Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Taubenblicke IV

Ers­ter Blick des Tages: Kein Tau­ben­blick, son­dern ein Tau­ben­fleck; die Vogel­schei­ße auf dem Fensterbrett

Die Krä­he unter dem Schnur­baum im Regen ste­hend, als gin­ge sie das alles nichts an.

Das jun­ge Mäd­chen unten im Park, das mit ihrem Hund spa­zie­ren geht, sagt in ihr Han­dy: „Halt dei­ne ver­fick­te blö­de Schnau­ze“, und der Hund neben ihr schaut ver­le­gen zur Seite.

Der Alko­ho­li­ker im Roll­stuhl blickt auf die am Boden lie­gen­den Son­nen­blu­men­ker­ne, als schaue er in den Spiegel.

Die Men­schen betre­ten den Super­markt, als ob sie ihre Woh­nun­gen betre­ten würden.

Der links­hän­di­ge jun­ge Mann auf der Bank, sei­ne zit­tern­de zeich­nen­de Hand

Die vie­len Ziga­ret­ten­stum­mel auf dem Boden, eine nicht zu ent­zif­fern­de Sprache

Ver­wechs­lung: das Hin- und Her­rol­len einer Blech­do­se mit einem letz­ten Atemzug

Vom offe­nen Fens­ter hören: „Poli­zei! Ste­hen­blei­ben! Ich schie­ße!“ und drau­ßen ist nur ein allein im Sand­kas­ten spie­len­des Kind.

Abend im Park wäh­rend des Rama­dans, das ein­zi­ge Geräusch: das Geklirr von Blech­be­steck in der Souterrain-Moschee.

Letz­ter Blick des Tages: Der alte Asia­te unten im Park beim Hun­de-Spa­zie­ren, der „Rol­lin‘ on the River“ von Cree­dence Cle­ar­wa­ter Revi­val vor sich hin­singt, und der Hund neben ihm schaut ihn lie­be­voll an.