Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Trouble Features – Schwitzkästen des Politischen im Kino

Die­ser Text erschien erst­mals im Syn – Maga­zin für Theater‑, Film- und Medi­en­wis­sen­schaft (#8, 2014). Er bil­det die theo­re­ti­sche Grund­la­ge für eine vom Autor mit­ge­stal­te­te, expe­ri­men­tel­le Vor­füh­rungs­rei­he im Wie­ner Schi­ka­ne­der-Kino, bei der Fil­me gegen­ein­an­der pro­gram­miert wer­den, die ästhe­tisch, the­ma­tisch oder anders­wie im Clinch mit­ein­an­der lie­gen – ohne dass dem Publi­kum im Vor­feld ver­ra­ten wird, was es zu sehen gibt.

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Eine Rei­he jün­ge­rer poli­ti­scher Theo­rien, deren Poli­tik­ver­ständ­nis unter dem Begriff der radi­ka­len Demo­kra­tie gefasst wer­den könn­te, betrach­tet das Poli­ti­sche in Dif­fe­renz zur regu­la­ti­ven Poli­tik als das Moment, in dem aner­kann­te Ord­nungs­struk­tu­ren in Fra­ge bzw. in ihrer Zufäl­lig­keit, Unvoll­kom­men­heit und Ver­än­der­bar­keit bloß­ge­stellt wer­den(1). Für Chan­tal Mouf­fe etwa ist «jede Gesell­schaft das Pro­dukt einer Rei­he von Ver­fah­rens­wei­sen, die in einem Kon­text von Kon­tin­genz Ord­nung her­zu­stel­len ver­su­chen»(2) und basiert folg­lich auf einer «Form von Aus­schlie­ßung. Es gibt immer ande­re unter­drück­te Mög­lich­kei­ten, die aber reak­ti­viert wer­den kön­nen»(3). Die Reduk­ti­on auf eine total inklu­si­ve Hege­mo­nie und die rest­lo­se Til­gung von Ant­ago­nis­men, wie sie der Libe­ra­lis­mus anstrebt, ist daher illu­sio­när und wür­de einer Eli­mi­nie­rung des Poli­ti­schen gleich­kom­men. Es geht im Gegen­teil um die Aner­ken­nung der Tat­sa­che, dass Poli­tik eben kein blo­ßer «Aus­tausch von Mei­nun­gen [ist], son­dern ein Streit um Macht»(4), wes­halb eine wahr­haft plu­ra­lis­ti­sche Gesell­schaft im Bewusst­sein der Unhin­ter­geh­bar­keit die­ses Streits nach Wegen suchen soll­te, auf Aus­lö­schung von Feind_​innen aus­ge­rich­te­te ‹Ant­ago­nis­men› in ‹Ago­nis­men› zu über­füh­ren, die auf ein legi­ti­mes wie regel­haf­tes Kräf­te­mes­sen zwi­schen Gegner_​innen ori­en­tiert sind. In Mouf­fes Vor­stel­lung einer radi­ka­len Demo­kra­tie kommt es nie zu einer rest­lo­sen Ver­wirk­li­chung der­sel­ben, bloß zur insta­bi­len, vor­über­ge­hen­den Ver­fes­ti­gung ‹hege­mo­nia­ler For­ma­tio­nen› – rudi­men­tä­re Fixie­run­gen bestimm­ter Ord­nun­gen, Dis­kur­se und arti­ku­la­to­ri­scher Pra­xen – für deren ago­nis­ti­sche Gegen­über- und Infra­ge­stel­lung es Orte geben muss.

Theo­re­tisch wäre das Kino nun ein eben­sol­cher Ort: Jeder Ein­zel­fllm bil­det, zählt man ihn als ästhe­ti­sche Ein­heit(5), einen dis­kur­si­ven Vor­schlag, der in sei­ner spe­zi­fl­schen künst­le­ri­schen Aus­ge­stal­tung den Betrachter_​innen eine bestimm­te Welt­sicht oder gar eine eige­ne Welt prä­sen­tiert, die beur­teilt und mit ande­ren Vor­schlä­gen oder der indi­vi­du­el­len Sub­jekt­po­si­tio­nie­rung ver­gli­chen wer­den kann. Es ermög­licht den Zuschauer_​innen, die hege­mo­nia­le For­ma­ti­on, deren Teil sie sind, für die Dau­er des Films zu einer ande­ren, uto­pi­schen, streit­ba­ren in Bezug zu set­zen, oder ihren Blick schlicht auf Unver­söhn­lich­kei­ten zu len­ken, die an den Rand der öffent­li­chen Wahr­neh­mung gedrängt wor­den sind. Dem­nach wäre das poli­ti­sche Kino nicht die Frie­dens­pfei­fe einer Kon­sens­ge­sell­schaft, son­dern ein Podi­um für Kon­flik­te, Wider­sprü­che und Apo­rien aller Art – trou­ble im bes­ten Sin­ne. Die Mög­lich­kei­ten des fll­mi­schen Medi­ums, sol­che Rei­be­rei­en anzu­zet­teln und ins Bild zu rücken, sind man­nig­fal­tig und kön­nen in Form und Inhalt zur Gel­tung kom­men. Dabei kann es sich schlicht um die nar­ra­ti­ve Dar­le­gung eines alter­na­ti­ven Gesell­schafts­mo­dells han­deln, wie man sie oft in Sci­ence-Fic­tion-Fil­men antrifft, das the­ma­ti­sche Auf­grei­fen und künst­le­ri­sche Auf­ar­bei­ten eines ver­dräng­ten Streit­punkts der Zeit­ge­schich­te, oder aber die Kon­fron­ta­ti­on mit einer Ästhe­tik, deren Gestal­tung und Wir­kungs­wei­se von der herr­schen­den Norm abweicht und damit deren Will­kür­lich­keit kennt­lich macht. Über­dies hat die Kino­er­fah­rung trotz aller Ent­wer­tun­gen, denen sie im Wan­del der Zeit unter­wor­fen war, als Ver­mitt­lungs­in­stanz immer noch einen Son­der­sta­tus inner­halb der zeit­ge­nös­si­schen Medi­en­land­schaft inne, wenn es um die Ver­bind­lich­keit sei­ner Rezep­ti­on geht. Das Kino macht es einer_​einem schwe­rer als gewohnt, sich abzu­wen­den und dem Streit mit dem Bild, dem Streit im Bild oder dem Streit der Bil­der unter­ein­an­der aus dem Weg zu gehen. Wäh­rend die meis­ten tech­no­lo­gisch fun­dier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le der Gegen­wart den Rezipient_​innen in der einen oder ande­ren Form die Zügel in die Hand gege­ben haben, behält es sich wei­ter­hin ein mini­ma­les Maß an Auto­no­mie ein. Jede_​r Kinobesucher_​in begibt sich gewis­ser­ma­ßen in die Obhut eines räum­li­chen Dis­po­si­tivs, sie_​er über­ant­wor­tet einen Anteil ihrer_​seiner Ent­schei­dungs- und Hand­lungs­macht der Pro­jek­ti­on, und obwohl sie_​ihn nie­mand dazu zwin­gen kann, bis zum Abspann sit­zen zu blei­ben, ist der phy­si­sche wie psy­chi­sche Auf­wand, aus der Schau­an­ord­nung her­aus­zu­tre­ten, wesent­lich höher als im Pri­va­ten, wo meist ein Maus­klick reicht. Dies ist einer­seits bedingt durch den psy­cho­lo­gi­schen Ein­satz, den man durch den bewuss­ten Auf­bruch ins Kino und übli­cher­wei­se auch den Kauf eines Tickets erbringt, aber eben­so wich­tig ist der tei­löf­fent­li­che Cha­rak­ter einer Film­vor­füh­rung, die eine_​n im Publi­kums­pan­op­ti­kum unter per­ma­nen­te Selbst­be­ob­ach­tung stellt. Hin­zu kommt die sym­bo­li­sche Beschlag­nah­mung des sen­so­ri­schen Appa­rats durch Raum und Tech­nik: die Fixie­rung des Kör­pers, die Fokus­sie­rung des Blicks, die Ori­en­tie­rung der Auf­merk­sam­keit auf das Leuch­ten der Lein­wand im Dun­keln. Inso­fern geht die_​der Kinobesucher_​in stets ein Risi­ko ein, das letzt­lich trotz man­nig­fal­ti­ger Absi­che­rungs­op­tio­nen unab­weis­lich bleibt: die Gefahr der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Uner­war­te­ten oder Unan­ge­mes­se­nen und dar­aus resul­tie­ren­den kogni­ti­ven Dis­so­nan­zen, deren Berei­ni­gung oder Ver­ar­bei­tung eine phy­si­sche (das Ver­las­sen des Kino­saals) oder psy­chi­sche (die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Gese­he­nen) Leis­tung erfor­dert(6). In die­ser Hin­sicht ist das Guck­kas­ten­büh­nen− und Musik­thea­ter als bin­den­de Schau−Stellung zwar ver­gleich­bar, sei­nen popu­lä­ren Cha­rak­ter hat es aber längst an das Kino ver­lo­ren, das sich seit sei­ner Geburt an alle wen­det, die sehen wol­len. Dass das Poli­ti­sche im Kino zum Aus­druck kom­men kann, will ich also nicht in Abre­de stel­len. Aber die kul­tu­rel­len Ver­hält­nis­se libe­ra­ler Gesell­schaf­ten wir­ken wie Prell­bö­cke für sei­ne Wir­kung, was ich im Wei­te­ren etwas aus­füh­ren möchte.

