Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Währinger Kassiber: Griechenland

Du hast geschrie­ben: Es ist Früh­ling. Mir war kalt. Du hast mir Bil­der von Blu­men geschickt. Ich habe kei­ne gese­hen. Du hast Oli­ven geges­sen, grü­ne, dicke Oli­ven. Ich habe bei einem Dich­ter gele­sen, dass ihr Saft die Dau­er über­strömt. Und dann habe ich dir geschrie­ben, dass unser­eins auch von der Käl­te leben kann und vom War­ten auf die Son­ne und dann hast du Tage nichts mehr geschrie­ben. Das machst du manch­mal so, du bist im Früh­ling und schickst kei­ne Wärme.

Im Stock über mir hört jemand Vedrai, Vedrai, es klingt, als wür­den die Boxen ver­zeh­ren. Non so dir­ti come e quan­do, Ma vedrai che cam­bierà. Du hast mir gesagt, dass mir nichts ande­res übrig bleibt, als von dem zu zeh­ren, was nicht mehr da ist. Dass das nor­mal sei, hast du gesagt und dass es das Schick­sal wäre von denen, die so sind wie wir. Aber wie sind wir? Die Tage sind jetzt hel­ler, aber das Licht fällt nir­gend­wo­hin. Ich woll­te dir das Licht hier beschrei­ben, aber mir feh­len die Wor­te für die dia­pha­nen Ereig­nis­se der Tage. Ich schrei­be dir dies: Auch hier wird es bald Früh­ling sein und auch wenn es kei­ne Oli­ven gibt, wird es doch schön sein.

Und dann hast du mir doch wie­der ein Bild geschickt oder einen Satz, ich weiß es nicht mehr. Was es auch war, du warst zufrie­den. Du warst in Grie­chen­land und ich weiß noch, dass ich dich vor mir gese­hen habe und mir gedacht habe: Was für eine Höl­le ist die Fer­ne und wie schön glit­zert die Son­ne auf der Stra­ße und wenn man recht­zei­tig auf­steht, kann man die Amseln zwei­mal am Tag sin­gen hören.