Notizen zu Peter Nestler: Greker in Sveden

Text: Ste­fan Ram­stedt (aus dem Eng­li­schen von David Perrin)

Auf­grund der Fol­gen sei­nes Films Von Grie­chen­land,über die poli­ti­sche Situa­ti­on im Land, war Nest­ler 1966 gezwun­gen, nach Schwe­den zu über­sie­deln, ins Hei­mat­land sei­ner Mut­ter. Zwei Jah­re spä­ter kehr­te er mit sei­nem Film Gre­ker i Sveri­ge zum The­ma zurück,in dem er den poli­ti­schen Flücht­lin­gen im Exil eine Stim­me gibt. In den 1960er Jah­ren wuchs die Zahl der grie­chi­schen Ein­wan­de­rer in Schwe­den. Von ein paar Hun­dert 1960, stieg die Zahl der in Schwe­den leben­den Grie­chen in den 1970er Jah­ren auf zwölf­tau­send. Eini­ge ver­lie­ßen ihre Hei­mat auf der Suche nach Arbeit, aber vie­le auch aus poli­ti­schen Grün­den nach dem Mili­tär­putsch von 1967. 

Gre­ker i Sveri­ge wur­de zusam­men mit Sight­see­ing, Sam­häl­le­lig for­bry­tel­se und Glunt von Nest­ler im Rah­men eines Film­pro­duk­ti­ons­kur­ses beim schwe­di­schen Fern­se­hen rea­li­siert. Doch kei­ner die­ser Fil­me wur­den im schwe­di­schen Fern­se­hen aus­ge­strahlt, wes­halb Gre­ker i Sveri­ge auch nie mit schwe­di­schen Unter­ti­teln ver­se­hen wurde.

„In einem Zim­mer eines von Grie­chen in Stock­holm gegrün­de­ten Ver­eins, wo sie sich nach der Arbeit tref­fen kön­nen, wer­den bil­li­ges Essen ser­viert und Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert. Acht grie­chi­sche Anti­fa­schis­ten spre­chen vor der Kame­ra. Das ist der Film, dazu Fotos und Archiv­ma­te­ri­al.“ So lau­tet die Kata­log­no­tiz des schwe­di­schen Fern­se­hens. Der Film beginnt mit den Wor­ten eines unge­nann­ten Anwalts: „Die Tra­gö­die des grie­chi­schen Vol­kes begann bereits im Jahr 1935“. Was folgt ist eine aus­führ­li­che Dar­le­gung der poli­ti­schen Ver­hält­nis­se in Grie­chen­land ab Mit­te der 1930er Jah­re bis zur Zeit, in der der Film gedreht wur­de. Wäh­rend er über das „Ver­schwin­den“ der Demo­kra­tie – am Ort ihrer Ent­ste­hung – spricht, hält Nest­ler die Kame­ra auf den Anwalt, der an einem Tisch sitzt und eine Ziga­ret­te raucht. 

Im Lau­fe sei­ner Erklä­rung fügt Nest­ler Foto­gra­fien und Film­aus­schnit­te ein. Sie die­nen nicht nur als visu­el­le Bewei­se für die Aus­sa­gen des Anwalts, son­dern sind auch cha­rak­te­ris­tisch für zwei zen­tra­le Aspek­te von Nest­lers Werk: Die Foto­gra­fie als Mit­tel zur Unter­bre­chung des Zeit­ver­laufs und das Behar­ren auf der Mate­ria­li­tät von Archiv­ob­jek­ten. Nest­lers Art, die Foto­gra­fien mit ihren sicht­ba­ren Rän­dern zu zei­gen, erhält ihren Wertals his­to­ri­sche Arte­fak­ten auf­recht, als Objek­te, die nicht nur her­ge­stellt, son­dern die auch auf­be­wahrt und geret­tet wer­den – genau­so wie die Kunst­hand­wer­ke, die er uns in sei­nen spä­te­ren Fil­men prä­sen­tiert, meist indem eine Hand sie vor der Kame­ra hält. 

Nach der Ein­lei­tung fin­det ein Gespräch statt, in dem ande­re Flüch­ti­gen von ihren Erfah­run­gen im poli­ti­schen Kampf berich­ten. Die Kame­ra wird mit der Hand geführt. Sie bewegt sich zwi­schen dem Spre­cher und den Zuhö­rern hin und her, um die Kol­lek­ti­vi­tät ihres poli­ti­schen Kamp­fes her­vor­zu­he­ben. Damit spie­gelt sie genau jene Gesprächs­form des Regie­rungs­sys­tems wider, für das die Flücht­lin­ge kämpfen.