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Um mit Jac­ques Ran­ciè­re zu spre­chen: Ein zen­tra­les Pro­blem des Kinos liegt dar­in, dass es nicht imstan­de ist, die Ein­brin­gung der Vor­aus­set­zung der Gleich­heit eines jeden ästhe­ti­schen Vor­schlags mit jedem ande­ren ästhe­ti­schen Vor­schlag zu gewähr­leis­ten, weil es selbst inner­halb einer grö­ße­ren kul­tu­rel­len For­ma­ti­on ope­riert(7). Der Kampf der Bil­der ist gescho­ben, die Ver­tei­lung der Wer­tig­kei­ten bereits voll­zo­gen, bevor man über­haupt in den Ring stei­gen kann, denn ‹das Kino› als ega­li­tä­re Ago­ra, in der alle Hier­ar­chien fal­len und die Par­tei­en sich auf Augen­hö­he begeg­nen, gibt es nicht. Statt des­sen gibt es strikt von­ein­an­der getrenn­te, öko­no­misch deter­mi­nier­te Kino­do­mä­nen mit ihren jewei­li­gen Funk­tio­nen, die inne­re Geschlos­sen­heit vor­täu­schen: Das Mul­ti­plex ist für Unter­hal­tung zustän­dig, das Art­haus- und Pro­gramm­ki­no für Kunst und sozi­al rele­van­te The­men, das Film­ar­chiv und ‑muse­um für Film­ge­schich­te, d. h. alte Fil­me, und das Fes­ti­val dient als Auf­fang­be­cken für nicht markt­gän­gi­ge Nischen­pro­duk­tio­nen. Dies sind nicht nur die begrif­fi­ich dif­fu­sen Zuschrei­bun­gen, von denen die Erwar­tungs­hal­tung geprägt ist, die Vor­zei­chen, unter denen die Wahr­neh­mung beim Betre­ten der Säle steht. Es sind auch die Kate­go­rien, nach denen der Welt­ki­no­pool par­zel­liert wird: Jeder Film kommt sei­ner Beschaf­fen­heit ent­spre­chend in ein Becken mit sei­nes­glei­chen, so dass Kon­flik­te oder Über­ra­schun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den – jedem Tier­chen sein Plä­sier­chen. Inner­halb die­ser Kate­go­rien regiert in der Regel durch­aus Gleich­heit, aber als Gleich­ma­che­rei, die jeg­li­chen Dis­sens zu ver­mei­den sucht; Gleich­heit im Sin­ne Ran­ciè­res ist aber etwas, das nie erreicht wer­den kann. Sie ist nicht das Ziel, son­dern wie schon gesagt eine Vor­aus­set­zung, der abwe­sen­de, ima­gi­nä­re Aus­gangs­punkt poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen, aus denen etwas Neu­es ent­ste­hen kann.

Kommt es doch zu Über­schnei­dun­gen und Ver­schrän­kun­gen zwi­schen den Domä­nen, wenn ein Film also sei­nen ihm zuge­wie­se­nen Platz ver­lässt und aus irgend­wel­chen Grün­den an einen Ort kommt, an den er nicht gehört, sind Kon­flik­te vor­pro­gram­miert und kön­nen zu bezeich­nen­den Gegen­stra­te­gien sei­tens der Ordnungshüter_​innen füh­ren. Ein schö­nes Bei­spiel hier­für wäre Ter­rence MaliKs von klas­si­scher Nar­ra­ti­on dras­tisch abwei­chen­der Tree of Life(8), der kraft sei­ner Star­be­set­zung in vie­len Mul­ti­plex- und Pro­gramm­ki­nos anlief und dort rei­hen­wei­se für Empö­rung sorg­te, sodass ein Betrei­ber in Con­nec­ti­cut sich genö­tigt fühl­te, an der Kas­sa einen Warn­hin­weis zu affi­chie­ren(9). Man könn­te den Spieß auch umdre­hen: Die Kür eines Block­bus­ters zum Eröff­nungs­fllm eines klei­ne­ren Film­fes­ti­vals wür­de zwei­fel­los Unken­ru­fe ern­ten. Sol­che Trans­plan­ta­tio­nen sind im Sin­ne des radi­ka­len Demo­kra­tie­kon­zepts durch­aus poli­tisch, aber ihr Zustan­de­kom­men ist in der zeit­ge­nös­si­schen Ver­triebs­land­schaft zumeist von einer wenig wahr­schein­li­chen Ver­ket­tung glück­li­cher Umstän­de abhän­gig und daher eine Sel­ten­heit. Man muss außer­dem davon aus­ge­hen, dass die poli­zei­li­che Logik in der Ter­mi­no­lo­gie von Ran­ciè­re, also jene «stren­ge Kon­fl­gu­ra­ti­on des Ver­hält­nis­ses zwi­schen der Ord­nung des Dis­kur­ses und der Ord­nung der Kör­per […], die ver­schie­de­nen Wesen [und Ästhe­ti­ken, Anm.] ver­schie­de­ne Räu­me anweist»(10), im Kino­saal wei­ter­wirkt und sich womög­lich gera­de dort, ent­ge­gen etwa­igen Eska­pis­mus­theo­rien, am Stärks­ten ent­fal­ten kann. Die_​der Zuschauer_​in wird im Fal­le einer Kon­fron­ta­ti­on mit einer ästhe­ti­schen For­ma­ti­on, die für sie_​ihn «das als Dis­kurs hör­bar macht, was nur als Lärm ver­nom­men wur­de»(11), – oder auch nur kraft ihrer Anders­ar­tig­keit auf die Kon­tin­genz ästhe­ti­scher Hege­mo­nien ver­weist – zwar pro­vo­ziert, kann die Pro­vo­ka­ti­on aber in Fol­ge ohne viel Auhe­bens aus­blen­den, da eine grund­le­gen­de Tren­nung auf­recht erhal­ten bleibt: die Tren­nung der Kino­vor­stel­lun­gen unter­ein­an­der. Zwar kann es irri­tie­ren, wenn man ins Mul­ti­plex geht und dort einen Avan­te­gar­de­fllm vor­ge­setzt bekommt, und selbst­ver­ständ­lich will ich nicht behaup­ten, dass die­se oder eine ähn­li­che Irri­ta­ti­on für die_​den Rezipient_​in fol­gen­los blei­ben muss, aber es gibt, und das ist das Ent­schei­den­de, kei­ner­lei ein­deu­ti­gen Ansporn, sie als etwas ande­res zu regis­trie­ren als eine Anoma­lie, eine regel­be­stä­ti­gen­de Aus­nah­me, einen ver­schmerz­ba­ren Sys­tem­feh­ler. Man sieht etwas, das eine ande­re Posi­ti­on ein­nimmt, als jene, die man gewohnt ist, aber der resul­tie­ren­de Skan­dal ist hin­ter­geh­bar. Zum einen, weil