön lachen? Sie haben mal über dich gesagt, dass dein Lachen immer auch ein Wei­nen und dein Wei­nen immer auch ein Lachen ist. Das stimmt. Viel­leicht nimmst du des­halb so vie­le Tablet­ten? Ich mei­ne, ich habe gehört wie du dei­ner Haus­häl­te­rin gesagt hast, wel­che Tablet­ten sie kau­fen soll, du hast gar nicht mehr auf­ge­hört irgend­wel­che Pil­len zu nen­nen. Aber du singst sogar, wenn du nicht bei Bewusst­sein bist, weil dein Herz stär­ker pocht als dei­ne Betäu­bungs­sucht.Crying Light­ning Daze

Julianne Moore in Magnolia Julianne Moore in Magnolia Julianne Moore in Magnolia

Viel­leicht brauchst du des­halb auch die gan­zen Tablet­ten, weil sonst die gan­ze Welt von dei­nen Emo­tio­nen über­rannt wer­den wür­de. Wenn du kei­ne Tablet­ten nimmst, dann ziehst du dir nackt, mit dei­ner sinn­li­chen Hin­ga­be, dei­ner voll­ende­ten Weib­lich­keit Koka­in durch dein zit­tern­des Nasen­loch und du siehst gut dabei aus. Ich will vor mei­nem letz­ten Tag durch die Nacht mit dir tan­zen und mich mit dir betrin­ken. Die Blu­men an dei­ner Veran­da wech­seln ihre Far­be, wenn ich sie betrach­te, das Laub weht im Herbst um dei­ne inne­re Ein­sam­keit, ach dei­ne roten Hand­schu­he. Ich will dein Gärt­ner sein. Du magst Gärt­ner, Chauf­feu­re oder Kell­ner. Aber noch lie­ber magst du Frau­en. Ich habe dich mit ihnen lachen und wei­nen sehen, mit ihnen schla­fen, ich habe dei­ne Sehn­sucht auf­blit­zen sehen in kur­zen Momen­ten des Glücks oder der Hoff­nung mit ihnen. Ich kann kei­ne Frau für dich sein, aber ich würde.

A Single Man von Tom Ford
A Sin­gle Man
Julianne Moore in A Single Man
de
Julianne Moore in A Single Man
Tom Ford

Nie­mand kann ein Sekt­glas so hal­ten wie du, so ele­gant und doch immer kurz vor dem Fal­len. Du scheinst mehr zu wis­sen als die Welt. Es scheint als kön­ne man dich immer auf­su­chen, wenn man nicht mehr wei­ter weiß, du nimmst einem dann in dei­ne wei­chen Arme und beru­higst, obwohl du doch selbst lei­dest und schaffst es, dass man sich völ­lig in dir ver­lie­ren kann.

Wenn ich mit dir schla­fe, will ich, dass wir es vor der Kame­ra tun. Ich hof­fe, dass ich in dir kom­men kann, weil ich der ein­zi­ge Mann bin, mit dem du einen Tisch­ten­nis­ball von Mund zu Mund schie­ßen kannst und wie­der zurück. Viel­leicht kannst du auch so Lachen wie du lachst, wenn du einer Kon­kur­ren­tin ins Gesicht lachst oder vor dei­nen Freun­din­nen ver­ber­gen willst, was wirk­lich in dir vor­geht, weil du vol­ler Reue bist. Nie­mand scheint dich dei­ne Gefüh­le aus­le­ben zu las­sen, nie­mand will sich dar­auf ein­las­sen. Ich will. Ich habe nie so eine schmer­zen­de Schön­heit in der Ver­gan­gen­heit einer Per­son gese­hen wie bei dir. Du bist eine Geschich­te. Boo­gie Nights with you…

Dirk Diggler Boogie Nights von Paul Thomas Anderson Boogie Nights von Paul Thomas Anderson

Ich habe gese­hen wie du Men­schen Lie­be bei­gebracht hast, wie du ihnen den gro­ßen Trost der Zärt­lich­keit offen­bart hast. Dann bist du immer die ein­zi­ge Sehen­de unter lau­ter Blin­den und ich will, dass ich mit dir Sehen kann oder du mit mir erblin­dest. Dann kön­nen wir ans Ende der Welt gehen, dort wo es viel­leicht noch Dino­sau­ri­er gibt und wir kön­nen uns über Bob Dylan unter­hal­ten bis ich für eine Nah­auf­nah­me noch ein­mal kom­men muss.

Ich ver­ste­he gar nicht, war­um du dich so oft als Frau ver­klei­dest, die es schon gege­ben hat. Viel­leicht brauchst du das als Schutz vor dei­ner eige­nen Güte? Aber du scheinst eigent­lich kei­ne Angst zu haben. Du gestehst dir alles ein und man hat immer das Gefühl ein Stück von dei­ner See­le zu sehen, im Lachen, im Wei­nen, im Reden, in dei­ner Bewe­gung. Du bist unver­stellt, selbst wenn du dich ver­stellt und ich glau­be, des­halb schrei­be ich dir. Wenn du weinst, dann weinst du immer über und mit mir, du teilst dei­ne Trä­nen. Dei­ne Hys­te­rie ist meine.

Julianne Moore in Children of Men
Child­ren of Men de Alfon­so Cuarón
Blindness mit Julianne Moore
Blind­ness de Fer­nan­do Meirelles

Lei­der bin ich nicht da. Aber ich sehe dich wei­ter, wenn ich läch­le und wei­ne und wenn ich dich wie­der sehe, hof­fe ich, dass du mir kurz zulä­chelst. Selbst wenn du nicht siehst. Ich wür­de weinen.