Wäh­rend man sich aller­orts in Kane Par­sons’ Back­rooms gera­de­zu obses­siv den soge­nann­ten limi­nal spaces aus­setzt, in denen alles gleich aus­sieht, kann man im Zür­cher Xenix aktu­ell die Ver­schie­den­ar­tig­keit sol­che Orte erfah­ren. Inner­halb der Spann­brei­te der bei­den Auf­takt­fil­me John Wick von Chad Sta­hel­ski und David Leitch sowie Robi­na Roses Nights­hift ent­fal­te­te sich dort ein Pan­op­ti­kum des Kino­my­thos «Hotel». Die­se Film­rei­he, die noch bis zur Som­mer­pau­se in Zürich zu sehen ist, wur­de von Mari­us Hrdy kura­tiert, der auch als Autor für Jugend ohne Film schreibt. Ver­mut­lich gibt es weni­ge Orte, abge­se­hen von Zügen, Bahn­hö­fen, Cafés, Ein­kaufs­lä­den, Wasch­sa­lons, Ban­ken, Gerichts­sä­len, Biblio­the­ken, Flug­hä­fen, Häfen, Knei­pen, Strän­den oder Gara­gen, in denen sich das Kino woh­ler fühlt. Fast ist man geneigt zu sagen, die Kame­ra wäre dafür erst erfun­den wor­den. Gleich­zei­tig, und dar­an liegt wohl der beson­de­re Reiz, geht von der kol­por­tie­ren Durch­läs­sig­keit eine ent­ge­gen gerich­te­te Geheim­nis­krä­me­rei aus. Jemand, der ger­ne ins Kino geht, fühlt sich wahr­schein­lich auch im Hotel nicht beson­ders fremd. Nir­gends ist das unver­mit­tel­ter wie rät­sel­haf­ter erfahr­bar als in Roses Film, der erst seit sei­ner Restau­rie­rung 2024 über­haupt wie­der­zu­se­hen ist.

Robi­na Rose, die am 26. Janu­ar 2025 viel zu früh ver­stor­ben ist, schuf gemein­sam mit ihrem Kame­ra­mann Jon Jost und zahl­rei­chen Freun­den, das exzen­trisch-intro­ver­tier­te, aber vor allem schumm­ri­ge Bild einer Lon­do­ner Hotel­lob­by in einer Nacht, wie wahr­schein­lich jede ande­re auch. Nur für weni­ge kur­ze Augen­bli­cke schaut Nights­hift dabei in die Mikro­kos­men der bezo­ge­nen Zim­mer, viel­mehr inter­es­siert er sich für die indi­vi­du­el­len Eska­pa­den, die klei­nen eph­eme­ren Aus­flüch­te, zwi­schen der Rezep­ti­on und dem Trep­pen­auf­gang zu den Zim­mern. Der Boden, auf dem die vie­len klei­nen Schau­spie­le statt­fin­den – revue­ar­ti­ge, aus­schnitt­haf­te Tra­gö­di­en, Komö­di­en, Tricks und oft auch gar nichts – ist mit Tep­pich aus­ge­legt. Die­ser ver­kör­pert die Wär­me des Ortes, lässt das Feder­haft-Wei­che der Nacht betre­ten, aber macht auch die stets prä­sen­te Ein­sam­keit gedämpft hör­bar. Der Film beglei­tet unter­des­sen die namen­lo­se, still anteil­neh­men­de Nacht­auf­se­he­rin des Por­to­bel­lo Hotels – Pame­la Roo­ke ali­as Jor­dan, die jedoch eher für ihr extra­va­gan­tes Auf­tre­ten im Lon­do­ner Unter­grund als Modell für Vivi­en­ne West­wood bekannt war. Mit dem Mor­gen­grau­en endet ihre Schicht und mit dem Gang auf die Stra­ße im über­ge­wor­fe­nen Man­tel ver­glimmt auch das unwirk­li­che Licht die­ses Films.

So macht aber nicht nur der Punk­hin­ter­grund der Fil­me­ma­che­rin, son­dern auch der Ort des Films deut­lich, dass man sich für eine begrenz­te Dau­er am Rand zur Rea­li­tät befand. Nicht zuletzt dar­in liegt womög­lich die Ähn­lich­keit zum Kino. Im Unter­schied zu vie­len ande­ren Hotel­fil­men, wenn man nicht gleich vom Gen­re des Hotel­films spre­chen will, wird hier kaum Wert auf die Unan­tast­bar­keit, das Sub­li­me des Ortes gelegt. Zwar rückt gera­de der Akt und Platz des Durch­ge­hens ins Zen­trum. Den­noch erhält man kaum den Ein­druck küh­ler Belie­big­keit, viel mehr ist die Ambi­va­lenz fein säu­ber­lich aus­ge­stellt. Die­ser Blick muss sich dabei nicht nur auf den Ort des Hotels allein bezie­hen, er könn­te als Hal­tung genau­so auch dar­über hin­aus zie­len, indem er betont zurück­ge­lehnt in allen All­ge­mein­gü­tern das Unter­schei­den­de wie­der­fin­den will. Das soll viel­leicht weni­ger bedeu­ten, Ver­all­ge­mei­ne­run­gen not­ge­drun­gen infra­ge zu stel­len, statt­des­sen aber die von ihr frei gelas­se­nen Räu­me zugäng­lich für das Sehen und Weg­se­hen zu hal­ten. In die­ser Wei­se ver­bringt in Nights­hift eine älte­re Dame eine Hotel­nacht offen­bar nur um Fern­zu­se­hen und dabei ein­zu­schla­fen. Der über­sprin­gen­de intro­spek­ti­ve Cha­rak­ter des Films, der das Fabu­lie­ren anregt, führt damit zurück zu den eige­nen wie sehr all­ge­mei­nen Rand­gän­gen bei Hotel­auf­ent­hal­ten, oder wenn man es mehr oder weni­ger aus­ge­schla­fen wie­der verlässt.