man sich letzt­lich selbst die Schuld dafür gibt: Das Kino wird in Ver­leug­nung der «ent­schei­den­den Rol­le der öko­no­mi­schen Macht bei der Struk­tu­rie­rung einer hege­mo­nia­len Ord­nung»(12) als Instanz mit beschränk­ter Inten­tio­na­li­tät begrif­fen, als Waren­haus mit Pro­duk­ten zur frei­en Aus­wahl, wo man auch mal dane­ben­grei­fen kann, eine offe­ne Pas­sa­ge unter­schied­li­cher, vor­geb­lich gleich­be­rech­tig­ter Visio­nen der Wirk­lich­keit «auf neu­tra­lem Ter­rain»(13), die nicht mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren und sich somit auch nicht in Fra­ge stel­len. Alle Ange­bo­te sind unver­bind­lich. Zum ande­ren, weil das Regle­ment der ästhe­ti­schen Domä­nen im Gesam­ten unan­ge­tas­tet bleibt. So lässt sich die Kon­fron­ta­ti­on mit einer inner­halb eines bestimm­ten Rah­mens wider­setz­li­chen ästhe­ti­schen Arti­ku­la­ti­on leicht ratio­na­li­sie­ren: Man dünkt sich als Fehladressat_​in im ‹fal­schen Film› und ist damit ein­ver­stan­den, nicht ein­ver­stan­den zu sein – im Saal neben­an läuft bestimmt der rich­ti­ge(14). Der Kon­flikt wird also nicht expli­zit gemacht und Lärm bleibt Lärm. Im Eng­li­schen ist die­se Idee in einem All­tags­idi­om prä­gnant auf den Punkt gebracht, das für gewöhn­lich ins Feld geführt wird, wenn sich in einer Dis­kus­si­on kein Kon­sens her­stel­len lässt: ‹Let’s agree to dis­agree.› Der Zwist wird zur Grund­la­ge einer schein­bar respekt­vol­len Über­ein­kunft erklärt, die jeder_​jedem ihre_​seine Mei­nung lässt. Gemeint ist aber: ‹Let’s stop arguing and poli­te­ly igno­re each other becau­se actu­al con­flict would end­an­ger our respec­ti­ve iden­ti­ties, and we all agree that that is not an opti­on.› Die Bedro­hung des Kon­flikts kann so stets auf die lan­ge Bank gescho­ben, die ideo­lo­gi­sche Erschüt­te­rung abge­fe­dert werden.

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Damit will ich kei­nes­falls das poli­ti­sche Poten­ti­al des Kinos an sich in Zwei­fel zie­hen; im Gegen­teil sehe ich die­ses immer noch als außer­or­dent­lich an, in all sei­nen Spiel­ar­ten. Aber es soll auf die Rela­ti­vie­rung sei­nes Sta­tus als ideo­lo­gi­sche Kon­flikt­zo­ne hin­ge­wie­sen wer­den, die über sei­ne markt­lo­gi­sche Unter­tei­lung in maxi­mal halb­durch­läs­si­ge Gehe­ge für wider­sprüch­li­che For­men und Erzäh­lun­gen mit jeweils klar defl­nier­ten Ziel­grup­pen zurück­zu­füh­ren ist. Soll das Poli­ti­sche im Kino wie­der stär­ker zum Tra­gen kom­men, geht es folg­lich weni­ger um eine Poli­ti­sie­rung der Fil­me selbst als um die Wie­der­her­stel­lung der Unhin­ter­geh­bar­keit der Kon­flik­te zwi­schen den Fil­men als Welt­sich­ten, die Fokus­sie­rung ihres Kamp­fes um dis­kur­si­ve Hege­mo­nie. Damit zwei fll­mi­sche ‹Geg­ner› aber in ein ago­nis­ti­sches Streit­ge­spräch tre­ten kön­nen – eines, das öffent­lich aus­ge­tra­gen wird und damit für jede_​n ZusKauer_​in als sol­ches erkenn­bar ist – ist «das Bestehen eines gemein­sa­men sym­bo­li­schen Rau­mes not­wen­dig»(15), und genau das ist der Fall beim dou­ble fea­ture, eine Rezep­ti­ons­form, die ich hier­mit als Vor­schlag einer Metho­de der Her­stel­lung pro­duk­ti­ven Kon­flikts im Rah­men einer fll­mku­ra­to­ri­schen Pra­xis zur Debat­te stel­len möch­te. Ich mei­ne hier­bei weni­ger das klas­si­sche US-Modell. Die­ses war öko­no­misch deter­mi­niert und die Fil­me ent­stamm­ten wei­test­ge­hend ein und der­sel­ben Indus­trie, was sie ein­an­der anglich und das Kon­flikt­po­ten­ti­al schmä­ler­te (was natür­lich nicht hei­ßen soll, dass es dar­in nicht trot­dem zu wider­sprüch­li­chen Kom­bi­na­tio­nen kom­men konn­te)(16). Ich bezie­he mich viel­mehr auf die zeit­ge­nös­si­sche Form, wie man sie zuwei­len bei Fes­ti­vals und in Cine­ma­the­ken zu sehen bekommt: bewusst kura­tier­te Zusam­men­füh­run­gen ver­schie­de­ner fll­mi­scher Posi­tio­nen, die rela­ti­ve ästhe­ti­sche Frei­heit genie­ßen in der Selek­ti­on ein­zel­ner Bei­trä­ge und mit ent­spre­chen­den Absich­ten zur Erre­gung öffent­li­chen Ärger­nis­ses genutzt wer­den kön­nen. Mei­ne Grund­the­se ist ein­fach: Die Vor­füh­rung zwei­er Fil­me inner­halb einer Vor­stel­lung nötigt die Zuschauer_​innen dazu, die­se Fil­me in Bezie­hung zu set­zen. Wenn die­se Gegen­über­stel­lung dar­über hin­aus in irgend­ei­ner Wei­se Wider­sprü­che offen­legt, wenn die Fil­me also auf einer oder meh­re­ren Ebe­nen mit­ein­an­der strei­ten, ent­steht durch die­sen Kon­flikt ein Riss in der hege­mo­nia­len For­ma­ti­on, die eine Kino­vor­stel­lung übli­cher­wei­se ästhe­tisch kon­sti­tu­iert und eröff­net einen Raum des Poli­ti­schen. Die­ser Riss wird als sol­cher wahr­ge­nom­men, weil es in die­sem Kon­text aus­ge­schlos­sen ist, dass es sich dabei um ein Ver­se­hen han­delt: Das dou­ble fea­ture der Gegen­wart impli­ziert Inten­tio­na­li­tät, indem es die Wahl­frei­heit der Betrachter_​innen unter­mi­niert. Es ist klar, dass jemand will, dass genau die­se bei­den Fil­me zusam­men gese­hen und zuein­an­der in Bezug gesetzt wer­den, sonst gäbe es zwei sepa­ra­te Vor­stel­lun­gen. Die rezep­ti­ons­sei­ti­ge Unter­tei­lung in einen ‹rich­ti­gen› und einen ‹fal­schen› Film wird hier zunächst auf Schwie­rig­kei­ten sto­ßen, sofern es kei­ne hier­ar­chi­sie­ren­den Kenn­zeich­nun­gen wie A- und B‑Picture oder Haupt- und Vor­fllm gibt. Ein dou­ble fea­ture ist also nicht die Aner­bie­tung einer dis­kur­si­ven For­ma­ti­on, son­dern die Anre­gung, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und sich den Dia­log oder Wider­streit der Dis­kur­se, den oben erläu­ter­ten Kampf um die Vor­macht­stel­lung, zu ver­ge­gen­wär­ti­gen(17). Einen theo­re­ti­schen Vor­läu­fer die­ser Kon­zep­ti­on fin­det man im dia­lek­ti­schen Mon­ta­ge­prin­zip, wie es von Ber­tolt Brecht und Wal­ter Ben­ja­min ven­ti­liert wur­de. Die Her­vor­keh­rung von Kor- rela­tio­nen und Gegen­sätz­lich­kei­ten ist ein Eck­pfei­ler des brecht­schen Rea­lis­mus­be­griffs, denn «ein Ding wird real erst, wenn es in sei­ner Bezie­hung zu einem ande­ren erscheint, und um so rea­ler, je mehr Din­ge zu ihm in Bezie­hung tre­ten. Die Wahr­heit ist nie in einem Sat­ze zu sagen»(18). Ben­ja­mins Kom­men­ta­re zur Pra­xis des epi­schen Thea­ters füh­ren die­ser Metho­dik das Wort. Erkennt­nis­ge­winn in der Kunst sei nur mög­lich, wenn man flie­ßen­de Hand­lun­gen in abge­schlos­se­ne Ges­ten unter­teilt und gegen­ein­an­der mon­tiert, denn «die Ent­de­ckung der Zustän­de voll­zieht sich mit­tels der Unter­bre­chung von Abläu­fen. […] Sie bringt die Hand­lung im Ver­lauf zum Ste­hen und zwingt damit den Hörer zur Stel­lung­nah­me zum Vor­gang»(19). Das dou­ble fea­ture mit sei­ner unüber­seh­ba­ren Vor­füh­rungs­zä­sur macht nun aus der unge­bro­che­nen Hand­lung einer Kino­vor­stel­lung ein kon­f­li­gie­ren­des Gefü­ge, indem es die Fil­me selbst zu Ges­ten macht.

Doch selbst­ver­ständ­lich reicht die unre­flek­tier­te Par­al­le­li­sie­rung zwei­er belie­bi­ger Fil­me nicht aus, um Dis­sens zu schü­ren. Zwar beinhal­tet Ben­ja­mins «Ver­ständ­nis von pro­duk­ti­ver Mon­ta­ge […] die frag­men­tier­te Inte­gra­ti­on dis­pa­ra­ten Mate­ri­als. Aller­dings wird es nicht will­kür­lich anein­an­der­ge­reiht, son­dern zusam­men­ge­hal­ten durch ein Form­ge­setz»(20). Damit ein dou­ble fea­ture zum trou­ble fea­ture wer­den kann, muss die­ses Form­ge­setz ein agi­ta­to­ri­sches sein: Die Auf­ga­be der_​des Kuratorin_​Kurators ist dabei die Iden­ti­fi­zie­rung des Kon­flikt­po­ten­ti­als zwi­schen zwei Fil­men. Der Kon­flikt kann sich auf zwei­er­lei Wei­se äußern. Am deut­lichs­ten tritt er wohl zuta­ge, wenn man Fil­me in eine Vor­stel­lung packt – und so an einen gemein­sa­men Ort bringt -, die ansons­ten nicht mit­ein­an­der in Berüh­rung kom­men wür­den, da das kul­tu­rel­le Regle­ment ihre Tren­nung vor­schreibt und sie in abge­schlos­se­ne Domä­nen ver­bannt, etwa die unge­bro­che­ne Pro­jek­ti­on eines ‹alten› Films mit einem ‹aktu­el­len›, eines ver­leih­tech­ni­schen Block­bus­ters mit einer ver­leih­tech­ni­schen Art­haus­pro­duk­ti­on, einer Indus­trie­schöp­fung mit dem Werk einer unab­hän­gi­gen Ein­zel­per­son. Die Apo­rie liegt hier schlicht in der Unver­ein­bar­keit die­ser Kul­tur­pro­duk­te inner­halb der gege­be­nen Ord­nung im Sin­ne Mouf­fes. Der Block­bus­ter ver­lässt sei­nen Block eben­so wenig wie der Muse­ums­fllm sei­ne Aus­stel­lung. In ihrer mut­wil­li­gen Ver­la­ge­rung auf eine geteil­te Lein­wand liegt bereits eine grund­le­gen­de Trans­gres­si­on, und es ist klar, dass jeder Film, der in sei­ner Gestal­tung eine gewis­se Regel­haf­tig­keit auf­weist – wie es bei nahe­zu allen Spiel­fll­men seit den Anfän­gen des Medi­ums der Fall ist, auch wenn die­se Re- geln sub­ti­le Muta­tio­nen durch­lau­fen -, sich mit einem Film in die Haa­re gera­ten wird, der besag­ter Regel­haf­tig­keit eine kla­re Absa­ge erteilt oder sein eige­nes Regel­sys­tem eta­bliert; the­ma­tisch erfor­dert es da kaum Über­schnei­dun­gen. Die zwei­te Stra­te­gie, eine meta­tex­tu­el­le Ver­kop­pe­lung über dia­me­tra­le Posi­tio­nie­run­gen, geht tie­fer und erfor­dert bereits mehr kura­to­ri­sches Fein­ge­fühl. In die­sem Fall ist die «Tätig­keit […], die einen Kör­per von dem ihm ange­wie­se­nen Ort anders­wo­hin ver­setzt»(21), immer noch för­der­lich, aber zweit­ran­gig. Streit kann es hier nur geben, wenn es einen Gegen­stand gibt, um den gestrit­ten wer­den kann, wenn also Fil­me kol­li­die­ren, die auf ähn­li­che Fra­gen ver­schie­de­ne Ant­wor­ten fln­den oder ideo­lo­gisch unver­träg­lich sind(22). Dies kann auf einer nar­ra­ti­ven Ebe­ne statt­fln­den, aber genau­so pro­duk­tiv wäre die Gegen­über­stel­lung zwei­er wider­sprüch­li­cher Ideen von Kino, z.B. der opu­len­ten Stu­dio­wel­ten eines Josef von Stern­berg mit den Arbei­ten des ita­lie­ni­schen Neo­rea­lis­mus. Um zu ver­deut­li­chen, wie der­ar­ti­ge trou­ble fea­tures aus­se­hen könn­ten, möch­te ich nun zwei exem­pla­ri­sche Mon­ta­gen unterbreiten.

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Come and See(23) beschreibt mit einer enorm inten­si­ven Film­spra­che (lang anhal­ten­de track­ing shots, ver­stö­ren­de Sound­ku­lis­sen, iko­ni­sche Groß­auf­nah­men, Beto­nung von Kör­per­lich­keit und Mate­ria­li­tät, Lei­den­s­pa­thos, des­ori­en­tie­ren­de Ansich­ten von aus­ufern­dem Cha­os und Pan­dä­mo­ni­um) die Pas­si­ons­ges­schich­te eines Jugend­li­chen im Weiß­russ­land unter natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Besat­zung. Nach­dem er sich anfangs vol­ler Begeis­te­rung den Par­ti­sa­nen anschließt, wird er beim ers­ten Bom­ben­an­griff von sei­ner Kom­pa­nie getrennt und stol­pert im wei­te­ren Ver­lauf buch­stäb­lich von einem Höl­len­kreis in den nächs­ten, bis alle sei­ne Illu­sio­nen über die Natur des Krie­ges abge­schabt sind. In der letz­ten Sze­ne des Films sieht er, nun wie­der Teil einer sowje­ti­schen Kohor­te, ein Hit­ler-Por­trät im Dreck lie­gen, und sei­ne auf­ge­stau­te Wut ent­lädt sich: Wäh­rend er hass­erfüllt sein Gewehr auf das Bild feu­ert, mon­tiert Kli­mov Archiv­ma­te­ri­al im Rück­wärts­gang, als wür­de jeder Schuss ein Stück der faschis­ti­schen Ver­hee­run­gen unge­sche­hen machen. Nach etli­chen Sal­ven erstarrt die Auhe­bung und Hit­ler blickt uns als Baby aus den Armen sei­ner Mut­ter an. In die­sem Augen­blick hält auch die Haupt­fi­gur ent­geis­tert inne. In Anleh­nung an Emma­nu­el Lévi­n­as könn­te man sagen: Die ethi­sche Anru­fung durch das expo­nier­te Ant­litz des Ande­ren(24) ver­bie­tet ihm, abzu­drü­cken und den Wider­ruf zu voll­enden, unge­ach­tet des ent­setz­li­chen Prei­ses. Quen­tin Taran­ti­nos Ing­lou­rious Bas­ter­ds(25) hin­ge­gen drückt ab, ohne zu zögern: Eine aus jüdi­schen Sol­da­ten rekru­tier­te ‹Nazijäger›-Spezialeinheit plant ein Atten­tat auf Hit­ler und sei­ne Jun­ta, das am Ende des Films – gegen die his­to­ri­schen Tat­sa­chen – erfolg­reich in die Tat umge­setzt wird. Im unmit­tel­ba­ren Anschluss an Come and See muss das wir­ken wie ein direk­ter Ver­gel­tungs­schlag (jener spielt 1943, die­ser ein Jahr spä­ter), auch weil sich die dra­ma­ti­schen Höhe­punk­te der Fil­me in vie­ler­lei Hin­sicht spie­gel­bild­lich ver­hal­ten. Ers­te­rer stellt das Mas­sa­ker von Cha­tyn nach, bei dem ein SS-Son­der­kom­man­do sämt­li­che Einwohner_​innen eines weiß­rus­si­schen Dor­fes in eine Scheu­ne sperr­te und die­se in Brand setz­te. Ing­lou­rious Bas­ter­ds ima­gi­niert eine Rache­phan­ta­sie, bei der die NS-Éli­te in ein Kino gepfercht und dem Feu­er über­ant­wor­tet wird. Bei­des wird insze­niert als deli­rie­ren­der Todes­rausch, in deren dröh­nen­der Hor­ror­kako­pho­nie das Hohn­ge­läch­ter der Peiniger_​innen mit den Todes­schrei­en der Opfer ver­schmilzt. Den­noch erweist sich Taran­ti­nos Pos­tu­lat des Rechts auf alt­tes­ta­men­ta­ri­sche Ver­gel­tung im Frei­raum des Kinos als Anti­the­se zu Come and See, der sol­che Rache­ge­lüs­te anzu­fa­chen scheint und sich trotz­dem ver­bit­tet, ihnen voll­ends anheim­zu­fal­len. Sein Epi­log setzt eben­so dazu an, die His­to­rie mit den Mit­teln des Films zurecht­zu­rü­cken, insi­nu­iert dann aber, dass das fünf­te Gebot trotz allem intakt blei­ben muss, wenn die Welt nicht im Cha­os ver­sin­ken soll – selbst das Kino mit sei­nen unein­ge­schränk­ten Mög­lich­kei­ten trägt für Kli­mov ethi­sche Ver­ant­wor­tung. Das immense Pathos die­ser fina­len Momen­te ver­dankt sich der Evo­ka­ti­on einer mora­li­schen Selb­stän­dig­keit im Lei­den, der Selbst­be­herr­schung im Zustand äußers­ter affek­ti­ver Ange­spannt­heit. Ing­lou­rious Bas­ter­ds dage­gen gewinnt sein nicht min­der beträcht­li­ches Pathos aus der bedin­gungs­lo­sen Hin­ga­be an den Affekt – der explo­si­ven Ent­la­dung des Zorns, der sich aus his­to­ri­schem Bewusst­sein speist. Auch hier fln­det sich im Übri­gen die Mon­ta­ge des frat­zen­haft ver­zerr­ten Gesichts eines wut­ent­brann­ten Bas­terd-Rächers mit einer Ansicht sei­nes Hass­ob­jekts – Hit­ler als ulti­ma­ti­ver Signi­fl­kant des abso­lut Bösen – doch in die­sem Fall gibt es kei­ne Gna­de. Durch­siebt wird aller­dings eine in ihrer Bil­lig­keit offen­kun­dig und wohl bewusst als fll­mi­sches Requi­sit erkenn­ba­re Atrap­pe, wäh­rend bei Come and See ein pho­to­gra­phi­sches Doku­ment Ein­halt gebie­tet. Auch das bezeugt die getrenn­ten Agen­den der bei­den Fil­me: Kli­mov ist letzt­lich der Wirk­lich­keit ver­pflich­tet, Taran­ti­no der Phan­ta­sie. Und obwohl man bei kei­nem der bei­den Fil­me von einer ein­deu­ti­gen Bot­schaft spre­chen kann, wer­den hier doch die Gren­zen des Ethi­schen auf unver­ein­ba­re Wei­se aus­ge­lo­tet – sie fln­den kon­trä­re Ant­wor­ten auf die­sel­be Fra­ge – und die­se Unver­ein­bar­keit for­dert die Stel­lung­nah­me der Zuschauer_​innen stär­ker, als es einer von ihnen allein getan hät­te. Der Wider­spruch liegt dabei auf der Erzähl­ebe­ne – das Extrem­bei­spiel eines for­mal-ideo­lo­gi­schen Clashs wäre hin­ge­gen die Gegen­über­stel­lung von 300(26) und Lance­I­ot du Lac(27). Bei­des sind Film­fas­sun­gen von Hel­den­my­then (im ers­ten Fall der Schlacht bei den Ther­mo­py­len, im zwei­ten eines Abschnitts der Artus­sa­ge), aber sie negie­ren sich in jedem Kader. Sny­der ist in sei­ner Adap­ti­on eines Comics von Frank Mil­ler dar­um bemüht, des­sen Schick­sals- und Kriegs­pa­thos unge­bro­chen auf die_​den Zuschau- er_​in zu über­tra­gen und bedient sich dafür aller ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel. Zwar ist die Mär vom Stoß­trupp, der unter der Lei­tung des Königs Leo­ni­das gegen den Wil­len der Diplo­ma­ten los­zieht, um «for spar­ta, for free­dom» den per­si­schen Hor­den die Stirn zu bie­ten, durch eine erzäh­le­ri­sche Rah­mung samt Voice-Over als Legen­de gekenn­zeich­net, aber der Film ist mehr als gewillt, sie zu dru­cken. Die Bil­der eifern der Visi­on vom ehren­ha­ben Hel­den­tod und der schreck­li­chen Schön­heit des Krie­ges, die vom Nar­ra­tiv auf­ge­tischt wird, in jeder Hin­sicht nach. Lan­ce­lot du Lac hin­ge­gen reißt schon zu Beginn eine iro­ni­sche Kluft auf zwi­schen Ereig­nis und Über­lie­fe­rung. Nach­dem die eröff­nen­de Ein­stel­lungs­fol­ge in knapp frag­men­tier­ter und ung­la­mou­rö­ser Manier Sze­nen namen- und gesichts­lo­ser Rit­ter beim Mor­den und Plün­dern anein­an­der­reiht, ist im aukt­oria­len Pro­log von den «fabel­haf­ten Aben­teu­ern unse­rer Hel­den» die Rede. Unmit­tel­bar ersicht­lich ist auch, dass sich Bres­sons Ver­hält­nis zu fll­mi­scher Wahr­heit und Wirk­lich­keit dras­tisch von der Sny­ders unter­schei­det. Bres­son ist einem radi­ka­len Mate­ria­lis­mus ver­pflich­tet: Sei­ne reduk­tio­nis­ti­sche Sti­lis­tik – die nahe­zu voll­stän­di­ge Abwe­sen­heit non­die­ge­ti­scher Musik, die vor­wie­gend sta­ti­sche Kame­ra, das Anti-Schau­spiel sei­ner ‹Model­le›, die natu­ra­lis­tisch-kar­ge Aus­stat­tung – sperrt sich gegen kon­ven­tio­nel­le Pathos­for­meln. Sei­ne Welt und sei­ne Figu­ren haben das Gewicht des Rea­len, und ein Bild bedeu­tet nie mehr als das, was es zeigt. 300 macht die Rea­li­tät sei­ner Fabel unter­tan. Sei­ne her­me­ti­sche Digi­ta­l­äs­the­tik ermög­licht maß­ge­schnei­der­te Bild- und Ton­ge­stal­tung, die bis ins letz­te Detail den atmo­sphä­ri­schen wie ideo­lo­gi­schen Anfor­de­run­gen der Hand­lung ent­spricht und einer sym­bo­lisch auf­ge­la­de­nen Mise en Scè­ne Vor­schub leis­tet. Die ein­heit­lich ath­le­ti­schen Män­ner­kör­per des Films über­win­den im Diens­te einer pathe­ti­schen Gewalt­cho­reo­gra­phie wie­der­holt die Geset­ze der Schwer­kraft oder deh­nen den Ablauf der Zeit, und sei­ne mit trei­ben­der Musik unter­mal­ten Schlacht­ge­mäl­de trans­por­tie­ren stets etwas über das Schlach­ten hin­aus, und sei es auch nur die erha­be­ne Anmut dis­zi­pli­nier­ten Kriegs­hand­werks. Eine Ent­haup­tung ist hier ein dra­ma­ti­scher Höhe­punkt. Im Ver­gleich dazu wir­ken die Kampf­sze­nen in Lan­ce­lot du Lac völ­lig sinn­ent­leert, nahe­zu lächer­lich: schlak­si­ge Rit­ter in unent­wegt schep­pern­den Rüs­tun­gen, die bei natür­li­chem Licht irgend­wo im Wald unge­lenk und mecha­nisch auf­ein­an­der ein­schla­gen, bis einer in sich zusam­men­klappt. Eine Ent­haup­tung ist eine Ent­haup­tung. Eben­so wenig wie einen hei­li­gen Gral scheint es hier einen Gott zu geben, der der Hand­lung über die Form eine höhe­re Bedeu­tung zuge­ste­hen wür­de, wäh­rend bei den grie­chi­schen Krie­gern hin­ter jedem Hieb ein Ide­al steht, das die­sen unter­schwel­lig legi­ti­miert. 300 peitscht die_​den Zuschauer_​in auf, wie die Per­ser ihre mons­trö­sen Ele­fan­ten, er will ihn für sei­ne Sache gewin­nen. Ent­spre­chend häuflg lässt er sei­nen Hel­den­kö­nig Brand­re­den schwin­gen, die in Auf­bau und Laut­stär­ke auf maxi­ma­le rhe­to­ri­sche Über­zeu­gungs­kraft getrimmt sind. Der apa­thisch-mono­to­ne Duk­tus aller Spre­chen­den bei Bres­son erzeugt dage­gen eine Art kom­mu­ni­ka­ti­ves Vaku­um. Fas­zi­nie­rend ist auch, dass die bei­den Fil­me aus ver­schie­de­nen Grün­den auf sehr ähn­li­che Schluss­se­quen­zen hin­aus­lau­fen, die ihre kon­trä­ren Hal­tun­gen auf den Punkt brin­gen. Sny­der por­trä­tiert stol­ze Krie­ger, die ihr intak­tes Wer­te­sys­tem zum Woh­le der Nach­welt unter Ein­satz ihres Lebens vor den ille­gi­ti­men Angrif­fen einer exter­nen Macht schüt­zen. Die Gemah­lin Leo­ni­das› trennt sich nur ungern von ihm, fügt sich aber sto­isch der Not­wen­dig­keit sei­nes Opfers, das hier sei­ne über­deut­li­che Affir­ma­ti­on über die Form erfährt: Nach­dem der Heros stand­haft einer Über­macht getrotzt hat, geht er von Pfei­len durch­bohrt zu Boden und erstarrt in einer Pose, die christ­li­chen Mär­ty­rer­bil­dern nach­emp­fun­den ist. Sei­ne letz­ten Wor­te – «my queen, my wife, my love» – klin­gen wie eine todes­kit­schi­ge Gruß­bot­schaft. Ein Epi­log ver­si­chert dem Publi­kum, dass sei­ne Taten nicht ver­ge­bens waren; die Nach­welt wird sich tat­säch­lich erin­nern, wofür er gestor­ben ist. In Lan­ce­lot du Lac zer­rüt­tet ein durch ver­fehl­tes Ehr­ge­fühl und Bigot­te­rie befeu­er­ter inter­ner Zwist eine Rit­ter­ge­mein­schaft, deren Spit­zen am Ende gegen­ein­an­der ins Feld zie­hen. Guin­eve­re ver­steht nicht, war­um ihr Gelieb­ter Lan­ce­lot gegen Artus kämp­fen muss, und er scheint es selbst nicht zu ver­ste­hen. Der Deter­mi­nis­mus der Bil­der kommt im Fina­le unmiss­ver­ständ­liK zum Aus­druK, das den Hel­den­tod buch­stäb­lich als fol­gen­lo­sen Sturz ins Nichts insze­niert: Nach einem kur­zen Geplän­kel, des­sen Ver­lauf sich der_​dem Zuschauer_​in kaum erschließt, fällt Lan­ce­lot töd­lich ver­letzt zu Boden und der Film reißt abrupt ab. Sein letz­tes Wort, «Guin­eve­re», klingt wie eine ver­zwei­fel­te Erkennt­nis, die zu spät kommt – eine Nach­welt gibt es nicht. Bres­son ent­wi­ckelt hier durch­aus sei­ne eige­ne Form von Pathos, die man exis­ten­tia­lis­tisch nen­nen könn­te; mit jener Sny­ders ist sie aber durch­weg inkom­pa­ti­bel und muss auf deren Affekt­bal­lon im direk­ten Anschluss wie eine Nadel wirken.

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Anschlie­ßend sei noch­mals gesagt: Das Trou­ble-Fea­ture-Kon­zept, wie ich es aus­ge­führt habe, ist der Vor­schlag einer Metho­de der fll­mku­ra­to­ri­schen Pra­xis. Ein Bei­spiel dafür, wie des­sen Umset­zung aus­se­hen könn­te, wäre etwa der Pro­gramm­zy­klus Was ist Film, den das Öster­rei­chi­sche Film­mu­se­um seit 1996 zeigt. Die­ser wur­de von Peter Kubel­ka als kura­to­ri­scher Ver­such einer empi­risch erfahr­ba­ren Defl­ni­ti­on der Essenz des Medi­ums als ori­gi­nä­re Kunst­gat­tung kon­zi­piert. Er umfasst 63 Pro­gram­me, wel­che ihrer­seits über­wie­gend aus meh­re­ren auf­ein­an­der­fol­gen­den Ein­zel­fll­men bestehen, die bis auf kur­ze Licht­pau­sen ohne Unter­bre­chung pro­ji­ziert wer­den. Die Kon­tex­tua­li­sie­rung der Vor­füh­run­gen und ihrer Bau­stei­ne beschränkt sich auf basa­le Eck­da­ten im Pro­gramm­ka­ta­log. Dabei ste­hen oft­mals «Doku­men­te, die nicht auf ein und das­sel­be hin­aus­lau­fen, neben- oder gegen­ein­an­der»(28). Kubel­ka selbst bezeich­net «Film­mon­ta­ge»(29) als das Modell für sei­ne Pro­gramm­rei­he: «Es bedarf immer der Ver­bin­dung zwei­er Tei­le, um etwas aus­zu­drü­cken: Zwei­er Wör­ter, zwei­er Noten, zwei­er Lini­en, zwei­er Mei­nun­gen, zwei­er Ein­zel­bil­der – oder eben zwei­er Fil­me»(30). Die Kom­bi­na­tio­nen sind «genau beab­sich­tigt. In der Zusam­men­stel­lung liegt immer auch eine Aus­sa­ge»(31), deren kon­kre­ten Gehalt sich die_​der ZusKauer_​in aller­dings selbst zusam­men­rei­men muss. So wirft der drit­te Teil der Serie mit der Kon­tras­tie­rung unter­schied­li­cher For­men fll­mi­scher Doku­men­ta­ti­on und Wahr­heits­fin­dung – Nanook of the North(32), Aus­zü­gen aus Kino­prav­da(33) und Win­dow Water Baby Moving(34) – die Fra­ge auf: «Wel­cher die­ser drei Fil­me stellt nun die soge­nann­te ‹wirk­li­che Welt› dar»(35)? Die Ver­schrän­kung von Kat­zel­ma­cher(36) und Outer Space(37) im 34. Kapi­tel wie­der­um bezeich­net der Film­kri­ti­ker Ste­fan Gris­se­mann als «Kon­fron­ta­ti­ons­pro­gramm»(38), des­sen Bestand­tei­le «ästhe­ti­sche End­punk­te [und] Extrem­po­si­tio­nen»(39) mar­kie­ren. Den­noch ist das Zykli­sche Pro­gramm klar als fll­mpäd­ago­gi­scher Erfah­rungs­raum kodi­fi­ziert. Wenn die cine­phi­le Ver­mitt­lung ihre poli­ti­sche Spreng­kraft wie­der­be­le­ben will, soll­te sie dem ZusKau­er sol­che und ähn­li­che Zumu­tun­gen auch außer­halb der geschütz­ten Hal­len eines Film­mu­se­ums zutrauen.

1. Vgl. Tho­mas Bedorf, „Das Poli­ti­sche und die Poli­tik. Kon­tu­ren einer Dif­fe­renz“, Das Poli­ti­sche und die Poli­tik, hg. v. Tho­mas Bedorf/​Kurt Rött­gers, Ber­lin: Suhr­kamp 2010, S. 13–37, hier S. 13ff.
2. Chan­tal Mouf­fe, Über das Poli­ti­sche. Wider die kos­mo­po­li­ti­sche Illu­si­on, Frankf. a. M.: Suhr­kamp 2007, S. 25.
3. Ebd., S. 27.
4. Ebd., S. 68.
5. Hier­für muss man ästhe­ti­sche Ent­wür­fe außen vor las­sen, die den Kon­flikt zum Teil ihrer Struk­tur machen,
z. B. Lucía (1968) von Hum­ber­to Solás, der aus drei klar von­ein­an­der getrenn­ten Epi­so­den besteht, die sich ver­schie­de­nen Geschichts­pe­ri­oden Kubas auf for­mal unter­schied­li­che Wei­se widmen.
6. Auch eine Ver­wei­ge­rung des Gese­he­nen kann in die­sem Kon­text als Leis­tung bezeich­net werden.
7. Vgl. Jac­ques Ran­ciè­re, „Gibt es eine poli­ti­sche Phi­lo­so­phie?“, Poli­tik der Wahr­heit, hg. v. Rado Riha, Wien: Turia + Kant 1997, S. 64–93, hier S. 67f.
8. The Tree of Life, Regie: Ter­rence Malick, US 2011.
9. Der Hin­weis­text lau­tet: „In respon­se to some cus­to­mer feed­back and a pola­ri­zed respon­se from last weekend we would like to take this oppor­tu­ni­ty to remind patrons that The Tree of Life is a uni­que­ly visio­na­ry and deep­ly phi­lo­so­phi­cal film from an auteur direc­tor. It does not fol­low a tra­di­tio­nal, line­ar nar­ra­ti­ve approach to sto­rytel­ling. We encou­ra­ge patrons to read up on the film befo­re choo­sing to see it, and for tho­se elec­ting to attend, plea­se go in with an open mind and know that the Avon has a No-Refund poli­cy once you have purcha­sed a ticket to see one of our films. The Avon stands behind this ambi­tious work of art and other chal­len­ging films, which defi­ne us as a true art house cine­ma, and we hope you will expand your hori­zons with us“; Euge­ne Her­nan­dez, „Movie Thea­ter to ‚Tree of Life‘ Cus­to­mers: Enter At Your Own Risk!“, Indie­wire, 2011, http://​blogs​.indie​wire​.com/​e​u​g​/​m​o​v​i​e​_​t​h​e​a​t​e​r​_​t​o​_​t​r​e​e​_​o​f​_​l​i​f​e​_​c​u​s​t​o​m​e​r​s​_​e​n​t​e​r​_​at_ your_​own_​risk, 18. 12. 2013.
10. Ran­ciè­re, „Gibt es eine poli­ti­sche Phi­lo­so­phie?“, S. 68.
11. Ebd., S. 67.
12. Mouf­fe, Über das Poli­ti­sche, S. 72.
13. Ebd., S. 70.
14. Dies gilt auch für das Modell zeit­ge­nös­si­scher Film­fes­ti­vals. Mari­jke de Valck bezeich­net die­se am Bei­spiel des Inter­na­tio­na­len Film­fes­ti­vals Rot­ter­dam als ‚cine­phi­le Mul­ti­plex­ki­nos‘, die zwar der Sicht­bar­keit mar­gi­na­li­sier­ter For­men Sor­ge tra­gen, sich in ihren Pro­gramm­struk­tu­ren aber unwei­ger­lich von markt­lo­gi­schen Über­le­gun­gen lei­ten las­sen und kaum Eng­füh­run­gen wider­sprüch­li­cher For­men bemü­hen; vgl. Mari­jke de Valck, „Drow­ning in Pop­corn at the Inter­na­tio­nal Film Fes­ti­val Rot­ter­dam? The Fes­ti­val as a Mul­ti­plex of Cine­ma“, Cine­phi­lia. Movies, Love and Memo­ry, hg. v. Mari­jke de Valck/​Malte Hage­ner, Ams­ter­dam: Ams­ter­dam Univ. Press 2005, S. 97–110.
15. Mouf­fe, Über das Poli­ti­sche, S. 158.
16. Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang auch, dass die­ses Modell oft­mals pro­duk­ti­ve Ant­ago­nis­men auf der Pro­duk­ti­ons­sei­te zuspitz­te: Der japa­ni­sche Regis­seur Sei­jun Suzu­ki etwa hat immer wie­der betont, dass das Kas­ten­sys­tem im Nik­katsu-Stu­dio der 60er-Jah­re – also die ver­schie­de­nen Handlungsspielräume
und Sta­tus­dif­fe­ren­zen sei­ner A- und B‑Abteilungen – ihn erst zu den Grenz­über­schrei­tun­gen und for­ma­len Wag­nis­sen sei­ner B‑Filme ansporn­te; vgl. Tony Rayns, „Bran­ded to Kill. Reduc­tio Ad Absur­dum“, The Cri­ter­ion Coll­ec­tion, 2011, http://​www​.cri​ter​ion​.com/​c​u​r​r​e​n​t​/​p​o​s​t​s​/​2​0​9​6​-​b​r​a​n​d​e​d​-​t​o​-​k​i​l​l​-​r​e​d​u​c​t​i​o​-​a​d​-​a​b​s​u​r​dum, 12. 12. 2013.
17. Die­ses Kon­zept ist nur inso­fern dem Grad didak­tisch, als jede Form von Film­ver­mitt­lung in ihren Grund­zü­gen didak­tisch ist. Sie geht bloß einen Schritt wei­ter als die Prak­tik, zwei Fil­me, die die_​der Kurator_​in in Bezug set­zen will, hin­ter­ein­an­der in getrenn­ten Vor­stel­lun­gen zu pro­gram­mie­ren. Die Ein­la­dung zur Gegen­über­stel­lung ist deut­li­cher her­vor­ge­kehrt. Dar­in liegt die (mil­de) Anma­ßung und das poli­ti­sche Poten­ti­al (denn das Poli­ti­sche und die Anma­ßung lie­gen in der radi­ka­len Demo­kra­tie­theo­rie eng bei­ein­an­der). Ob und inwie­weit die_​der Zuschauer_​in dar­auf ein­geht, ist aber wei­ter­hin ihr_​ihm überlassen.
18. Ber­tolt Brecht, „Wahr­heit (2)“, Gro­ße kom­men­tier­te Ber­li­ner und Frank­fur­ter Aus­ga­be. Bd. 21: Schrif­ten l. l9l4–l933, hg. v. Wer­ner Hecht et al., Berlin/​Frankf. a. M.: Aufbau/​Suhrkamp 2003, S. 428.
19. Wal­ter Ben­ja­min, „Der Autor als Pro­du­zent“, Gesam­mel­te Wer­ke. Bd. 2: Das Kunst­werk im Zeit­al­ter sei­ner tech­ni­schen Repro­du­zier­bar­keit und ande­re Schrif­ten, Frankf. a. M.: Zwei­tau­send­eins 2011, S. 513–527, hier S. 525.
20. Sven Kra­mer, „Mon­tier­te Bil­der. Zur Bedeu­tung der fil­mi­schen Mon­ta­ge für Wal­ter Ben­ja­mins Den­ken und Schreiben“,
‚In die Höhe fal­len‘. Grenz­gän­ge zwi­schen Lite­ra­tur und Phi­lo­so­phie, hg. v. Anja Lemke/​Ulrich Wer­gen, Würz­burg: Königs­hau­sen & Neu­mann 2000, S. 195–212, hier S. 200.
21. Ran­ciè­re, „Gibt es eine poli­ti­sche Phi­lo­so­phie?“, S. 67.
22. Es soll aber nicht dar­um gehen, ideo­lo­gisch ‚gute‘ Fil­me auf die Schul­tern von ‚bösen‘ zu stel­len. Es ist z. B. wesent­lich ein­fa­cher, den ‚guten‘ Autoren­film gegen das ‚böse‘ Hol­ly­wood ins Ren­nen zu schi­cken, als Posi­tio­nen auf bei­den Sei­ten zu fin­den, die ihre diver­gie­ren­den Stand­punk­te in Grund­satz­fra­gen zum Medi­um (oder zum Leben) auf über­zeu­gen­de Wei­se vertreten.
23. Come and See, Regie: Elem Kli­mov, UdSSR 1985.
24. Vgl. Emma­nu­el Lévi­n­as, Ethik und Unend­li­ches. Gesprä­che mit Phil­ip­pe Nemo, Wien: Pas­sa­gen 2008, S. 64.
25. Ing­lou­rious Bas­ter­ds, Regie: Quen­tin Taran­ti­no, US 2009.
26. 300, Regie: Zack Sny­der, US 2006.
27. Lan­ce­lot du Lac, Regie: Robert Bres­son, FR/​IT 1974.
28. Ste­fan Grissemann/​Alexander Horwath/​Regina Schlag­nit­weit, „Vor­wort“, Was ist Film. Peter Kubel­kas Zykli­sches Pro­gramm im Öster­rei­chi­schen Film­mu­se­um, hg. v. Ste­fan Gris­se­mann et al., Wien: Syn­e­ma 2010, S. 4–5, hier S. 4.
29. Ste­fan Grissemann/​Peter Kubel­ka, „‚Kei­nes­falls durch das Sieb der Spra­che‘. Was soll ‚Was ist Film‘ sein? Zur Kon­zep­ti­on des Zykli­schen Pro­gramms. Peter Kubel­ka im Gespräch mit Ste­fan Gris­se­mann“, Was ist Film, hg. v. Gris­se­mann et al., 2010, S. 7–26, hier S. 8.
30. Ebd.
31. Ebd., S. 24.
32. Nanook of the North, Regie: Robert J. Fla­her­ty, US 1922.
33. Kino­prav­da, Regie: Dzi­ga Ver­tov, UdSSR 1922–1925.
34. Win­dow Water Baby Moving, Regie: Stan Brak­ha­ge, US 1959.
35. Vgl. Ebd., S. 19.
36. Kat­zel­ma­cher, Regie: Rai­ner Wer­ner Fass­bin­der, BRD 1969.
37. Outer Space, Regie: Peter Tscher­kass­ky, AT 1999.
38. Ste­fan Gris­se­mann, „Pro­gramm Nr. 34“, Was ist Film, hg. v. Gris­se­mann et al., 2010, S. 109–111, hier S. 109.
39. Ebd.